Interview mit zwei Jugendvertretern im Werra-Meißner-Kreis

„Es ist wichtig, dass es Jugendräte gibt“

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„Du bist gefragt!“: Diese Botschaft möchten Lukas Lewetz (links) und Clemens Kampmann gern unter die Jugendlichen im Kreis bringen.

Neues Jahr, neues Glück – was wird die Zukunft für die Region bringen? Und was sagt jemand dazu, der noch fast sein ganzes Leben vor sich hat? Friederike Steensen hat bei den Jugendlichen Lukas Lewetz und Clemens Kampmann nachgefragt.

Was wünscht Ihr Euch für den Kreis für 2018?

Lukas Lewetz: Dass sich die Jugendlichen besser vernetzen – also kennenlernen und zusammenarbeiten. Viele haben gute Ideen, wissen aber nicht, wen sie ansprechen können, wenn sie Hilfe brauchen.

Clemens Kampmann: Wir wollen einen Runden Tisch für Jugendliche, wo sich alle austauschen können. Wenn in einer Stadt zum Beispiel ein Jugendrat gegründet werden soll, kann man sich dort Tipps holen, denn es gibt ja schon Jugendräte im Kreis.

Lewetz: Unsere Idee war, aus jeder Gemeinde zwei Jugendliche einzuladen. Das hat bis jetzt nicht geklappt, weil es nirgendwo einen Überblick oder einen E-Mail-Verteiler gibt, wer sich in den einzelnen Orten engagiert – nicht mal bei der Jugendförderung des Kreises. Da läuft etwas falsch und das wollen wir ändern. Im Januar werden wir im Jugendforum KommUnity genauer planen. Es soll eine Webseite und Flyer geben, im Februar und März wollen wir in Jugendzentren und Schulen Infostände aufbauen. Wichtig ist: Jeder, der will, kann mitmachen.

Ein Problem bei Jugend-Gremien ist, dass viele nicht lange dabei sind, weil sie für Ausbildung und Studium wegziehen. Wie geht ihr damit um?

Kampmann: Wir glauben, dass ein großes Gremium helfen kann, weil immer jemand übrig bleibt, auch wenn einzelne wegen Studium und Ausbildung gehen. Ganz wichtig: Man muss früh Jüngere ansprechen und anlernen – das sehen wir auch bei der Schülervertretung. Dann wachsen Jugendliche in die Verantwortung hinein. Man muss alles genau aufschreiben, damit man die Arbeit gut an seine Nachfolger übergeben kann.

Lewetz:Projekte müssen auch schneller umgesetzt werden. Wir haben 1,5 Jahre für einen Jugendrat in Bad Sooden-Allendorf gekämpft – immer wieder mussten Details und Formulierungen in den Ausschüssen besprochen werden, dafür sind wieder Monate verstrichen.

Was ist in Jugendgremien noch anders?

Kampmann: Es kommt mehr auf persönliche Kontakte und Freundschaften an. Die gemeinsame Arbeit, etwa bei der Gründung eines Jugendrats, schweißt zusammen. Aber wenn man sich in der Gruppe nicht wohlfühlt, geht man auch nicht hin. Viele Jugendliche können schon Verantwortung übernehmen, es ist aber gut, wenn Eltern, Lehrer und andere ihnen etwas zutrauen und sie dabei begleiten.

Fühlt Ihr Euch von den Erwachsenen ernst genommen?

Kampmann: Es gibt zwei Sorten von Erwachsenen: Die einen beziehen einen stark ein, die anderen sind skeptisch. Sie entscheiden über Dinge, die Jugendliche betreffen, kommen aber nicht auf die Idee, um unsere Meinung zu fragen.

Lewetz: Von denen sind aber viele sehr offen, wenn man sie darauf hinweist, dass Jugendliche eine andere Sicht haben. Der Altersdurchschnitt in den Parlamenten ist oft ziemlich hoch. Deshalb ist es wichtig, dass es Jugendräte gibt, die unsere Interessen vertreten.

Kampmann: Die Hessische Gemeindeordnung sieht vor, Kinder und Jugendliche bei einer Entscheidung, die sie auch betrifft, „in angemessener Weise zu beteiligen“. Dieser Paragraf ist viel zu schwammig, jede Stadt kann ihre eigenen Regeln machen. Wirklich gerecht wäre es, wenn Jugendliche in ganz Hessen automatisch das Recht hätten, einen Jugendrat zu gründen, statt mühsam ihre Stadt davon überzeugen zu müssen.

Würdet ihr Jugendlichen empfehlen, sich für eine Partei zu engagieren?

Lewetz:Eigentlich ist es sinnvoller, politisch neutral zu arbeiten. In einer Partei wird man schnell auf Linie gebracht. Dabei ist es eigentlich nicht wichtig, in welche Richtung man politisch geht, Hauptsache, man bringt sich in die Gesellschaft ein. Wenn man irgendwann weiß, was einem wichtig ist, findet man eine passende Partei.

Der Werra-Meißner-Kreis ist groß, der öffentliche Nahverkehr schlecht. Wie wollt ihr so viele Jugendliche an einen Tisch bekommen?

Kampmann: Wir brauchen bessere ÖPNV-Verbindungen. Sonst können sich doch nur Jugendliche engagieren, bei denen die Eltern bereit sind, sie zu fahren. Außerdem müssen Fahrtkosten erstattet werden, das gibt es noch nicht bei allen Jugendgremien.

Lewetz: Auch im Zeitalter von Smartphones muss man sich an einen Tisch setzen: Bei einer Skype-Konferenz gibt es viel mehr Durcheinander. 

Die erste Hürde ist aber nicht die Fahrt: Jugendliche müssen erst mal wissen, wie sie sich engagieren können und dass das Spaß macht. Deshalb wird bei KomUnity-Veranstaltungen nicht nur geredet. Wir hatten auch schon einen Rapper zu Besuch, haben ein Graffiti-Projekt oder eine Fackelwanderung gemacht.

Warum lohnt es sich, sich im Kreis zu engagieren?

Kampmann:Weil wir hier leben! Man kann sich doch an seinem Lebensmittelpunkt nur wohlfühlen, wenn man ihn selbst mitgestaltet. Wie das gehen kann, wollen wir gern an andere Jugendliche weitergeben.

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