„Es müsste bald mal regnen“

Der Mai war zu trocken: Landwirtschaft leidet unter Dürre

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Nicht so große Früchte: Dieter Roßmanith, Helfer im Verkaufsstand, zeigt auf dem Erdbeerfeld der Landwirts-Familie Siebold bei Witzenhausen-Hundelshausen, wie sich die Früchte ohne Bewässerung entwickelt haben.

Werra-Meißner-Kreis. Obwohl es in den vergangenen Tagen vereinzelt geregnet hat, treibt die Trockenheit der letzten Wochen den Ackerbauern im Werra-Meißner-Kreis Sorgenfalten ins Gesicht.

Die anhaltende Dürre hat zwar einen positiven Aspekt: Im Wald sind die Böden derart ausgetrocknet, dass die Rücke-Fahrzeuge und die schweren Holztransporter zum Aufarbeiten der Orkanschäden vom Januar und dem Abfahren der Stämme dem Untergrund und den Wegen wenig schaden. Ansonsten aber hofft auch Matthias Dumm, der Leiter des Forstamtes Hessisch Lichtenau, auf Regen, konkret einen kühlen und nassen Sommer.

Wasser benötigen insbesondere die Fichten, um sich des Borkenkäfers zu erwehren. Ohne Wasser schaffe ein Baum es nicht, Harz zur Abwehr herauszudrücken, wie Dumm erläutert. Hauptprobleme bereite insbesondere der Buchdrucker, eine der Borkenkäfer-Arten, weil dieser die Leitungsbahnen in den Stämmen zerfresse und in der Folge die Bäume abstürben.

Aufgrund der Wärme hat sich die Schädlings-Populationen bislang prächtig entwickelt, haben die Forstleute beobachtet. Das Wetter sei gut für die Vermehrung, spricht Matthias Dumm bezüglich der Borkenkäfer von bis zu drei Generationen, die sich in diesem Jahr entwickeln könnten. Derzeit fliege die zwei Generation aus und suche sich neue Stämme.

Und noch liege ein Drittel der vom Orkan Friederike im Januar umgeworfenen Bäume. Je nach weiterer Witterung könnten in diesem, vor allem aber im nächsten Jahr durch sehr starken Befall viele Fichten absterben. Das Ausmaß könnte von der Menge her noch einmal so viel wie durch den Orkan umgeworfenes Holz betreffen. In der Landwirtschaft zeichnen sich die Schäden durch die Trockenheit schneller ab.

Sehr klein dieses Jahr: Die Erdbeeren auf dem Feld von Familie Siebold.

Ein Anbauer von Erdbeeren im Raum Neu-Eichenberg, der im vorigen Jahr über das Verschimmeln seiner Früchte wegen zu viel Regen klagte, hat das Pflücken bereits einstellen lassen, weil es sich (wieder) nicht lohne.

Noch keine Einbußen hat bislang Tobias Klenke in Bad Sooden-Allendorf, der auf rund zwei Hektar in diesem Jahr ausschließlich späte Erdbeersorten gepflanzt hat. Er sagt aber auch: „Es müsste bald mal regnen.“

Für Johannes Siebold in Witzenhausen-Hundelshausen käme der Regen für sein Erdbeerfeld zu spät. Die Saison steht bei ihm schon vor dem Ende. In der Nähe des Hofes sei das Bewässern der Kulturen möglich, „das hat uns gerettet“, sagt der Landwirt. Wo kein Wasser hinkam, machte sich die anhaltende Trockenheit durch kleinere Früchte bemerkbar. Aber für seine Kartoffeln braucht Siebold demnächst auch Feuchtigkeit, zumal die Pflanzen jetzt ihre Knollen ansetzten.

Auch für den Mais, die Futterrüben und das Grünland wäre ausgiebiger Regen gut – und möglichst bald, wie Uwe Roth vom Kreisbauernverband sagt. Denn nun befürchteten die Landwirte schon, dass der Regen zur Erntezeit einsetzt und gar nicht mehr aufhört.

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