Abschied mit bewegender Anzeige

77-jährige Zwillinge sterben innerhalb einer Stunde an verschiedenen Orten

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Hatten ein enges Verhältnis: Christel Schmink (links) und Margret Lemke litten beide an Darmkrebs. Christel starb am 18. April um sechs Uhr in Bochum, Margret um sieben Uhr in einem Krankenhaus in Mühlhausen. 

Wanfried. Sie erblickten innerhalb weniger Minuten nacheinander das Licht der Welt. Knapp 78 Jahre später haben die Zwillinge Margret Lemke und Christel Schmink diese Welt auch zusammen verlassen.

Beide starben am gleichen Tag, an unterschiedlichen Orten innerhalb von einer Stunde. „Das muss Schicksal gewesen sein“, sagt Dieter Lemke, der für seine Frau Margret und seine Schwägerin Christel eine bewegende Anzeige in der Zeitung geschaltet hatte.

Diese Anzeige schaltete Dieter Lemke für seine Frau Margret und seine Schwägerin Christel.

Dieter Lemke fällt es schwer, über den Tod seiner Frau zu sprechen. Noch immer treibt es ihm die Tränen in die Augen, wenn er an sein „Schnubbelchen“ denkt. „Sie war etwas ganz Besonderes“, sagt er. Nicht nur für ihn, auch für ihre Schwester in Bochum.

Die starke Schwester

Am 18. Juli 1940 wurden die Schwestern geboren und waren von da an unzertrennlich. Obwohl Christel die Erstgeborene war, hielt Margret die Fäden in der Hand. Nicht nur für sich und ihren Mann Dieter, auch für die Schwester im Ruhrgebiet. Fünfmal haben sie pro Woche mindestens miteinander telefoniert. „Margret hat für ihre Schwester immer einen Rat gehabt“, erzählt Dieter Lemke. Beide hatten keine Kinder und konzentrierten sich voll aufeinander. Als Christels Gesundheitszustand schlechter wurde, managte Margret Lemke von Heldra aus die medizinische Versorgung der Schwester im Ruhrgebiet und besuchte sie regelmäßig.

Die Liebesgeschichte

Auch als es Margret Lemke selbst schlechter ging, blieb sie stark, war aber immer häufiger auf die Hilfe von ihrem Mann Dieter angewiesen. Ihre 45 Jahre dauernde Liebesgeschichte ist selbst eine Erzählung wert.

Im Urlaub in Tunesien haben sie sich Mitte der 1970er-Jahre kennengelernt und gleich gut verstanden. Nach dem Urlaub ebbte der Kontakt ab. Ein Jahr später buchte Dieter Lemke einen Urlaub auf Djerba. Wen traf er im Hotel? Seine Margret. Von da an war klar, dass beide zusammengehören. Sie kauften 1981 ein Grundstück in Wanfried-Heldra, bauten fast zehn Jahre am Wochenende an ihrem Haus und zogen 1990 ganz nach Heldra. Dieter Lemke verkaufte seine Klempner-Firma in Berlin. Zusammen bereisten sie fortan mit dem Wohnmobil die Welt. „Ich muss dankbar sein“, sagt Dieter Lemke. „Wir hatten 25 Jahre mehr Gemeinsamkeit als andere Paare.“ Deswegen fällt ihm der Verlust jetzt noch schwerer.

Der Tag des Abschieds

Der Tag des Abschieds kam am 18. April. Wegen ihres Darmkrebs’ war Margret Lemke im Krankenhaus in Mühlhausen (Thüringen) in Behandlung. Nach der Operation wachte sie zwar noch mal auf, die Ärzte machten Dieter Lemke aber keine Hoffnung mehr. Die Metastasen hatten um sich gegriffen, sie litt unter starken Schmerzen. Da Margret Lemke keine lebenserhaltenden Maßnahmen wünschte, starb sie am Morgen des 18. April um 7 Uhr.

Kurz darauf erfuhr Dieter Lemke, dass seine Schwägerin ebenfalls einen Krankenhausaufenthalt nicht überlebte. Sie schloss um 6 Uhr die Augen für immer – auch sie litt an Darmkrebs.

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