Trotz Rechtsreform

Ehepaare im Werra-Meißner-Kreis wählen meist Namen des Mannes

Werra-Meissner. Wenn zwei sich trauen, mögen sie es - zumindest bei der Wahl des Familiennamens - konventionell.

Obwohl das Bundesverfassungsgericht vor 25 Jahren für eine freie Namenswahl sorgte, zeigt eine Umfrage unter den Standesämtern des Werra-Meißner-Kreises: Auch heute noch wird sich mehrheitlich für den Namen des Mannes entschieden.

Dabei gibt es keine Unterschiede zwischen großer Kreisstadt und kleinerer Kommune. In Eschwege nahmen zum Beispiel von 72 Brautpaaren im Jahr 2015 insgesamt 62 einen gemeinsamen Namen an, davon in 56 Fällen den des Mannes. Elf Ehepartner tragen seitdem einen Doppelnamen. Auch in den vorhergehenden Jahren rangierte die Quote beim Männernamen bei gut 90 Prozent. Im Ringgau nahmen von den zehn Brautpaaren in 2013 und 2014 sogar alle den Namen des Mannes an. Ähnliches weiß Daniel Reese aus der Neu-Eichenberger Verwaltung zu berichten. Von sechs Brautpaaren des vergangenen Jahres trägt nur eines den Namen der Frau. Eine weitere Braut entschied sich für einen Doppelnamen, alle weiteren Paare führen den Familiennamen des Mannes.

Dabei hat die Rechtssprechung der vergangenen Jahrzehnte das Namensrecht immer wieder reformiert. Seit 1900 galt schlicht durch Paragraf 1355 des Bürgerlichen Gesetzbuches: Frauen nehmen den Namen des Mannes an. Erst 1958 durften Frauen ihren Namen als Doppelnamen anhängen. Bis 1976 sollte es dauern, damit Eheleute den Namen der Frau annehmen können - allerdings nur, wenn der Mann das wollte. Erst 1991 kippte das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe diese Bestimmung und erzwang damit die freie Namenswahl.

Und 2004 wurde ermöglicht, dass Geschiedene mit Namen des Ex-Partners diesen bei Wiederverheiratung als Familiennamen mit in die neue Ehe nehmen. (nde)

Wie viele Paare sich im Kreisteil Witzenhausen für den Namen der Ehefrau entschieden haben, lesen Sie in der gedruckten Freitagsausgabe der HNA-Witzenhäuser Allgemeinen.

Rubriklistenbild: © dpa

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