Zwei Drittel der heutigen Mediziner sind 2030 im Rentenalter

Hausärzte werden knapp im Werra-Meißner-Kreis 

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Noch sieht sie gut aus: Die ärztliche Versorgung im Werra-Meißner-Kreis. Für die Zukunft erwarten Experten Engpässe.

Werra-Meissner. Noch ist der Werra-Meißner-Kreis mit Ärzten recht gut versorgt. Bis zum Jahr 2030 wird allerdings ein großer Bedarf vor allem an Hausärzten herrschen.

Laut einer Analyse der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen aus 2016 zur ambulanten medizinischen Versorgung fallen momentan die meisten Hausärzte in die Altersklasse 56 Jahre und älter – brauchen also in den kommenden Jahren einen Nachfolger.

Geht man davon aus, dass Hausärzte mit 65 Jahren ihre Praxis abgeben, dann erreichen im Jahr 2020 bereits 21 der momentan 70 Hausärzte im Kreis dieses Alter. Bis zum Jahr 2030 werden es 44, also knapp zwei Drittel, sein. Das Problem: Es gibt zu wenig Mediziner, die als Hausarzt arbeiten; noch weniger, die aufs Land ziehen möchten. Aber: Auch beispielsweise für die Stadt Kassel gäbe es Probleme, Nachfolger für freie Ärztesitze zu finden, erklärt Dr. Klaudia Ress, Allgemeinmedizinerin aus Hessisch Lichtenau und Vorsitzende des Ärztebündnisses Werra-Meißner.

Arbeitsgruppe gegen drohenden Ärztemangel

Um dem drohenden Ärztemangel entgegenzusteuern, gibt es seit einigen Jahren eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Gesundheitsamtes, so Sylvia Weinert, Sprecherin des Landkreises. Sie besteht aus Vertretern von Hausärzten, Klinikum, Pflege, Krankenkassen, der Kassenärztlichen Vereinigung und Bürgermeistern. Umgesetzt habe sie bisher unter anderem einen Weiterbildungsverbund zwischen Klinikum und niedergelassenen Ärzten, damit Ärzte sich zu Allgemeinmedizinern fortbilden können. Zudem sollen Medizinische Versorgungszentren – eines existiert bereits am Klinikum – installiert werden.

Karl Roth, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, teilt mit, dass es Nachwuchskampagnen an Universitäten gibt, um bei Nachwuchs-Ärzten für eine Niederlassung zu werben. Dazu werden Medizinern in Bad Hersfeld und Frankfurt seit Jahren Gründer- und Abgeberforen geboten. 

Finanzielle Unterstützung

Entscheidet sich ein Mediziner, eine hausärztliche Praxis auf dem Land zu übernehmen, bekommt er unter anderem durch die Kassenärztliche Vereinigung reichlich finanzielle Unterstützung angeboten, sagt Sprecher Karl Roth. So gibt es in bestimmten hessischen Regionen bis zu 66 000 Euro Ansiedlungsförderung, maximal 10 000 Euro Erstattung der Umzugskosten und Unterstützung bei den Kinderbetreuungskosten. In Nordhessen gelten unter anderem Fuldabrück, Helsa und Niestetal zu den förderfähigen Gebieten. Für den Werra-Meißner-Kreis ist gerade lediglich ein Sitz als Hautarzt förderfähig durch die Kassenärztliche Vereinigung ausgeschrieben. 

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