Große Zahl der Vorsorgeuntersuchungen belastet Kinderärzte im Werra-Meißner-Kreis

Werra-Meißner – Seit elf Jahren sind die Vorsorgeuntersuchungen U1 bis U9 für Kinder in Hessen verpflichtend. Die Kinderärzte im Werra-Meißner-Kreis ächzen unter der Mehrbelastung. 

Die Vorsorgeuntersuchungen umfassen die Zeit direkt nach der Geburt bis zum sechsten Lebensjahr. Diese Untersuchungen haben „zu einem enormen Anstieg an Vorsorgeterminen in den Praxen geführt“, berichten Dr. Florian Peters und Armin Frick aus der Gemeinschaftspraxis für Kinder- und Jugendmedizin in Eschwege.

Dennoch sei der Mehrbedarf an Kinder- und Jugendärzten als „kompetenteste Stelle“ für die Untersuchungen nicht angepasst worden. Im Werra-Meißner-Kreis gebe es seit rund 18 Jahren fünf Kinderarztsitze. Diese Zahl bestätigt die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KV). Die Vorsorgeuntersuchungen seien wichtig für die Kontrolle der gesundheitlichen Entwicklung von Kindern, so die KV-Sprecherin Petra Bendrich. Doch gerade Eltern mit hoher psychosozialer Belastung versäumten die Termine oft. Sie müssten die Vorsorge dann selbst bezahlen, was sie häufig nicht können. „Die Kinder- und Jugendärzte bemühen sich, die Kinder dennoch gut zu betreuen – ohne entsprechende Vergütung“, berichtet Bendrich. Auch der bürokratische Aufwand wachse zunehmend.

„Kinder sind eben keine kleinen Erwachsenen“, sagen Peters und Frick, und bräuchten deshalb eine differenzierte Versorgung. In einem Rechenbeispiel gehen die Ärzte von rund 8000 U1- bis U9-Vorsorgeterminen pro Jahr im Werra-Meißner-Kreis aus. Da die ersten beiden Untersuchungen meist im Krankenhaus stattfänden, blieben noch etwa 6570 Vorsorgetermine für die Kinderärzte – laut Peters und Frick ergeben sich daraus 2190 Stunden im Kreis. Hinzu kämen noch die freiwilligen, durchaus sinnvollen Vorsorgeuntersuchungen U10, U11, J1 und J2. Sie hoffen auf eine Verbesserung der Situation durch weitere Stellen. Laut Klaudia Ress vom Ärztebündnis Werra-Meißner können auch Hausärzte problemlos Vorsorgeuntersuchungen für Kinder übernehmen. 

U1 bis U11 - Diese Untersuchungen gibt es

Die Vorsorgeuntersuchungen U1 bis U3 finden in den ersten fünf Lebenswochen statt, U4 und U5 vom dritten bis siebten Lebensmonat. Die U6- bis U9-Untersuchungen werden in den ersten fünf Jahren vorgenommen. Das Kindervorsorgezentrum Hessen kontrolliert, ob die Untersuchungen eingehalten werden, und fordert Eltern, die sie versäumt haben, zum Nachholen auf. Laut Petra Bendrich von der KV Hessen wäre es sinnvoll, auch die Vorsorgeuntersuchungen zwischen dem fünften und zehnten Lebensjahr (U10 und U11) als Kassenleistung für alle verpflichtend zu machen.

Ansprechpartner für Eltern, Helfer für Kinder

„In keiner anderen Lebensphase des Menschen geschieht so viel Wachstum, Veränderung und Anpassung im körperlichen, geistigen und kulturellen Bereich wie in der Kindheit und Jugend.“ Das teilen die Kinder- und Jugendärzte Dr. Florian Peters und Armin Frick, die in Eschwege eine Gemeinschaftspraxis betreiben, mit. Deshalb bräuchten Eltern einen kompetenten Ansprechpartner, der bei Unsicherheiten hilft und gezielt Rat geben kann. Um dies zu gewährleisten, sind unter anderem die in Hessen verpflichtenden Vorsorgeuntersuchungen U1 bis U9 für Kinder bis sechs Jahre da. Damit diese neben dem Alltagsgeschäft fachgerecht vorgenommen werden können, fordert die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KV) zusätzliche Kinderarztsitze (wir berichteten).

Bei den Vorsorgeuntersuchungen für Kinder „können wichtige altersbezogene medizinische und pädagogische Inhalte kommuniziert werden. Gerade in Familien, in denen die Kinder nicht regelmäßig einem Arzt vorgestellt werden, können auch Fälle von Vernachlässigung oder Missbrauch frühzeitig erkannt werden“, so KV-Sprecherin Petra Bendrich. Die Untersuchungen sind kostenlos, wenn der Zeitrahmen eingehalten wird – wenn nicht, kann die Krankenkasse die Kostenübernahme verweigern.

Zu jeder Untersuchung sollten Eltern das Gelbe Untersuchungsheft, das sie in der Regel bei der Geburt erhalten, die Krankenversicherungskarte sowie den Impfausweis des Kindes mitbringen. In dem Gelben Heft werden alle Untersuchungen dokumentiert, was Bendrich generell als „wichtig und richtig“ beschreibt.

Liege einmal ein Eintrag über eine Störung des Kindes vor, sei dies oft ein Ausschlusskriterium für private Krankenversicherungen oder auch für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung, selbst wenn diese Störung nur vorübergehend ist.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.