10 Jahre Rauchverbot: Wirte im Kreis haben Lösungen

Werra-Meissner. Seit zehn Jahren gilt das Rauchverbot in Gaststätten. Die Wirte im Werra-Meißner-Keis haben Varianten gefunden, die Rauchern und Nichtrauchern gerecht werden.

Wo beispielsweise in Nordrhein-Westfalen (NRW) ein generelles Rauchverbot in öffentlichen Einrichtungen herrscht, gibt es in Hessen und Niedersachsen immer noch Grauzonen: Das Rauchen in abgetrennten Räumen von Kneipen und Gaststätten ist hier erlaubt und ermöglicht den Wirten, beiden Zielgruppen gerecht zu werden.

Auch Rainer Schinkel, Inhaber und Gastwirt von „Schinkels Brauhaus“ in Witzenhausen, hat einen Teil seiner Gaststätte zum Raucherraum umfunktioniert: Dort gibt es auf der linken Seite der Kneipe einen Raucherraum hinter einer Glastür, rechts ist der Nichtraucherbereich.  „Natürlich waren viele Raucher anfangs empört über die Regelung, aber mittlerweile wird unser Raucherraum sehr gut angenommen und als Alternative akzeptiert.“

Schinkel selbst ist Nichtraucher und empfindet es als positive Entwicklung, dass prinzipiell jeder die Möglichkeit hat, einen Kneipenabend ohne Zigarettenqualm zu genießen. Trotzdem möchte er auch den Rauchern unter seinen Gästen eine nette Atmosphäre schaffen - drinnen und draußen: „Im Winter stellen wir zusätzlich einen Heizpilz im Biergarten auf, im Sommer sind sowieso viele Leute gern draußen.“

Rauchen habe einen merklichen Einfluss auf den Gaststätten-Alltag. So hat das absolute Rauchverbot laut Schinkel in NRW rund 7000 Biergärten sterben lassen. „Demnach bin ich schon sehr froh, dass wir den anfänglichen Aufschrei mit unserer Zwischenlösung recht gut auffangen konnten“.

Rukin Tatli, Junior-Chefin des Lokals „Anstoss“ in Witzenhausen, hebt hervor, dass stickige Räume auch von vielen Rauchern selbst als unangenehm empfunden werden: „Es ist wichtig, dass es einen Raum gibt, in dem für jeden ein frisches Raumklima herrscht. Im Sommer ist alles natürlich einfacher, weil dann sowieso alle draußen rauchen.“

Da es sich um eine Kneipe handelt, in der es auch am Nachmittag die Möglichkeit gibt, Fußball zu gucken, seien auch oft Kinder zu Besuch. „Gerade, um die Gesundheit der Jüngeren zu schützen und sie vor dem Qualm zu bewahren, ist es unverzichtbar, dass wir einen separaten Raucherraum haben“, betont die 22-jährige Studentin.

Auch aus suchttherapeutischer Perspektive hat das Rauchverbot in Kneipen erhebliche Auswirkungen auf das Rauchverhalten der Bevölkerung. Nach Aussage von Harald Nolte, Fachmann für Suchthilfe und Prävention im Werra-Meißner-Kreis, ist seit der Einführung des Gesetzes noch mehr Klientel gewillt, mit dem Rauchen aufzuhören: „In den Raucherentwöhnungskursen, die wir anbieten, kommt uns das Rauchverbot in Kneipen sehr entgegen. Raucher hinterfragen ihr Verhalten noch deutlicher und insbesondere für Kinder und Jugendliche wird das Suchtpotenzial eingeschränkt.“

Das Diakonische Werk Werra-Meißner bietet pro Jahr zwei Kurse zur Raucherentwöhnung an, an denen jeweils acht bis zwölf Menschen teilnehmen. Diese seien in der Regel am Ende des Kurses rauchfrei.

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