Bestand der Fichten ist akut bedroht

Forstämter im Werra-Meißner-Kreis kämpfen gegen den Borkenkäfer

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Nur noch dürre Spitzen: Diese Fichten auf dem Wolfsberg im Kaufunger Wald bei Dohrenbach sind nach Sturm Friederike, der Trockenheit im Jahr 2018 und einer Borkenkäferplage nicht mehr zu retten.

Waldbesucher müssen damit rechnen, dass bis zum Sommer wegen Baumfällarbeiten Wege gesperrt sind. Denn für die heimischen Forstämter gehen mehr als ein Jahr nach Orkan Friederike die Aufräumarbeiten weiter.

Fichten, die bereits trocken sind, müssen erstmal stehen bleiben. Revierförster Ulrich Wagener zeigt auf einige verbliebene Bäume, die nach Orkan Friederike zwar auf dem Wolfsberg bei Roßbach stehen geblieben sind, aber in Folge von Trockenheit und Borkenkäferbefall bereits abgestorben sind.

Der Grund sind Borkenkäfer, die bei den durch den Orkan geschwächten Fichten 2018 leichtes Spiel hatten und sich rasant vermehrt haben. Einige Gebiete sind so stark betroffen, dass die Fichten nicht mehr gerettet werden können und vorerst sich selbst überlassen werden müssen. Der Borkenkäfer befalle nur Fichten, „in denen noch Leben ist“, erklärt Dr. Thomas Rysavy, Forstamtsleiter in Wehretal. Tote und kranke Bäume, die keine Käfer mehr anziehen, müssten erstmal stehen bleiben. Ein Aufräumen aller Windwurfflächen ist derzeit nicht möglich, bestätigt der Leiter des Landesbetriebs Hessen Forst, Michael Gerst: „Wir müssen uns darauf konzentrieren, frisch befallene Bäume konsequent zu ernten.“

Für die Fällarbeiten stehen dem Forstamt Wehretal sieben Forstwirte zur Verfügung, dem Forstamt Hessisch Lichtenau 15. Auch Lohnunternehmen fällen mit Holzerntemaschinen befallene Fichten und bereiten sie für den Abtransport vor. 2018 mussten in Hessisch Lichtenau mit 300 000 Kubikmetern dreimal so viel Fichten eingeschlagen werden wie sonst, berichtet Forstamtsleiter Matthias Dumm. In Wehretal waren es 100 000 Kubikmeter, sagt Rysavy.

Weil in ganz Hessen derzeit viel Fichtenholz auf den Markt kommt, sind die Preise auf die Hälfte der üblichen Summe gefallen, sagt Dumm. Auf bessere Preise warten können die Forstämter nicht, weil man spezielle Nasslager für Baumstämme bräuchte. Dafür gibt es im Werra-Meißner-Kreis aber keine geeigneten Standorte. Da es in Asien derzeit eine Nachfrage nach Fichte gibt, wurde ein Teil des Holzes nun in Containern nach China geliefert. 

Hessenweit mussten 2018 nach der Sturmschäden und der Borkenkäferplage mehr als zwei Millionen Kubikmeter Fichtenholz geerntet werden – dreimal so viel wie sonst. Die finanziellen Verluste im gesamten Bundesland belaufen sich laut Gerst auf 50 Millionen Euro, hinzu kommen Kosten im zweistelligen Millionenbereich für die Schädlingsbekämpfung. 

Und nicht nur die Fichten leiden: „Alle Bäume sind vom letzten Jahr geschwächt, der Wasserspeicher im Boden hat sich noch nicht ausreichend gefüllt. Wenn noch ein trocken-heißer Sommer folgt, wäre das eine Katastrophe“, warnte Hessen-Forst-Chef Michael Gerst bei einer Pressekonferenz.

Wie die Mitarbeiter der Forstämter im Wald nach befallenen Bäumen suchen, lesen Sie in der gedruckten Donnerstagsausgabe der HNA-Witzenhäuser Allgemeinen.

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