Maskenpflicht in der Öffentlichkeit

Erste Schritte in neuen Alltag: Menschen im Kreis halten sich an Vorschriften

Die Schüler der 10 d der Freiherr-vom-Stein-Schule in Hessisch Lichtenau waren am Montag nach sechs Wochen das erste Mal wieder in der Schule. Im Unterricht müssen sie keinen Mundschutz tragen, aber Abstand halten.
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Die Schüler der 10 d der Freiherr-vom-Stein-Schule in Hessisch Lichtenau waren am Montag nach sechs Wochen das erste Mal wieder in der Schule. Im Unterricht müssen sie keinen Mundschutz tragen, aber Abstand halten.

Die Menschen im Kreisteil Witzenhausen sind offensichtlich diszipliniert. Nach ersten Beobachtungen wurden die wegen der Corona-Pandemie  angeordnete Maskenpflicht  eingehalten.

Am Nordbahnhof in Witzenhausen war zur Mittagszeit zu beobachten, wie alle Fahrgäste sich ihre Maske – manche hatten auch ein Tuch – schnell über Mund und Nase zogen, bevor sie in den Cantus-Zug nach Kassel einstiegen. Nur zwei Männer, die bereits im Waggon saßen, hatten sich den Schutz heruntergezogen, wie durch die Scheibe zu erkennen war.

Und eine junge Frau aus Hamburg, die per Zug nach Witzenhausen gereist war, berichtete, sie habe während ihrer vierstündigen Bahnfahrt ausschließlich maskierte Menschen im Zug wahrgenommen. Beim Aussteigen aus dem Stadtbus am Marktplatz in Witzenhausen war am Montagmittag zu beobachten, wie sich ein älterer Mann und ein junges Mädchen schnell ihrer Maske entledigten und sie einsteckten, als sie auf den Gehweg traten. Im Bus aber hatten beide ihren Schutz angelegt.

Auch ein Busfahrer am Stadtbahnhof in Eschwege bestätigte, dass seine Fahrgäste alle vorschriftsmäßig mit Mundschutz in seinem Omnibus gesessen hätten.

„Alle Kunden hatten eine Maske auf. Es hat sich niemand beschwert“, bestätigt Tobias Brandl, der die Edeka-Märkte in Großalmerode und Hessisch Lichtenau führt. Beim Lichtenauer Rewe mussten laut Marktleiterin Tina Goebel gestern nur zwei Jugendliche weggeschickt werden, weil sie keine Maske trugen und sich auch am Eingang keine kaufen wollten. 

Maske tragen müssen auch die Schüler der Haupt- und Realschule, die die Abschlussklassen besuchen. Sie gehen seit Montag wieder zur Schule. Allerdings abgespeckt. Mathe, Deutsch und Englisch wird unterrichtet. Mit Abstandsregelung, Maskenpflicht in den Pausen und Hygienebelehrungen. Das scheint am ersten Tag gut zu klappen. Bei einem Besuch in der Valentin-Traudt-Schule Großalmerode fällt niemand aus dem Rahmen. Schon nach einigen Stunden Unterricht berichten die 16-jährigen Realschülerinnen Analena Anacker und Fiona Hildebrandt, dass das Lernen in der Schule sich deutlich von dem zuhause unterscheidet. „Auf jeden Fall.“ In den kommenden vier Wochen wird es darum gehen, die Schulabgänger gut auf ihre Prüfungen am 25., 27. und 29. Mai vorzubereiten, erklärt Leiter Christoph Matt. 

Fast keine Ausnahmen von Maskenpflicht

Die Maskenpflicht gilt für alle, wenn sie Busse und Bahnen des öffentlichen Personennahverkehrs nutzen oder Geschäfte, Bank- und Postfilialen betreten – außer für Kinder unter sechs Jahren und Menschen, die wegen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung oder Behinderung keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen können. Witzenhausens Bürgermeister Daniel Herz empfiehlt ihnen, lieber einen der vielen Hilfsdienste zu nutzen, als vor die Tür zu gehen.

So verlief der Schulstart: Mit Abstand und Schutzmasken

Seit Montag heißt es für die Abschluss-Schüler der Haupt- und Realklassen: Unterrichtet wird wieder in der Schule. Wir haben uns in der Valentin-Traudt-Schule (VTS) Großalmerode und der Freiherr-vom-Stein-Schule (FVSS) Hessisch Lichtenau umgehört, wie die ersten Schulstunden liefen.

Valentin-Traudt-Schule in Großalmerode

Auf dem Boden der VTS sind Abstandsmarkierungen, am Treppengeländer weisen Pfeile die Laufrichtung. Ein bisschen komisch sei das, sagt die 16-jährige Realschülerin Analena Anacker, „aber ich habe mich gefreut, dass ich wieder in die Schule kann.“ Durch die um zwei Wochen verschobenen Abschlussprüfungen habe sie nun vier Wochen Zeit zur Vorbereitung. Aber: „Es ist anders, als wir es gewohnt sind“, so ihre Klassenkameradin Fiona Hildebrandt.

