25 Jahre Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ)

Ehemalige berichten, was ihnen ihr Freiwilligendienst gebracht hat

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Lukas Theveßen aus Flensburg und Justus Kröger aus Hannover arbeiten gemeinsam am Weinberg der Burg Ludwigstein. 

Seit 25 Jahren gibt es das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) in Hessen. Ehemalige FÖJler von drei Einsatzorten im Werra-Meißner-Kreis erzählen von ihren Erfahrungen.

Rund 160 junge Menschen nehmen jedes Jahr teil. Auch im Werra-Meißner-Kreis setzen sich viele Jugendliche nach der Schulzeit ein Jahr lang für die Umwelt und den Naturschutz ein. 

Jugendwaldheim

„Das FÖJ ist eine super Sache, um nach dem Abi erst mal etwas anderes zu machen, als gleich weiter die Schulbank zu drücken“, sagt Ferdinand Bennighof (22). Der Eschweger war von 2015 bis 2016 im Jugendwaldheim Meißner.

Im Jugendwaldheim ist ein wesentlicher Bestandteil des FÖJ die Betreuung von Schulklassen. Vormittags werden mit den Schulkindern Waldeinsätze gemacht, nachmittags unternimmt die Gruppe zum Beispiel eine Wanderung auf den Meißner. „Eigentlich alles, was den Kindern den Wald näher bringt“, erklärt Ferdinand Bennighof.

Auch seine Schwester Merve Bennighof (25) hat dort ein FÖJ gemacht. Sie war bereits von 2013 bis 2014 dort. Eine bewusste Entscheidung – denn nach dem Abi habe sie gedacht: „Ich muss doch nicht ins Ausland gehen, wenn ich mich auch direkt vor meiner Haustür engagieren kann.“

Merve Bennighof aus Eschwege absolvierte ein FÖJ im Jugendwaldheim Meißner. 

Wenn sie von ihrem FÖJ erzählt, gerät sie ins Schwärmen: „Es war eine sehr schöne, hilfreiche und bereichernde Zeit“, so die 25-Jährige. Das FÖJ habe ihr die Möglichkeit gegeben, ihre eigenen Stärken kennenzulernen und sich auszuprobieren. „Mich hat das FÖJ persönlich sehr beeinflusst“, sagt sie. Der Nachhaltigkeitsgedanke ist bei ihr immer im Hinterkopf, dazu hat auch das FÖJ beigetragen. Vor allem die Seminare, die vom Träger, in ihrem Fall dem Naturschutz-Zentrum Hessen, ausgerichtet werden, waren ein wichtiger Aspekt. „Da hat man theoretische Hintergründe erfahren“, so Merve Bennighof. Mit diesem Wissen könne sie nun viel besser beantworten, warum Nachhaltigkeit wichtig ist.

Für Ferdinand Bennighof war das FÖJ auch ein erster Schritt in seine berufliche Zukunft. „Es war eine ganz tolle und wertvolle Zeit. Das hat mich natürlich auch ein Stück weit geprägt“, sagt er.

Nach dem FÖJ hat er angefangen, Forstwissenschaften und Waldökologie an der Uni Göttingen zu studieren. Neben dem Studium macht er ein Waldpädagogik-Zertifikat. Später möchte er gern im höheren Forstdienst arbeiten.

Tropengewächshaus

Auch im Tropengewächshaus in Witzenhausen kann man ein FÖJ absolvieren. Leonard Fresenborg (28) aus der Nähe von Marburg war von 2010 bis 2011 dort. „Ich habe extrem gute Erinnerungen an die Zeit“, sagt er über sein FÖJ. Er arbeitete hauptsächlich mit den gärtnerischen Mitarbeitern zusammen. Das Gießen und Umtopfen von Pflanzen gehörte genauso zu den Aufgaben wie das Beschneiden von Bäumen auf dem Unigelände.

Zum FÖJ ist Fresenborg nicht ganz freiwillig gekommen – 2010 gab es noch die Wehrpflicht und zur Bundeswehr wollte er nicht. „Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass ich gezwungen war, nach der Schule erst mal etwas anderes zu machen“ sagt der 28-Jährige. Er habe viel aus dieser Zeit mitgenommen. Zum ersten Mal allein zu wohnen, sei an sich schon ein wichtiger Schritt gewesen. „Es war eine gute Möglichkeit, sich auf sich selbst zu konzentrieren“, so Fresenborg.

Als er nach seinem Bachelorstudium der Biochemie eine Sinneskrise hatte, hat er auf seine FÖJ-Erfahrung zurückgegriffen, erzählt der Marburger. „Ich habe gemerkt, dass ich mir ein Alternativkonzept aufbauen muss.“ Statt in der Pharmaindustrie möchte er später lieber im Saatgutbereich arbeiten. „Ohne das FÖJ hätte ich nie die Idee dazu gehabt“, so Fresenborg.

Burg Ludwigstein

Auf der Burg Ludwigstein sind derzeit gleich zwei FÖJler: Justus Kröger (19) aus Hannover und Lukas Theveßen (22) aus Flensburg.

Beide haben sich schon während ihrer Kindheit bei den Pfadfindern und der Waldjugend engagiert. „Die Burg Ludwigstein war immer so ein Ort, von dem man gehört hat“, sagt Justus Kröger. Beide wollten unbedingt dort ihr FÖJ machen. Justus Kröger war zunächst jedoch an einem anderen Einsatzort, erst seit Februar ist er auf der Burg Ludwigstein.

„Die Arbeit hier macht wirklich Spaß“, erklärt Justus Kröger, „aber noch mehr die Leute, die hier sind“. Auf der Burg ist immer etwas los: Unter der Woche kommen Schulklassen, am Wochenende finden oft Veranstaltungen statt.

„Am besten ist es, den ganzen Tag draußen zu sein“, sagt Lukas Theveßen. Die alltägliche FÖJ-Arbeit besteht hauptsächlich aus der Pflege und Gestaltung des Außenbereichs.

Aber auch die Möglichkeit, politisch aktiv zu werden, sieht Justus Kröger als einen positiven Aspekt des FÖJ. Durch ein demokratisch gewähltes Sprechersystem aus Landes- und Bundessprechern sind die FÖJler untereinander vernetzt. Im Juni trafen sich FÖJler aus ganz Deutschland zum Beispiel in Berlin, um gegen Lebensmittelverschwendung zu demonstrieren.

150 Stellen in Hessen

Seit der Einführung 1994 steigt die Zahl der Einsatzstellen in Hessen kontinuierlich: mittlerweile gibt es rund 150 Stellen. Diese werden in Hessen von drei Trägern betreut: der Naturschutz-Akademie Hessen, der Diakonie und der Freiwilligenorganisation Volunta des DRK. Für die FÖJler bieten die Träger Seminare zu Naturschutz und Nachhaltigkeit an. Das FÖJ beginnt jedes Jahr im Monat September und dauert zwölf Monate.

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