Kongress für Fachkräfte

Hilfe für Demenzkranke: Kreis informiert sich über Tagespflege für Betroffene

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Geballter Sachverstand: Nadja Semm und Gabriele Karadeniz (vorn, von links) sowie Myriam Lamotte-Heibrock erläuterten die Projekte. Das Foto zeigt weiter die Kreis-Mitarbeiterinnen (von links) Fachdienstleiterin Ilona Friedrich, Altenhilfeplanerin Jana Beck und Alexandra Sennhenn (Sozialplanung). 

Werra-Meißner. Dass Kinder bei einer Tagesmutter unterkommen, wenn die Mutterarbeiten muss, ist nicht neu. Dass aber Großeltern zeitweise eine fremde Betreuung in Anspruch nehmen, gibt es hessenweit bisher nur im Main-Kinzig-Kreis – und möglicherweise irgendwann auch in der Werra-Meißner-Region.

Dieses Modell der Nachbarschaftshilfe für demente Senioren fand kürzlich viel Sympathie beim ersten Netzwerktreffen der Akteure rund um das Thema Demenz. Dazu hatten sich im Hochzeithaus in Bad Sooden-Allendorf rund 80 Teilnehmer aus allen Teilen des Kreises zusammengefunden. „So wie daheim“ heißt das südhessische Projekt, das Gabriele Karadeniz und Nadja Semm vorstellten.

Bei diesem Projekt öffnen engagierte Bürger ihr Zuhause und empfangen in der Regel vier oder fünf ältere Menschen, die an Demenz leiden, noch nicht pflegebedürftig sind, aber ständige Betreuung benötigen. Auf die Senioren warte ein- oder mehrmals in der Woche ein strukturierter Tagesablauf mit Gesprächen, Spielen, Mahlzeiten und Ruhephasen bis hin zum Mittagsschlaf.

Doppelter Gewinn-Effekt: Die Senioren verbringen einen schönen, abwechslungsreichen Tag. Ihre eigenen Familien werden entlastet. Gerade für den ländlichen Raum sei dieses Modell interessant und deshalb auch für den Werra-Meißner-Kreis gut vorstellbar, befanden die Fachbereichsleiterin für Jugend, Familie, Senioren und Soziales, Ilona Friedrich, und die Leiterin der Sozialplanung im Kreis, Myriam Lamotte-Heibrock.

Lamotte-Heilbrock stellte auch ein eigenes Projekt des Werra-Meißner-Kreises vor. So erwarben im März 20 Arzthelferinnen aus acht Praxen in Eschwege (5), Witzenhausen (2) und Bad Sooden-Allendorf nach entsprechender Schulung die Qualifikation als Demenzbeauftragte. In der Praxis des Hausarztes, wo üblicherweise die Diagnose „Demenz“ gestellt wird, können so die Demenzbeauftragten frühzeitig und direkt über Betreuungs- und Hilfsangebote informieren. In Kürze soll es eine zweite Schulung dieser Art geben.

Workshops zu speziellen Fragen ergänzten das dreieinhalbstündige Programm, das Landrat Stefan Reuß eröffnet hatte. Nach dessen Angaben leben aktuell etwa 2500 Demenzkranke im Werra-Meißner-Kreis mit steigender Tendenz.

Info: seniorenbuero@werra-meissner-kreis.de

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