Geständiger Bankräuber muss zehn Jahre in Haft

Werra-Meißner. Zu zehn Jahren Haft hat das Kasseler Landgericht einen 68-jährigen Mann aus dem Werra-Meißner-Kreis verurteilt, der fünf bewaffnete Raubüberfälle verübte.

Er gestand nach seiner Festnahme alles.

Die Überfälle verübte der Mann zwischen Dezember 2013 und Juli 2014. Angeklagt waren jetzt drei Fälle der schweren räuberischen Erpressung im Werra-Meißner- und dem Schwalm-Eder-Kreis. Bereits im Dezember 2014 hatte das Landgericht Fulda den gesundheitlich angeschlagenen Mann für Überfälle auf eine Bank in Obersuhl und den Aldi-Markt in Philippsthal zu sechs Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt.

2002 machte sich der 68-Jährige als Versicherungsmakler selbstständig, das Geschäft wurde auf die Frau eines Freundes angemeldet, berichtete er. Viele Vertragsabschlüsse einer Berufshaftpflichtversicherung seien ihm wegen der langen Storno-Haftung von acht Jahren damals zum Verhängnis geworden. Viele Kündigungen trudelten ein. Um Provisionsrückzahlungen zu verhindern, bezahlte er die Beiträge weiter, so der Angeklagte. Finanziell wurde es eng, 70 000 Euro lieh er sich ab 2007 von Freunden.

„Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen“, sagte der Angeklagte, der hoffte, mit der Beute aus den Überfällen die Schulden tilgen zu können. Am 9. Dezember 2014 überfiel er vermummt und bewaffnet die Bank in Herleshausen, drohte mit Geiselnahme und erbeutete 24 000 Euro. Mit nur 500 Euro sei der Raubüberfall am 12. Juni 2014 auf die Sparkasse in Felsberg nahezu schief gegangen. Am selben Tag erbeutete der Angeklagte im Rewe-Markt in Spangenberg 1065 Euro. Das geliehene Tatfahrzeug hatte er mit gestohlenen Kennzeichen versehen.

Bei jedem der sechs Opfer entschuldigte sich der 68-Jährige. „Sie wussten nicht, dass ich nicht schießen werde“, sagte er. Verteidiger Bernd Pfläging forderte eine Strafe von acht Jahren und sechs Monaten. „Sie hätten die Reißleine früher ziehen können“, sagte der Richter und folgte mit seinem Urteil der Staatsanwaltschaft.

440 000 DM hatte der Angeklagte 1999 bei einem Banküberfall auf die Sparkasse in Waldkappel erbeutet. Das wurde erst jetzt - 16 Jahre nach dem Überfall - nach einem DNA-Test ermittelt (HNA berichtete). Dieser Überfall wird wohl nicht zur Anklage kommen, weil die Tat das Gesamtstrafmaß nicht berühren würde. Seinen Job als Versicherungsagent im Werra-Meißner-Kreis hatte der Mann 2002 verloren, als er wegen hoher Schulden nach erfolglosen Spekulationen mit Aktien- und Warentermingeschäften Geld seines Arbeitgebers veruntreut hatte. Dafür wurde er zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt, geriet aber für den Überfall in Waldkappel nie ins Visier der Ermittler. (zal)

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