Jährlich sterben 300 Deutsche wegen Handymissbrauchs

Handy am Steuer: Polizei kann bei Verdacht Gerät beschlagnahmen

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Das Handy am Steuer ist eine Gefahr. Die Polizei kann bei Verdacht das Telefon sogar beschlagnahmen.

Ablenkung ist eine der häufigsten Unfallursachen. Amtliche Daten über die Zahl von Verkehrsunfällen, die passieren, weil der Fahrer durch sein Handy abgelenkt ist, gibt es nicht.

„Eine Schätzung wäre nicht seriös“, sagt Jörg Künstler, Pressesprecher der Polizei Werra-Meißner.

Dass die Ablenkung durch Smartphones aber durchaus ein zunehmendes Problem ist, bestätigte Polizeisprecher Torsten Werner (Kassel) im Oktober. 300 Deutsche sterben laut der Wochenzeitung Zeit jährlich wegen Handymissbrauchs, deutlich mehr als die 250 Unfallopfer durch Alkohol.

Ein Hinweis darauf, wie stark das Problem wächst, sind die Bußgeldbescheide für „Handy am Steuer“: 2017 waren es in Hessen etwa 17.800, sagt Harald Merz vom Regierungspräsidium Kassel. 2013 waren es noch rund 15.000. 100 Euro sind für Handysünder fällig, plus ein Punkt in Flensburg. Aber das scheint Fahrer nicht abzuschrecken: „Daraus ergibt sich kein besonderer Effekt“, so Harald Merz.

Handy am Steuer: Fahren im Blindflug  

Viele Fahrer sind offenbar uneinsichtig, unterschätzen die Gefahren. Ist ein Autofahrer bei Tempo 50 nur für eine Sekunde abgelenkt, fahre er 14 Meter im Blindflug, so Werner. „Wenn der begründete Verdacht einer Handynutzung besteht, kann das Handy unter Beachtung der einschlägigen Gesetze sichergestellt oder beschlagnahmt und anschließend hinsichtlich der Nutzung einer Auswertung zugeführt werden“, berichtet Künstler.

Bei der Verkehrssicherheitsaktion „Focus on the Road“ stoppten Beamte der Polizeidirektionen Kassel, Schwalm-Eder, Waldeck-Frankenberg und Werra-Meißner Ende September 2018 insgesamt rund 1500 Verkehrsteilnehmer. An den Kontrollstellen stellten sie etwa 270 Verstöße fest – in 50 Fällen nutzten die Fahrer ein Handy. In mehr als 200 Fällen gab es andere Beanstandungen, vor allem nicht angelegte Sicherheitsgurte. 

Drohende Strafe: Mindestens 100 Euro und ein Punkt

Wer mit dem Handy am Steuer erwischt wird, dem drohen mindestens 100 Euro Bußgeld und ein Punkt – werden andere gefährdet oder es gar zu einem Unfall kommt, wird es laut Polizeisprecher Jörg Künstler noch teurer. Es ist laut Straßenverkehrsordnung verboten, das Handy bei laufendem Motor zu bedienen – das gilt auch für andere elektronische Geräte wie Tablets. 

Werden sie als Navigationsgerät benutzt, muss man sie in einer Halterung befestigen. Die Start-Stopp-Mechanik an Ampeln gilt nicht als Ausschalten des Motors. Wer mit Handy am Ohr geblitzt wird, zahlt laut Künstler für beides – überhöhte Geschwindigkeit und Handy am Steuer. 

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