Gut geschützt am ersten Tag zurück in der Schule präsentieren sich (von links) Analena Anacker und Fiona Hildebrandt vor dem A-Trakt, in dem ihr Klassenraum liegt, mit Schulleiter Christoph Matt.

Für die beiden heißt es jetzt: Weg von Lernen am Nachmittag und abends zuhause hin zu einem halbwegs geregelten Schulalltag. Halbwegs geregelt, weil alle Klassen geteilt wurden. Auch Anfangs- und Pausenzeiten wurden gestaffelt, dafür die Unterrichtsstunden von 45 auf 65 Minuten erhöht. „Nachfragen ist in der Schule einfacher“, hat Fiona bereits am ersten Tag festgestellt. 

Und auch Sozialkontakte auf Abstand freuen die beiden 16-Jährigen. Fiona: „So lange zuhause zu sein wird langweilig.“ Angst, wieder in die Schule zu gehen, hatten beide nicht. „Es war eher die Frage, wie wird das?“, berichtet Analena. Und es stellte sich ihr die Frage: Werden sich alle an die Regeln halten? Wer das nicht tut, muss mit Konsequenzen rechnen, betont VTS-Leiter Christoph Matt. Seit der Schließung habe für das Kollegium gegolten, Schule neu zu denken. So mussten etliche Verordnungen umgesetzt werden, etwa, dass auf den Toiletten die Lufttrockner gegen Papiertücher ersetzt wurden. Und es muss immer weiter evaluiert werden, was verbessert werden muss, so Matt. Denn: Auch wenn die Abschlussklassen in vier Wochen die Schulen verlassen – ihre Schulpflicht endet mit der Prüfungswoche und nicht mit dem Ferienbeginn – werde wohl auch das erste Halbjahr des neuen Schuljahres irregulär verlaufen. 

Für Fiona und Annalena heißt das: Sie müssen warten, wie sich der Alltag an den Beruflichen Schulen in Witzenhausen gestaltet, die beide im Anschluss besuchen werden. 

Freiherr-vom-Stein-Schule in Hessisch Lichtenau 

Am Montag war auch für 83 Schüler der FVSS der erste Unterrichtstag nach sechs Wochen Zwangspause. Er wurde gut vorbereitet, sodass der Schulstart ohne Zwischenfälle gelang. 

Schüler und Lehrer wurden im Vorfeld über Hygiene- und Abstandsregeln informiert. Die Klassen wurden geteilt, maximal 15 Personen dürfen im Unterrichtsraum sein. Da zudem ein Abstand von 1,50 Meter einzuhalten ist, sind die meisten Räume für diese Anzahl ohnehin zu klein, sagt Schulleiter Burkhard Wieders. 

„Jetzt geht das noch, weil es relativ wenig Schüler sind. Ich kann mir aber nicht vorstellen, wie das schon mit der Hälfte der Schülerschaft, also rund 300 Schülern, funktionieren soll“, sagt Wieders. Die Klassen haben verschiedene Pausenzeiten, damit sie auf den Gängen möglichst wenig Kontakt haben. Während des Unterrichts müssen die Schüler keinen Mundschutz tragen, aber in den Pausen. Selbst beim Betreten der Schule sind die Jugendlichen auf drei Eingänge verteilt worden, um den Kontakt zu minimieren. Zu Beginn des Unterrichtstages wurden zudem alle noch einmal über die neuen Regeln geschult und erhielten dabei auch ihren Mundschutz. 

Vom Schulträger wird dafür jedem Schüler täglich eine Maske gestellt. Zudem gab es auch Mundschutz vom Schulamt: „Die Ämter waren am Wochenende sehr aktiv und haben uns mit zusätzlichen Masken versorgt“, berichtet Wieders. Die konnte er, wie andere Schulleiter auch, am Sonntag aus Bebra vom Schulamt abholen. Neben den Masken sind Desinfektionsmittel, Seife und Papierhandtücher allen 34 Schulen im Kreis zur Verfügung gestellt worden, wie Kreissprecher Jörg Klinge informiert. Zudem wurden auch die Reinigungsintervalle in Gebäuden angepasst und sensible Flächen werden zusätzlich gereinigt. 

„Es ist komisch, wieder in der Schule zu sein, aber wir sind auch erleichtert“, sind die Schüler der 10d sich einig. Vom 25. bis 29. Mai schreiben sie ihre Abschlussarbeiten und haben nun die Möglichkeit, sich in der Schule noch einmal konzentriert auf die Prüfungen vorzubereiten. 

„Eigentlich ist die Vorbereitung nun noch intensiver, da nur die Prüfungsfächer unterrichtet werden“, sagt Wieders. Insgesamt finden die Schüler die Situation aber auch ein wenig beängstigend, da sie nicht wissen, was als Nächstes kommt. 

Den Weg zur Schule können viele aus der 10d schon mit dem eigenen Roller zurücklegen oder wurden von den Eltern gebracht. Einige Schüler sind jedoch auf Bus und Bahn angewiesen: „Da haben sich einige nicht an den Abstand gehalten“, berichtet eine Schülerin. „Ein Mann ist auch ohne Maske eingestiegen und niemand hat etwas gesagt.“

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