Population gefährdet

Feldhase kämpft auch im Werra-Meißner-Kreis ums Überleben

Noch gibt es sie: Ausgelassen spielen diese Feldhasen auf einem bestellten Acker. Foto: Willi Rolfes / nh

Werra-Meißner. Für 2015 war er zum Wildtier des Jahres gewählt worden, weil er in seiner Existenz bedroht ist: der Feldhase.

Vor allem bei Kindern genießt er als Vorbild für den Osterhasen von Generation zu Generation eine nach wie vor große Popularität. Doch die Population ist gerade auch im Werra-Meißner-Kreis gefährdet. Wie lange kann er noch überleben?

„Massiver Verlust an Lebensraum und das weitgehende Fehlen seiner artgerechten Nahrung lassen die Bestände des Feldhasen mehr und mehr schrumpfen“, sagt Wolfram Brauneis, der Vorsitzende der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) im Werra-Meißner-Kreis. Dazu seien dem Hasen mancherorts die Versteckmöglichkeiten durch das Zusammenlegen großer Feldeinheiten zu Ackerschlägen in der dann ausgeräumten Agrarlandschaft genommen.

Bundesweit werde die Hasenpopulation daher als gefährdet eingestuft und ein weiterhin negativer Entwicklungstrend prognostiziert. Und das, so Brauneis, obwohl eine Häsin bis zu viermal im Jahr Junge werfen kann.

Wolfram Brauneis

Für den Naturschützer ist es klar: „Die intensive Landnutzung bedroht den Feldhasen; und das in all ihren Formen.“ Verantwortlich sei der Ackerbau ebenso wie insbesondere auch der großflächige Anbau nachwachsender Rohstoffe, in erster Linie von Mais, um damit in Biogasanlagen regenerative Energie zu gewinnen.

Auch dass die offenen Feldfluren für den Freizeitsport wie Joggen, Mountain-Biken und Nordic Walking in Anspruch genommen werden, brächten den Hasen in Bedrängnis, sagt Brauneis. Und erst recht, fügt er an, wenn freilaufende Hunde den Ausgleich suchenden Läufer nicht bei Fuß, sondern weit suchend in der Feldflur begleiten.

Hinzu kommt nach Meinung des Naturschützers noch der enorme Anstieg der natürlichen Feinde, wie Marder, Fuchs, Waschbär und Marderhund, zu denen die auch in jüngster Zeit immer stärker werdende und sich ausbreitende Raben- und Elstern-Population gezählt werden müsse. Und für junge Hasen seien überdies streunende Katzen eine hohe Gefahr.

„Es muss doch bedenklich stimmen, dass der Feldhase manchmal mehr im Wald zu beobachten ist als in der Agrarlandschaft, die aber nun mal das Verbreitungsgebiet des einstigen Bewohners der steppenartigen Räume ist“, findet Brauneis. Sollte sich nichts an den für ihn lebensbedrohlichen Bedingungen ändern, müsse man fragen: Wie lange wird er in der offenen Landschaft noch überleben können?

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