Radfahrer prallte mit Seniorin zusammen

Frau starb nach Unfall – Strafe für Radkurier aus dem Werra-Meißner-Kreis

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Kassel – Unter Tränen hatte der 27 Jahre alte Angeklagte aus dem Werra-Meißner-Kreis ein umfassendes Geständnis vor dem Amtsgericht in Kassel abgelegt.

Demnach war er gegen 12.40 Uhr auf einer Dienstfahrt vom Kasseler Ständeplatz kommend auf der abschüssigen Strecke in Richtung Trompete unterwegs. Als die Ampel auf Gelb und drei Sekunden später auf Rot umsprang, habe er trotzdem die „Ampel noch mitnehmen“ wollen und sei weiter gefahren. Einen Radfahrer, der seinen Weg kreuzte, habe er rechts umfahren, als plötzlich die Fußgängerin vor ihm aufgetaucht sei. Er habe zwar noch gebremst, den Zusammenstoß mit der zierlichen alten Frau aber nicht mehr vermeiden können. Das alles tue ihm furchtbar leid.

Beim Zusammenprall mit der Fußgängerin war der Radfahrer zwischen 45 und 60 Stundenkilometer schnell. Zu diesem Ergebnis kam Dekra-Unfallgutachter Winfried Hagelstein in seiner Expertise. Das Bahn-Rennrad des Fahrrad-Kuriers verfüge nur über eine Vorderbremse, die nicht einmal optimal gearbeitet hätte. Bei dem Spezialrad drehen die Pedale immer mit, einen Leerlauf gibt es nicht, die Wirkung der Rücktrittbremse sei eher mäßig. Außerdem verfügte das Rad weder über eine Klingel noch eine Lichtanlage.

Zum Hergang des Geschehens hatte Richter Leyhe vier Zeugen gehört, die zum Teil erheblich abweichende Angaben machten. Mal gab es wartende Autos vor der roten Ampel, mal nicht, mal war die Fußgängerin in Richtung Neue Fahrt über die Straße gegangen, mal in der Gegenrichtung. Den trügerischen Erinnerungen der Augenzeugen musste Richter Leyhe in seiner Bewertung Rechnung tragen.

Der Angeklagte wurde vom Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt worden. Richter Leyhe setzte die Strafe für zwei Jahre zur Bewährung aus. Er sprach in seiner Urteilsbegründung von einer „falschen, im Sekundenbruchteil“ getroffenen Entscheidung, die einem Menschen das Leben gekostet habe.

Staatsanwältin Julia Beinroth hatte eine Bewährungsstrafe von acht Monaten gefordert, der Anwalt der Tochter des Opfers, die als Nebenklägerin aufgetreten war, ein Jahr und sechs Monate. Zu der vom Angeklagten vorgebrachten Entschuldigung äußerte sie sich nicht.

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