Räude dezimiert die Population

Nur noch zwei Luchse leben auf dem Meißner und im Kaufunger Wald

+
Luchs "Yuki" tappt am 18. Mai 2017 in eine Fotofalle bei Cornberg (Kreis Hersfeld-Rotenburg). Sein Revier erstreckt sich bis zum Meißner.

Werra-Meißner. Vor wenigen Jahren lebten am Meißner und im Kaufunger Wald bis zu sechs Luchse – jetzt sind nur noch zwei von ihnen übrig. Die Population ist gefährdet. 

„Und das sind ausgerechnet zwei Männchen“, sagt Matthias Dumm, Leiter des Forstamtes Hessisch Lichtenau. „Es könnte sein, dass die Population nun zusammenbricht.“

Das bestätigt der Biologe Dr. Markus Port von der Universität Göttingen, der seit 2014 mit einem Team den nordhessischen Luchs-Bestand untersucht. Bereits seit Winter 2016 seien vier der vorher nachgewiesenen Luchse nicht mehr in eine der 100 Fotofallen getappt, sagt Port, der die Tiere anhand ihrer typischen Fellzeichnung unterscheiden kann. „Wir gehen davon aus, dass sie nicht mehr leben.“ 

Todesursache ist vermutlich die Fuchsräude – eine durch Milben verursachte Erkrankung, die auch für Luchse in der Regel tödlich ist. Bei zwei Weibchen ist sich Port der Todesursache sicher. Zwei weitere Tiere seien zeitgleich verschwunden, sodass es nahe liegt, dass auch sie an Räude verendeten.

Jetzt gibt es laut Port aber einen Funken Hoffnung: Im Januar wurde ein bislang unbekannter Luchs von einer Fotofalle im Raum Rotenburg-Bebra abgelichtet. Noch sei unklar, ob es sich dabei um ein Männchen oder ein Weibchen handele. Bereits im März 2017 waren zwei Luchse zur Paarungszeit gemeinsam bei Nentershausen in eine Fotofalle getappt – da Luchse sonst Einzelgänger sind, hoffen die Forscher nun, dass die Tiere für Nachwuchs gesorgt haben. Einer von ihnen war Luchs „Yuki“, der auch am Meißner lebt, das andere Tier wurde danach nicht mehr gesehen. „Dort gab es damals aber kaum Fotofallen“, sagt Port.

Eine Auswilderung von Weibchen könnte dazu beitragen, den Bestand zu retten, sagt Port. „Wenn man möchte, dass Luchse sich in Nordhessen etablieren, muss man ihnen vielleicht helfen.“ Das müsse aber die Politik entscheiden.

Mehr zum Thema lesen Sie in der gedruckten Dienstags-Ausgabe der HNA. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.