Haftstrafe für Gaunerstück

Werra-Meißner-Kreis. Zwei Jahre und vier Monate muss ein Mann absitzen, der wegen Betrugs und Urkundenfälschung verurteilt wurde.

Wegen Betruges und Urkundenfälschung hat das Landgericht Kassel am Mittwoch einen 26-jährigen Mann aus Eschwege zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt. Die 5. Strafkammer mit Richter Stanoschek an der Spitze befand ihn eines Gaunerstückes für schuldig, das an Dummheit eigentlich kaum zu überbieten ist.

Die Handelnden in diesem Stück sind drei Männer, die sich gegenseitig die Krone der größten intellektuellen Unbedarftheit streitig machen:

Da ist der Angeklagte A., ein früherer Sonderschüler ohne Abschluss und Ausbildung mit ausgeprägter Schreib- und Rechenschwäche, Hartz-IV-Empfänger mit viel Freude am Automatenspiel.

Hinzu kommt Zeuge K., ein ewig klammer Handwerker, der 2012 Insolvenz anmeldete, keinerlei Vermögen mehr besaß, der gleichwohl 2013 dem Angeklagten 30.000 Euro für eine ertragreiche Geldanlage gegeben haben will.

Jetzt kommt Zeuge S. ins Spiel: Der langjährige Freund von Zeuge K. ist Schichtarbeiter bei VW, verdient gute 2600 Euro netto im Monat, wohnt mietfrei beim Onkel und hat ordentlich Geld angesammelt, von dem er große Summen in bar daheim aufbewahrt. Er verteilt das Geld an Zeuge K. und den Angeklagten. Am Ende der ganzen Geschichte soll er zwischen 170.000 und 195.000 Euro verloren haben, sich bei Onkel, Arbeitskollegen und Bank sogar heftig verschuldet haben.

Zeuge S. gibt Zeuge K. um die 100.000 Euro, ohne Quittung, ohne Beleg, ohne Gewinnerwartung - sozusagen als Freundschaftsdienst. Wieviel von dem Geld in die Taschen des Angeklagten floss, ließ sich nicht mehr klären.

Nach dem Tod seiner Eltern ist Zeuge K. aus dem Spiel, der Angeklagte macht jetzt die Geschäfte direkt mit dem Zeugen S. Wenn der seine 100.000 Euro nicht verlieren wolle, müsse er weiter bezahlen - was der immer verzweifelter werdende Mann auch tut. Jetzt will er aber endlich wissen, was mit dem Geld passiert.

Der Angeklagte legt daraufhin Schreiben von Anwaltbüros vor, in denen erst Rückzahlungssummen von 200.000 Euro, dann 500.000 Euro, dann 640.000 Euro versprochen werden - wenn nur tüchtig weiter eingezahlt werde. Der offenbar grenzenlos vertrauensselige und naive Zeuge S. übergibt noch einmal rund 70.000 Euro an den Angeklagten.

Die angeblichen Anwaltsschreiben hat der nach Auffassung des Gerichts selbst zusammengeschustert. „Da wurden irgendwelche Fantasiesummen hingerotzt, die angeblich ausgezahlt werden sollten“, knurrte der Richter. Er und Staatsanwältin Herwig verliehen den Schriftstücken des Angeklagten die Eigenschaften „sinnfrei“, „Blödsinn“ und „Schwachsinn“.

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