Angst vor offenen Stellen

Kein Geld für Pädagogen: Musikschule Werra-Meißner fürchtet um Angebot

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Alltag in der Musikschule Werra-Meißner: Musiklehrerin Renate Reitemeyer-Schäfer zeigt der fünfjährigen Mira im Schnupperunterricht wie sie die Blockflöte richtig hält.

Die Musikschule Werra-Meißner fürchtet um ihre Zukunft. Grund ist, dass spätestens in fünf Jahren nicht mehr ausreichend Lehrkräfte zur Verfügung stehen, um das bisherige Angebot aufrechtzuerhalten.

Und Nachwuchs ist nicht in Sicht, denn im Werra-Meißner werden die Musikschullehrer mit einem Bruttogehalt von 1870 Euro bei einer vollen Stelle bis zu 35 Prozent schlechter bezahlt als in benachbarten Bundesländern wie Niedersachsen oder Thüringen.

Ulrich Bernhardt,Leiter der Musikschule Werra-Meißner

In den nächsten Jahren werden an der Musikschule, die noch Außenstellen in Witzenhausen und Bad Sooden-Allendorf unterhält, von 35 Lehrkräften acht in den Ruhestand gehen. „Wenn diese Stellen nicht neu besetzt werden können, kann die Musikschule Werra-Meißner nicht in der bestehenden Form fortgeführt werden“, sagt Musikschulleiter Ulrich Bernhardt.

Ursache der schlechten Bezahlung der Lehrkräfte, die fast alle ein abgeschlossenes Hochschulstudium haben, sei, so Bernhardt, vor allem die fehlende gesetzliche Regelung zur Musikschulfinanzierung in Hessen. Das Land gibt aktuell gerade mal zwei Millionen Euro für alle hessischen Musikschulen pro Jahr aus, 31 000 Euro davon bekommt die Musikschule Werra-Meißner.

Der hessische Musikschulverband fordert jetzt eine Grundfinanzierung für die hessenweit 70 öffentlichen Musikschulen von sieben Millionen Euro im Jahr.

Während sich die Musikschulen in anderen Bundesländern relativ paritätisch aus Mitteln von Land, Kommunen und aus Elternbeiträgen finanzieren, sieht die Lage im Werra-Meißner-Kreis komplett anders aus: Fünf Prozent kommen vom Land, fünf Prozent vom Kreis und 85 Prozent müssen über Elternbeiträge eingenommen werden und haben deshalb hier einen Spitzensatz erreicht.

Die Musikschule Werra-Meißner unterrichtet aktuell 1050 Schüler vom Kindes- bis zum Erwachsenenalter mit insgesamt 35 Lehrkräften. Das Angebot reicht von der musikalischen Früherziehung über Instrumentalunterricht, Gesang, Chöre, Bands und Workshops.

So sieht die Lage in Hessen aus

In Hessen gibt es insgesamt 70 öffentliche Musikschulen. Um die 3000 Musikpädagogen unterrichten 115 000 Schüler in Einzel- oder Gruppenunterricht. Während beispielsweise die Musikschulen in Sachsen-Anhalt mit 71 Prozent aus öffentlichen Mitteln bezuschusst werden, sind es in Hessen nur 34 Prozent. Damit liegt das Bundesland deutschlandweit auf dem vorletzten Platz. Schlechter ist die Finanzierung nur noch in Schleswig Holstein (32 Prozent).. 

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