Urteil gegen Eschweger

Gefährliche Körperverletzung: Mann muss mit "Wutstörung" in die Psychiatrie

Kassel/Werra-Meißner. „Bei Ihnen ist die Strafe sekundär. Es geht darum, dass Ihnen geholfen und die Allgemeinheit geschützt wird.“ Mit diesen Worten begründete Richter Volker Mütze das Urteil des Landgerichts für einen 43 Jahre alten Eschweger.

Der psychisch kranke Mann war wegen versuchten Totschlags angeklagt und sitzt bereits seit dem Vorfall am 30. Januar vergangenen Jahres in seiner Eschweger Wohnung in der Klinik für forensische Psychiatrie in Haina. Dort bleibt er auch, nachdem ihn das Gericht gestern zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt hatte.

Nach einer Auseinandersetzung mit seiner Ehefrau wegen scheinbar ausstehender Mietzahlungen durchs Jobcenter hatte der Mann seine Frau mit einem Blumentopf beworfen, ihre Finger im Fenster eingequetscht.

Als die Frau am Nachmittag in Begleitung des gemeinsamen Betreuers vom Sozialamt in die Wohnung zurückkehrte, hatte sich der Angeklagte mit erhobenem Messer auf den 45-jährigen Sozialarbeiter gestürzt. Der konnte aber mit einer „südkoreanischen Kampfkunst“ (Richter Mütze) den Angriff abwehren. Der Angeklagte hatte sich nach der Attacke wieder ins Bett gelegt.

Eine Tötungsabsicht vermochte die Kammer in der Aktion nicht zu erkennen. Der Angeklagte gerate aus nichtigem Anlass völlig außer sich, habe sich dann nicht mehr unter Kontrolle und sei nur noch eingeschränkt schuld- und steuerungsfähig, hatte der Göttinger Psychiater Dr. Georg Stolpmann in seinem Gutachten festgestellt. Verteidiger Andreas Goschin sprach von einer „Wutstörung“.

Der früher stark übergewichtige Mann war nach einer Magenoperation immer stärker in die psychische Krankheit abgedriftet und hatte selbst um therapeutische Behandlung gebeten.

Angstvoll und geduckt saß er gestern auf der Anklagebank, doch der Richter versuchte, ihm die Sorgen um die Zukunft zu nehmen: „Machen Sie bei der Therapie mit, im Krankenhaus werden Sie mit allem versorgt. Und wenn Sie rauskommen, werden Sie nicht allein sein, sondern alles wird für Sie geregelt“, tröstete Mütze. Da nickte der Eschweger dankbar. 

Rubriklistenbild: © dpa

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