Jeder Wald etwas ganz Besonderes

Vier Gebiete im Werra-Meißner-Kreis zählen zu "Hessens schönsten Wäldern"

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Werra-Meißner. Wir stellen die vier Naturschutzgebiete aus dem Werra-Meißner-Kreis vor, die im Buch der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald zu den schönsten hessischen Wäldern zählen:

1. Plesse.  190 Hektar ist das Naturschutzgebiet Plesse mit dem benachbarten Konstein zusammen groß. Besonders ist hier der Muschelkalkboden. Aufgrund des geologischen Untergrunds gedeihen hier Kalk-Buchenwälder und Orchideen-Buchenwälder. Am steilen Hang der Plesse wird deutlich, wie sehr die Bäume auf ihrem Standort zu kämpfen haben. 1640 ist eine 200 Meter breite und 50 Meter hohe Gesteinswand abgerutscht. Sie ist jetzt das von weither sichtbare Markenzeichen der Plesse.

Im fortgeschrittenen Frühjahr blühen hier viele Orchideenarten wie das Blasse Knabenkraut, die Rotbraune Stendelwurz, das Rote und das Bleiche Waldvögelein, der Gelbe Eisenhut, Türkenbund und der Frauenschuh. Wanderweg: P5, Startpunkt am Grillplatz, neun Kilometer Rundwanderweg.

2. Hessische Schweiz.  Ein großer Teil der Hessischen Schweiz ist Bergrutschgebiet. An der Hörne hielten die Rutschungen bis 1985 an. Trotzdem gibt es in den Buchenwäldern uralte Siedlungsspuren. In der Nähe des Hohesteins verläuft ein noch gut erkennbarer 600 Meter langer, zehn Meter breiter und drei Meter hoher Brandwall. Die Spuren deuten auf eine Siedlung ab 800 v. Chr. hin. Ab dem 18. Jahrhundert wurde hier der Wald wohl übernutzt, konnte sich aber spätestens mit Bau der innerdeutschen Grenze erholen. Durch den ehemaligen Grenzstreifen, der heute Grünes Band genannt wird, wachsen hier auch Dost, Fransenenzian und Johanniskraut. Mit seinem Magerrasen ist die Schneise ein Paradies für Schmetterlinge. Wanderweg: P4 ab Hitzelrode oder Neuerode, 15,5 Kilometer Rundwanderweg.

3.Graburg. Typisch für das Gebiet sind die Kalk-Buchenwälder. Vereinzelt gibt es auch Hangschuttwälder. Früher wurde der Forst als Niederwald bewirtschaftet. Alle zehn bis 25 Jahre wurden die Bäume beschnitten, sodass sie anschließend wieder mehrstämmig austrieben. Das förderte Eiche, Hainbuche, Esche und Hasel. Auffällig sind in dem Naturschutzgebiet Graburg auch eine große Anzahl von Eiben. Auf dem Plateau blühen im Frühling große Bestände der Märzenbecher. Wanderweg: P15 ab dem Wanderparkplatz zwischen Weißenborn und Rambach, 14 Kilometer.

Mehr zum Hohen Meißner im Regiowiki

4. Hoher Meißner. Die Salzsieder von Bad Sooden-Allendorf hatten den Meißner als erste als Energiequelle entdeckt. Nachdem Mitte des 16. Jahrhunderts aufgrund der Rodungen Holzmangel herrschte, wurde das Plateau des Meißners zur großen Wiesen- und Weidefläche. Noch heute gibt es rund 150 Hektar Bergwiesen auf dem Meißner. Im 19. Jahrhundert wurde systematisch aufgeforstet. Auf den Plateaulagen dominiert deshalb heute die Fichte. Vom Ost- bis zum Südhang legen sich sehenswerte Laubwälder um die Hochflächen. Die steilen und steinigen Hänge waren schwer zu bewirtschaften und sind deshalb heute noch recht ursprünglich. In den Hangmischwäldern ist auch ein Relikt aus der Eiszeit anzutreffen: Brauns Schildfarn. Wanderweg: P1 ab dem Schwalbenthal (auch Bushaltestelle), 13 Kilometer.

• „Die schönsten Wälder Hessens“ von Gerhard Zimmermann wurde vom Cocon-Verlag herausgegeben und ist unter der ISBN 978-3-86314-328-2 für 19,80 Euro erhältlich.

Hintergrund: Mehr Wald als in anderen Kreisen

42 Prozent der Fläche sind in Hessen von Wald bedeckt. Das entspricht rund 900.000 Hektar. Im Werra- Meißner-Kreis gibt es etwa 44.000 Hektar Wald. Das sind genau 43,3 Prozent der Fläche des Landkreises. Prägende Baumarten sind die Buche, die Fichte, die Eiche, die Kiefer und – im nördlichen Teil – die Lärche. In 21 Revierförstereien kümmern sich die Forstämter Hessisch Lichtenau und Wehretal um rund 39.000 Hektar Wald.

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