Klinikum Werra-Kreis bietet den Eingriff

Magenbypass: OP als letzte Chance, wenn alle Abnehmversuche scheitern

+
Kleinere Mengen essen und gleichzeitig weniger Nährstoffe aus der Nahrung aufnehmen können – das soll eine Magenbypass-Operation ermöglichen und so stark übergewichtigen Menschen zur Abnahme verhelfen. Angeboten wird sie auch am Klinikum Werra-Meißner, von Chefarzt Prof. Michael Korenkov (links, hinten Oberarzt Harald Günnel).

Für manche ist es der letzte Ausweg, um von der krankhaften Fettleibigkeit befreit zu werden: der Magenbypass. Doch wie funktioniert die OP und welche Risiken gibt es?

Aktualisiert um 11.05 Uhr - Kleinere Mengen essen und gleichzeitig weniger Nährstoffe aus der Nahrung aufnehmen können – das soll eine Magenbypass-OP ermöglichen und so stark übergewichtigen Menschen zur Abnahme verhelfen. Angeboten wird sie im Kreis von Prof. Michael Korenkov, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie am Klinikum Werra-Meißner. Rund dreieinhalb Stunden dauert die Operation, die mit der sogenannten minimalinvasiven Methode durchgeführt wird. Dafür werden kleine Löcher in die Bauchdecke geschnitten. Durch diese werden sowohl Instrumente als auch Kameras in die Bauchhöhle geschoben, damit der Chirurg mittels Sonde und Monitor operieren kann. Während Korenkov den Eingriff vornimmt, sorgt Oberarzt Harald Günnel dafür, dass durch eine Leuchte in einer Sonde genügend Licht ins Operationsgebiet fällt.

Zuerst wird die Bauchhöhle des Patienten mit Kohlenstoffdioxid gefüllt. „Es hat den Vorteil, dass es kein brennbares Gas ist und vom Körper gut abgebaut wird“, erklärt OP-Pfleger David Dittrich. Durch das Gas wird die Bauchdecke gehoben. Für den Operateur hat es den Vorteil, dass sie mehr Platz haben und die Organe sind besser erreichbar. Das Gas wird im Laufe der Folgetage vom Körper abgebaut.

Mit einem elektrischen Kauter, einer Art medizinischer Brennschere, schneidet Korenkov das Fett vom Magen. Dieser wird dann in einen kleineren und einen größeren Teil getrennt und mit Titanklammern geschlossen. Der abgetrennte größere Teil ist damit stillgelegt und bleibt im Körper.

In den kleinen Restmagen schneidet Korenkov mit dem Kauter ein Loch. Danach misst er den Teil des Zwölffingerdarms – ein Teil des Dünndarms – ab, der stillgelegt werden soll. Im Regelfall sind das eineinhalb Meter. In den Darm wird ebenfalls ein Loch mit dem Kauter geschnitten. Die Löcher in Magen und Darm werden aufeinandergelegt und mit Titanklammernverschlossen.

Experte, wenn es um den Magenbypass geht: Chefarzt Michael Korenkov aus dem Klinikum Werra-Meißner.

Danach wird das stillgelegte Stück Darm, das an dem ebenfalls stillgelegten, größeren Magenstück hängt, auch wieder mit dem Darm verbunden. Das ist der schwierigste operative Teil, sagt Dittrich, weil der Darm sich ständig bewegt. Daher setzt Korenkov eine Hilfsnaht an die aneinander liegenden Darmteile, damit sie nicht wegrutschen. Und: „Je tiefer man beim Darm geht, desto mehr Fett ist da“, erklärt Korenkov.

Sitzt die Naht, sind zwei Darmschlingen entstanden. Durch eine Schlinge laufen die Verdauungssäfte – also Galle und Bauchspeicheldrüsensaft –, durch die andere der Nahrungsbrei aus dem Magen. Beides kommt erst dann zusammen, wenn die Darmschlingen aufeinandertreffen. Erst ab dort – und damit vermindert – kann der Körper Kalorien aus dem Nahrungsbrei aufnehmen.

Sind alle Organe miteinander verbunden, wird eine blaue Flüssigkeit in den neuen Verdauungsweg gespritzt. Dadurch können die Chirurgen sehen, ob alles dicht miteinander verschlossen wurde oder ob an einer Stelle Flüssigkeit austritt. Auch per Monitor wird geschaut, ob alles korrekt verbunden ist und zum Beispiel die Darmschlingen richtig liegen. Ist alles an seinem Platz und sind die Instrumente aus den Löchern in der Bauchhöhle herausgezogen, legen Korenkov und Günnel Drainagen in einige der Löcher, damit Flüssigkeiten abfließen können.

Körperfunktionen im Blick: Der Anästhesist kontrolliert während der gesamten Operation die Vitalzeichen.

Rund dreieinhalb Stunden hat der Eingriff gedauert, von dem viele Patienten sich eine Abnahme erhoffen. Die Operation sei jedoch nur der Anfang, sagen Korenkov und Günnel nach der Operation. Danach liege es am Verhalten des Patienten, der übrigens – eine Folge der geringeren Nährstoffaufnahme – für den Rest seines Lebens unter anderem Vitamine einnehmen muss, um keinen Mangel zu bekommen.

Alle Infos zum Adipositas-Zentrum Eschwege gibt es in diesem PDF.

Magenbypass: Risiko bei und nach der OP

Ein Magenbypass ist kein Spaziergang. Es handelt sich um einen Eingriff unter Vollnarkose, der natürlich auch mit Risiken verbunden ist - wie fast jede Operation. Risiken beziehen sich nicht nur auf den schmalen Zeitraum des Eingriffs. Auch Monate nach einer OP kann es noch zu Problemen kommen.

Insbesondere bei schwer übergewichtigen Patienten ist ein operativer Eingriff unter Narkose nicht unkompliziert: Durch das massive Gewicht ist das Herz-Kreislaufsystem oftmals ziemlich angeschlagen - eine Sedierung kann dann zu gefährlichen Komplikationen führen. Außerdem kann es sein, dass Körperfett den Zugang zu den Organen, die operiert werden sollen, behindert. Eine extreme Ansammlung von Fett im Bereich des Bauches kommt bei einem Magenbypass relativ häufig bei der Zielgruppe vor.

Hier eine kleine Liste mit weiteren Risiken, mit denen man bei einem Magenbypass als Patient konfrontiert werden kann:

  • Es gibt Fälle, in denen sich Geschwüre entlang der Naht im Magen bilden
  • Verletzungen am Magen
  • Verletzungen an der Speiseröhre
  • Nachblutungen
  • Bauchfellentzündung
  • Blidung von Blutgerinnseln
  • Dumping-Syndrom  (Übelkeit, Bauchweh und Benommenheit nach verspeisen von stark zuckerhaltigen Lebensmitteln)
  • Vernarbungen
  • Blutvergiftung

Auf der Medizin-Website www.gesundheitsinformation.de wird über weitere negative Konsequenzen einer solchen OP zur Gewichtsreduktion aufgeklärt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.