Gericht sieht 142 Taten als erwiesen an

Kindesmissbrauch: 53-Jähriger muss für zwölf Jahre ins Gefängnis 

Werra-Meissner. Wegen schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern hat das Landgericht Kassel einen 53-Jährigen aus dem Werra-Meißner-Kreis zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

142 vollendete und drei versuchte Taten hielt das Schöffengericht der Jugendschutzkammer nach fünftägiger Beweisaufnahme für erwiesen. In den übrigen ursprünglich angeklagten 15 weiteren Fällen wurde der Mann frei gesprochen.

Der seit Mai 2015 in Untersuchungshaft Gesicherte wurde direkt vom Gerichtssaal zum Antreten seiner Gefängnisstrafe abgeführt, eine Sicherungsverwahrung, wie von Oberstaatsanwältin Andrea Boesken beantragt, hielt die Kammer nicht für angesagt. Denn es sei kein „fortdauernder Hang zu erheblichen Straftaten“ zu erkennen, der per Gesetz als Voraussetzung für eine solche freiheitsentziehende Maßregelung gegeben sein muss.

Strafminderung durch Geständnis

Auch eine „fest verwurzelte Neigung“ zur Pädophilie des 53-jährigen auf einem Hof allein lebenden Mannes sei nicht gegeben. Vielmehr wurde ihm sein Geständnis strafmindernd angerechnet. Das Urteil sei „Tat und Schuld angemessen“, sagte Nebenklage-Anwalt Thomas Harmony auch namens zweier Kolleginnen.

Drei Mädchen, die zum Tatzeitpunkt zwischen zehn und dreizehn Jahre alt waren, habe der 53-Jährige zwischen März 2009 und Frühjahr 2015 schwer sexuell missbraucht, heißt es in der Urteilsbegründung. Zum Missbrauch des dritten Mädchens kam es erst, als bereits ein erstes Strafverfahren gegen den Mann wegen der jetzt mitverurteilten anderen Taten lief.

Eltern tragen Mitschuld

Das Kind sei ihm von der eigenen Mutter „praktisch auf dem silbernen Tablett serviert“ worden, indem sie dem Täter eine Matratze zum Übernachten direkt neben das Bett ihrer Tochter gelegt habe, sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Dreyer: „Ein unfassbarer Vorgang.“ Auch den Eltern der anderen missbrauchten Mädchen gab er eine Mitschuld. 

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Rubriklistenbild: © dpa

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