Wegen Schulschwänzens wird selten ein Bußgeld fällig

Eltern im Werra-Meißner-Kreis stellen häufiger Anträge auf frühzeitige Ferien

Werra-Meißner. Früher in die Ferien starten oder einen Tag später zurückkommen: Manche Eltern nehmen es bei der Urlaubsplanung mit der Schulpflicht ihrer Kinder nicht so genau. Im Werra-Meißner-Kreis scheint es dieses Problem nicht zu geben.

Erziehungsberechtigte haben die Möglichkeit, vor den Ferien einen Antrag auf frühzeitige Beurlaubung zu stellen. „Billigere Flüge oder Urlaub, das sind für uns keine Argumente, grünes Licht zu geben“, sagt Anita Hofmann vom Staatlichen Schulamt für den Landkreis Werra-Meißner. Wer sich dennoch gegen eine Ablehnung durchsetzt, und sein Kind frühzeitig aus der Schule nimmt, „dem droht ein Bußgeld“. Solche Fälle kämen in der Region jedoch nur selten vor.

Das bestätigt auch die Johannisberg-Schule in Witzenhausen. Allerdings zeigt sich, dass dort mehr Anträge gestellt werden. „Die leicht steigende Tendenz der vergangenen Jahre setzt sich fort“, sagt Schulleiter Andreas Hilmes. Dass Eltern ihre Kinder ohne Anfrage aus der Schule holen, und somit bewusst geschwänzt wird, verneint er. Es gebe einzelne Fälle, wo die Ferien nach hinten raus verlängert würden.

An der Rhenanus-Schule in Bad Sooden-Allendorf hält man sich ebenfalls an die Vorgabe. „Bei uns ist keine Verlängerung möglich, wenn die Ausnahme nicht besonders begründet ist“, sagt Schulleiter Dr. Jörg Möller. Und wenn doch jemand schwänzen würde, würde das schnell auffallen. „Die Schüler sind gut untereinander vernetzt. Wer vorgibt, krank zu sein, und dann ein Urlaubsbild online stellt, fliegt auf“, weiß er.

Auch Reisebüros im Kreis haben nicht den Eindruck, dass Kinder früher aus der Schule genommen werden. „Dass Familien die Ferien verlängern, ist mir bisher nicht untergekommen“, sagt Nergiz Fleckenstein, Geschäftsführerin des Reisebüros Heli in Hessisch Lichtenau. 

Hintergrund: 

In Bayern hatte die Polizei vor Beginn der Pfingstferien etliche Schulschwänzer an Flughäfen abgefangen. Die Eltern wurden angezeigt. In Hessen gibt es vor den Schulferien keine gezielten Kontrollen. Von der Bundespolizei könne man dennoch erwischt werden. Ob diese die Ordnungswidrigkeit dem Schulamt melden, liegt dann in dessen Ermessen. Eltern, die gegen die Schulpflicht verstoßen, müssen mit einem Bußgeld rechnen. Und das ist vor allem um die Ferienzeit deutlich höher als an anderen Schultagen. Fehlt ein Schüler vor oder nach den Ferien, sind 100 Euro pro Tag zu zahlen. Ab sechs Fehltagen kostet es die Erziehungsberechtigten 150 Euro je Tag. Und im Wiederholungsfall wird es richtig teuer: Dann ist der zu zahlende Betrag von dem Einkommen der Eltern abhängig.

Rubriklistenbild: © Martin Meissner/AP Photo

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.