Laien unterstützen professionelle Helfer

Freiwillige helfen gezielt: DRK organisierte schnelle Unterstützung für Seniorenheim

Ungebundene Helfer packen mit an: Bei der Hochwasserkatastrophe an der Elbe im Juni 2013 wurden die professionellen Helfer schon von Freiwilligen unterstützt, hier beim Sichern eines Deiches mit Sandsäcken.
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Ungebundene Helfer packen mit an: Bei der Hochwasserkatastrophe an der Elbe im Juni 2013 wurden die professionellen Helfer schon von Freiwilligen unterstützt, hier beim Sichern eines Deiches mit Sandsäcken.

Vor zehn Jahren wurde die Freiwilligenkoordination beim Deutschen Roten Kreuz gegründet und auch während der Coronakrise kam sie im Werra-Meißner-Kreis zum Einsatz. 

Die Idee wurde vor zehn Jahren geboren, jetzt hat sich die Umsetzung ein zweites Mal bei einer Krisensituation im Werra-Meißner-Kreis bewährt: Die Freiwilligenkoordination beim Deutschen Roten Kreuz sorgte dafür, dass Bewohner eines Seniorenheimes im Werra-Meißner-Kreis nicht auf ihre täglich frisch zubereiteten Speisen verzichten mussten.

Zu Beginn der Coronakrise entschieden die DRK-Kreisverbände Witzenhausen und Eschwege, jeweils die Freiwilligenkoordinierung zu aktivieren, um einen Pool an Hilfswilligen aufzubauen. Daraus resultierte schon bald die Unterstützung eines Seniorenheimes im Landkreis. Denn dort waren nicht nur Pflegekräfte und Bewohner, sondern auch Mitarbeiter in der Küche vom Coronavirus infiziert worden. Da alle Erkrankten sofort in heimische Isolation geschickt wurden, drohte die Küche kalt zu bleiben. Doch auf Vermittlung durch die DRK-Freiwilligenkoordination stellte ein ortsansässiger Gastronom einige seiner Beschäftigten, die sowieso in Kurzarbeit geschickt worden waren, zum Aushelfen ab. So mussten die Senioren nicht auf ihre gewohnten Mahlzeiten verzichten.

Erstmals zum Einsatz kamen vom DRK koordinierte Helfer bei der Flüchtlingswelle 2015, als beispielsweise die Kleiderkammer in Hessisch Lichtenau durch 60 Freiwillige betreut wurde.

Große Einsätze der zurückliegenden Jahre, wie beim Elbehochwasser 2002 und 2003, zeigten nicht nur Wolfgang Frühauf, dem DRK-Katastrophenschutz-Beauftragten beim DRK-Kreisverband Witzenhausen und Vorsitzenden des DRK-Ortsvereins Bad Sooden-Allendorf, dass es eine große Zahl an hilfswilligen Bürgern gibt, die keiner Hilfsorganisation, Behörde oder ähnlichem angehören. So überlegte sich Frühauf zusammen mit einigen Mitstreitern hauptsächlich aus dem Werra-Meißner, wie diese ungebundenen Helfer so sinnvoll wie möglich eingesetzt werden können. Dafür erfand und entwickelte die Projektgruppe dann die „Freiwilligenkoordination“, die mittlerweile von großer Bedeutung geworden ist. Und die, wovon Frühauf ausgeht, „immer wichtiger wird“. 

Idee der Freiwilligenkoordination im Katastrophenschutz

Sie wollen tatkräftig unterstützen, wenn mal Not am Mann ist – freiwillig, unkompliziert und unentgeltlich. Aber sich dauerhaft einer Hilfsorganisation anschließen, ist nicht so ihr Ding. Weshalb sie „ungebundene Helfer“ genannt werden. Das Potenzial dieser Freiwilligen hat Wolfgang Frühauf, bekannt als findiger Buchhändler in Bad Sooden-Allendorf und seit bald vier Jahrzehnten beim Deutschen Roten Kreuz in verantwortungsvollen Funktionen engagiert, zusammen mit ein paar Mitstreitern in der Badestadt schon vor zehn Jahren erkannt. 

