Lehrermangel: Pensionierte Pädagogen sollen zurück in den Schuldienst

Werra-Meißner. Am Vorhaben von Kultusminister Alexander Lorz, pensionierte Lehrkräfte wieder einzustellen, gibt es nun massive Kritik.

Die Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie der Verband Bildung und Erziehung (VBE) kritisieren Lorz. Das Problem sei hausgemacht, sagt beispielsweise Johannes Batton, Gesamtpersonalrat der Lehrer im Schulamtsbezirk. „Der zunehmende Bedarf an Lehrkräften war lange absehbar.“

Zu dem Schritt, die pensionierten oder bald pensionierten Grund- und Förderschullehrer anzuschreiben, habe sich das Land entschieden, weil nicht alle der knapp 2000 Lehrerstellen, für die das Land jetzt Geld bereitstellt, derzeit besetzt werden können. Gründe für die fehlenden Stellen seien nicht nur auf die Migrationsbewegungen der vergangenen Jahre zurückzuführen, sagt Batton. „Ursachen sind vor allem der Ausbau von Ganztagsschulen, die Umsetzung der Inklusion und die Pensionierung eines erheblichen Teils der Lehrerschaft.“ Laut GEW waren im Schuljahr 15/16 etwa 8300 Lehrkräfte in Hessen über 60 Jahre alt. Das Pensionsalter steht unmittelbar bevor. Im November 2016 seien in Hessen nur 206 Referendare an Grundschulen eingestellt worden. Für das Förderschullehramt waren es 131.

Anita Hofmann, Leiterin des Schulamts Hersfeld/Rotenburg/Werra-Meißner sieht den Numerus Clausus für das Grundschullehramt an hessischen Universitäten als Grund für den Nachwuchsmangel. Darüber hinaus sei die Pflichtkombination von Deutsch und Mathematik im Studium ein Problem. „Der Beruf des Grundschullehrers ist aber nicht unattraktiver geworden“, glaubt sie. Gabriele Gallus, seit über 40 Jahren Lehrerin in Wanfried, geht im Sommer in den Ruhestand und hat auch einen Brief vom Ministerium bekommen. Sie teilt Hofmanns Meinung nicht: „Sowohl Arbeit als auch Belastung sind gestiegen.“

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