Gegen das Gesetz

Nicht alle Gastgewerbe im Werra-Meißner-Kreis zahlen Mindestlohn

Werra-Meißner. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) schlägt Alarm: Verstöße gegen den Mindestlohn würden auch im Werra-Meißner-Kreis vor allem im Gastgewerbe zu selten geahndet.

Seit Anfang 2015 beträgt der Mindestlohn im Gastgewerbe 8,84 Euro pro Stunde. Es werde schlicht zu wenig kontrolliert, schreibt die NGG in einer Mitteilung – kann allerdings auf Nachfrage keine konkreten Zahlen für den Landkreis nennen. Fest steht, dass das Hauptzollamt Gießen voriges Jahr in seinem Gebiet 158 Betriebe auf Verstöße gegen den Mindestlohn kontrolliert hat. Daraus resultierten 26 eingeleitete Ermittlungsverfahren.

Der Zuständigkeitsbereich der Gießener Zöllner erstreckt sich vom Kreis Kassel bis runter in den Main-Taunus-Kreis. Wie viele Betriebe die Beamten der sogenannten Finanzkontrolle Schwarzarbeit dabei im Werra-Meißner-Kreis überprüft haben, konnte auch der Zoll auf Nachfrage nicht beantworten. „Wir führen keine detaillierten Statistiken nach Landkreisen oder Städten“, hieß es.

Die Gewerkschaft kritisiert, dass die Gesamtzahl der Mindestlohnkontrollen im gesamten Zollbereich nur drei Prozent aller Hotels und Gaststätten entsprächen. Im Werra-Meißner-Kreis gibt es laut NGG knapp 200 Betriebe im Gastgewerbe. Andreas Kampmann, Geschäftsführer der NGG Region Nord-Mittelhessen, nennt die Zahlen alarmierend: „Vom Mindestlohn sollten die Beschäftigten im Gastgewerbe besonders profitieren“. Viele Kellner und Köche gingen jedoch „offenbar leer aus“. Die Zahl der Arbeitgeber, die ihren Beschäftigten den Mindestlohn vorenthalten, sei noch viel zu hoch, glaubt Kampmann und fordert, dass der Zoll seine Kontrollen „dringend ausweiten“ müsse.

Christian Pelikan, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands Werra-Meißner, kann die Aufregung nicht verstehen: „Wir bekämen gar keine Arbeitskräfte, wenn wir unter Tarif bezahlen. Der Markt ist leergefegt.“

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa /Seeger

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