Ehe: Steuervorteil ist weniger wichtig

Heirat auf den letzten Drücker: Steuerberater erhalten zum Jahresende viele Anfragen von Paaren, die sich dadurch einen Steuervorteil erhoffen. Foto:  dpa

Witzenhausen/Eschwege. Kurz vor Jahresende noch zum Standesamt? Kann man da noch Steuern für das ganze Jahr sparen?

„Soll ich dieses Jahr noch heiraten und die Feier später nachholen?“ Diese Frage erreicht Martin Sprenger zum Jahresende ganz oft. „Es ist jedoch ein Irrglaube, dass man durch eine Eheschließung einen erheblichen Betrag an Steuern spart“, weiß der Steuerberater, der mit seinem Partner Gerd Schindewolf Mandanten in Büros in Witzenhausen und Eschwege berät.

Denn Einkommen und die entsprechende Steuer werden laut Sprenger durch eine Ehe nur auf zwei Schultern verteilt. Verdienen beide Paare beispielsweise 30 000 Euro im Jahr, zahlen sie als Ledige mit Steuerklasse 1 jeweils 5500 Euro. Als Ehepaar liegt das gemeinsame Einkommen dann bei 60 000 Euro, die Steuern bei circa 11 000 Euro.

Einzige Ausnahme sei, wenn ein Partner wenig oder kein Einkommen habe. „Ist die Frau beispielsweise gerade Mutter geworden und hat außer ihrem Elterngeld keine Einnahmen, lohnt sich eine Hochzeit, da der Freibetrag von beiden auf das Einkommen des Mannes angerechnet wird.“ Erhalte dieser jährlich zum Beispiel 35 000 Euro würde das Paar 3000 Euro Steuern zurückbekommen. „Je größer die Einkommensunterschiede beider Partner - je größer ist der Steuervorteil“, sagt Sprenger.

Auch die für den Besserverdiener wählbare Steuerklasse 3 falle bei ähnlich hohem Gehalt beider nicht ins Gewicht. Ein Beispiel: Verdient der Mann 35 000 Euro im Jahr, die Frau 30 000 Euro, zahlen beide zusammen 9034 Steuern, wenn sie in Steuerklasse 4 sind. Diese Steuerklasse bei Ehepaaren entspricht der Steuerklasse 1 für Ledige. Wählt das Paar für den Ehemann, der mehr verdient, die Steuerklasse 3, ist die Ehefrau in Steuerklasse 5. Bei dieser Konstellation würde sich das Paar mit zu zahlenden Steuern in Höhe von 9430 Euro sogar schlechter stellen. „Die Konstellation 3/5 ist sinnvoll, wenn derjenige mit Steuerklasse 3 idealerweise 60 Prozent des Gesamteinkommens verdient, was hier nicht gegeben ist“, sagt Sprenger. Bei dem Ehegatteneinkommen von 65 000 Euro (35 000 und 30 000) ergibt sich eine voraussichtliche Jahreseinkommenssteuer von 9014 Euro und somit käme es zu einer Erstattung von 20 bzw. 416 Euro.

Die zu viel gezahlten Steuern erhält das Paar mit der Erstellung der Einkommensteuererklärung zurück - individuelle Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen sind aber noch nicht berücksichtigt. Jedes Ehepaar sollte sich also individuell in Bezug auf die günstigste Steuerklasse beraten lassen.

Viel entscheidender als eine Steuerersparnis sei laut Sprenger die Absicherung beider Partner in vielen Rechtsbereichen. „Wenn beispielsweise der Mann verstirbt, erhält die Frau keine Witwenrente, wenn sie nicht verheiratet waren“, sagt der 41-Jährige, der auch darauf hinweist, den Begünstigten der Lebensversicherung aktuell zu halten. Bei der Erbschaftsteuer haben nicht verheiratete Paare einen Freibetrag von 20 000 Euro, Ehepaare hingegen einen von 500 000 Euro.

Hintergrund: Nicht alle müssen eine Steuererklärung abgeben

Eine Steuererklärung abgeben müssen grundsätzlich nur Selbstständige und diejenigen, die in dem Jahr, für welches die Erklärung abgegeben werden soll, Unterstützung vom Staat in Form von Kranken-, Eltern- oder Arbeitslosengeld erhalten haben. „Arbeitnehmer, die keine Unterstützung vom Staat erhalten haben und der Meinung sind, keine Nachzahlung erwarten zu können, antworten darauf, dass sie nicht verpflichtet sind, eine Erklärung abzugeben und entsprechend keine abgeben werden“, sagt Steuerberater Martin Sprenger.

Weiß man, dass man durch Schichtarbeit, Zulagen oder Krankengeld in dem laufenden Jahr ein schwankendes Gehalt hat, kann man die Steuerklasse wechseln. „Dies ist einmal im Jahr möglich“, sagt Sprenger. Hat man in dem betroffenen Jahr Kranken- oder Arbeitslosengeld bezogen, kann eine Einzelveranlagung beider Ehepartner bei der Steuererklärung sinnvoll sein.

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