Menschen kaufen Obst lieber im Supermarkt

Hoher Obstertrag, aber geringe Nachfrage im Werra-Meißner-Kreis

Werra-Meissner. Die traditionellen Ostbaumversteigerungen finden im Werra-Meißner-Kreis und seinen Kommunen aufgrund einer geringen Nachfrage immer seltener statt. Die Menschen kaufen Obst lieber im Supermarkt.

Dabei bieten die Obstbaumversteigerungen die Gelegenheit, günstig an direkt vor der Haustür gewachsene Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Kirschen und Walnüsse zu gelangen. Das erklärt Andreas Nickel, der ehemalige Sprecher der Bürgermeister im Kreis, auf Anfrage.

Vielerorts seien die Gemeinden froh, wenn Bäume gemietet oder kostenlos abgeerntet würden, damit das Obst der Region nicht auf den Gehwegen und Straßen liege und verfaule. Viele Menschen im Kreisgebiet bevorzugten statt der aufwendigen Ernte und Verarbeitung den bequemen Gang in den nächsten Supermarkt, um ihr Obst und ihren Saft zu kaufen.

Dabei sei in diesem Herbst eine besonders gute Gelegenheit, um kräftig zuzuschlagen: Zwar waren Dürre und Hitze die bestimmenden Themen des Jahres, die Obsternte fällt laut Eberhard Walther vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen und Torsten Rapp von der Streuobstinitiative Werra-Meißner dennoch positiv aus. „Wir haben in Nordhessen sehr hohe Erträge bei nahezu allen Obsternten. Das liegt am guten Blühwetter Ende April und der hohen Befruchtungsrate“, sagt Walther. Die Früchte seien wegen des geringen Niederschlages zwar vielerorts kleiner als sonst, sagt der Experte, aber gerade das biete sich zum Saftpressen und zur Herstellung von Wein und Brei an.

Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden beziffert die Apfelernte in diesem Jahr deutschlandweit auf 1,1 Millionen Tonnen – 82 Prozent mehr als im Vorjahr. 2017 hatte noch ein später Frost den Apfelbäumen zugesetzt. Auch bei Birnen erwartet die Behörde eine Verdopplung der Erntemenge auf 46 800 Tonnen. Ähnlich war es bei der Kirschernte. 

Nur fünf Gemeinden bieten noch Versteigerungen an

Obstbaumversteigerungen sind im gesamten Kreis rückläufig. Immer weniger Interessenten besuchen die Auktionen. In Neu-Eichenberg, Bad Sooden-Allendorf, Weißenborn, Herleshausen, Witzenhausen, Sontra und Ringgau finden sie nicht mehr statt. In der Badestadt beantragen nur wenige für einen geringen Betrag Berechtigungszettel, um Obst zu ernten. In der Gemeinde Meißner versteigern die Ortsvorsteher immer noch, große Einnahmen sind aber nicht zu erzielen. Auch in Berkatal finden sie noch statt, aber auch dort ist die Nachfrage rückläufig. In Wanfried werden die Versteigerungen nur noch im Ortsteil Heldra und in Waldkappel nur noch in Rechtebach durchgeführt. Die Ortsbeiräte nehmen die Gelder für die Stadtkassen ein. In Großalmerode-Weißenbach behält der Ortsbeirat den geringen Gewinn ein. 

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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