Einsatzort für ungebundene Helfer: Sie waren 2015 in der Kleiderkammer zur Versorgung der Flüchtlinge in der Erstaufnahme-Einrichtung in Hessisch Lichtenau eingesetzt.

Die daraus entwickelte „Freiwilligenkoordination“ gibt es seit 2014 sogar als eigenen Fachdienst beim DRK-Landesverband Hessen und eine Einsatzeinheit in Fritzlar, womit der Landesverband bundesweit der erste Verband ist, der eine solche Einsatzeinheit geschaffen hat – und die, so ist Frühauf überzeugt, für künftige Krisen- und Katastrophenfälle „immer wichtiger wird“. 

Ziel der Freiwilligenkoordination ist, gut ausgebildete Fachhelfer von Rettungs- und Katastrophenschutz-Organisationen von einfachen Tätigkeiten zu entlasten, die auch von anderen, eben ungebundenen Helfern übernommen werden können. 

Das Revolutionäre sei, so Frühauf, die Helfer ihren Alltagserfahrungen gemäß niedrigschwellig einzusetzen, beispielsweise zum Ausgeben von Essen, zum Füllen von Sandsäcken und Aufschichten eines Damms. „Dafür brauche ich keine Fachausbildung. Es reicht, wenn mich jemand, der das Wissen hat, gegebenenfalls anleitet“, sagt Frühauf. 

Er erkannte schon früh, dass sich die Gesellschaft und deren Freizeitverhalten ändern. Immer weniger vorwiegend jüngere Menschen wollen sich langfristig binden, aber zum Helfen sind sie durchaus bereit. Dieses Problem zeigt sich beispielsweise bei den örtlichen Feuerwehren, denen immer mehr Aktive fehlen. 

Bisher bitten Menschen in Not über soziale Medien um Unterstützung, es ist aber nicht steuerbar, wie viele Helfende tatsächlich vor Ort eintreffen, teilweise kamen Einsatzstellen wegen „Überfüllung“ zum Erliegen, erläutert Wolfgang Frühauf. 

Die Einheit Freiwilligenkoordinierung fängt die Menschen, die sich nach einem Aufruf zum Helfen vor Ort einstellen, auf und bringt sie zielgerichtet zum Einsatz – gemäß deren Fähigkeiten und beruflichen Qualifikationen. 

Dann brauchen weder eine Krankenschwester noch ein Elektromeister eine langwierige Ausbildung, sondern nur noch eine gezielte Einweisung über die Dinge, die sie nicht kennen können.

Anmelden „für alle Fälle“ ist jederzeit möglich

Das Angebot der Hilfe durch die Freiwilligenkoordination des DRK gilt nicht nur im Falle von Natur- und sonstigen Katastrophen, sondern immer in Krisensituationen. Hilfe anfordern kann jeder Bürger, auch jede Einrichtung, Behörde, Verein oder Betrieb. 

Viele Helfer können beim Leerräumen von Kellern bei Hochwasser anpacken, ebenso den Einkauf für gefährdete Gruppen übernehmen, manche aber auch das Steuer eines Lastwagens übernehmen, wenn bei einer Spedition eine Reihe Fahrer ausfallen und es droht, dass Transporte nicht erledigt werden können. 

Es wird bereits jetzt eine Datenbasis mit hilfsbereiten Menschen gebildet. So kann man sich jederzeit „für alle Fälle“ sozusagen melden, als ungebundener Helfer ebenso wie auch als Besitzer besonderen Equipments wie beispielsweise eines mobilen Stromerzeugers, den man zur Verfügung stellen würde. Leider, bedauert Frühauf, gehe das Anmelden noch nicht über eine Internetplattform.

Anmeldung:

Interessierte können sich aber melden unter Tel. 0 55 42/ 93 23-100 und per E-Mail: info@drk-wiz.de

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