30.100 Euro im Jahr 2017 

Hessenweiter Vergleich: Pro-Kopf-Bruttolohn ist im Werra-Meißner-Kreis am niedrigsten

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Im hessenweiten Vergleich ist der Pro-Kopf-Bruttolohn im Werra-Meißner-Kreis am niedrigsten. 

Er liegt bei rund 30.100 Euro im Jahr und damit fast 20 Prozent unter dem Hessendurchschnitt, der etwa 37.600 Euro beträgt.

Das geht aus einer aktuellen Erhebung des Hessischen Statistischen Landesamtes (HSL) hervor, die sich auf das Jahr 2017 bezieht. Die Statistik betrachtet laut Natascha Michel vom HSL das Einkommen am Arbeitsort und nicht das Einkommen der Einwohner.

Im Werra-Meißner-Kreis gibt es vor allem kleine und mittelständische Betriebe, so Christina Funedda, Sprecherin der Regionaldirektion Hessen von der Agentur für Arbeit. Das könnte einer der Gründe für den letzten Platz in der Statistik sein. Auch in der Entgeltstatistik der Agentur für Arbeit bilde der Kreis das Schlusslicht.

„Leider fehlen uns große Produzenten“, sagt Dr. Lars Kleeberg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Werra-Meißner. Das zeige auch die regionale Beschäftigungsstatistik: „Mehr als 50 Prozent arbeiten bei uns in der Region im Dienstleistungsbereich, 20 Prozent arbeiten im produzierenden Gewerbe.“ Hinzu komme, dass es kaum Unternehmenszentralen gebe, in denen grundsätzlich höhere Gehälter – zum Beispiel außertarifliche Vergütungen – gezahlt würden.

Vergleicht man die Pro-Kopf-Bruttolöhne von 2008 bis 2017, fällt auf, dass sie im Kreis fast durchweg konstant gestiegen sind: Vor elf Jahren lag der Wert bei 25.530 Euro, 2013 bei 27.300 Euro. Auch im hessenweiten Trend ist der Anstieg des Bruttolohns ähnlich konstant gewesen. 

Das ist laut Kleeberg ein gutes Zeichen, „wenngleich ich davon ausgehe, dass unter anderem Tariferhöhungen zu diesem einheitlichen Anstieg geführt haben.“ Dass darum vor allem in der Metall- und Elektroindustrie gekämpft wird, bestätigt Jenny Huschke, Geschäftsführerin des Deutschen Gewerkschaftsbundes Nordhessen (DGB). 

Ein weiterer Grund für den niedrigen Bruttolohn ist laut Kleeberg vunter anderem, dass es im Kreis verhältnismäßig wenig Arbeitsplätze gibt. „Die Erhebung zeigt, dass dort, wo die Unternehmensdichte hoch ist und viele Arbeitsplätze existieren, im Durchschnitt auch höhere Löhne und Gehälter bezahlt werden. Das hat mit dem Kampf um Fachkräfte zu tun“, sagt er. 

Kleeberg beschreibt das Ergebnis der HSL-Studie als unangenehm – gerade, wenn man sich anschaue, wie mit Unternehmen umgegangen wird, die sich im Kreis niederlassen wollen. „Es dämpft die Stimmung und macht nachdenklich“, berichtet er. Neu-Eichenberg sei für ihn „kein Glanzstück: Dort haben wir die Chance, dass sich ein Logistiker niederlässt. In der Logistikbranche werden in Hessen die dritthöchsten Bruttolöhne gezahlt, das zeigt die Erhebung auch.“ 

Davon könnten Kleebergs Meinung nach einige Bürger im Werra-Meißner-Kreis profitieren, vor allem die, die derzeit einen langen Arbeitsweg haben. Die Fahrtkosten belasteten den Verdienst schließlich zusätzlich. Der WFG-Chef gibt zu bedenken, dass der Kreis neue Unternehmen brauche, um Entlassungen abzufangen – „wie zum Beispiel am Standort Witzenhausen, wo 70 Mitarbeiter bis zum Jahresende gehen müssen“. 

Huschke berichtet, dass sich der Landkreis um die Ansiedlung neuer Betriebe bemühe – das sei gut. Den Lebens- und den Arbeitsraum müsse man „zusammendenken“ und Marketing für die Region betreiben – auch im Verbund mit der gesamten Region. 

Dass im Vergleich zu 2008 die Pro-Kopf-Bruttolöhne im Kreis ähnlich kontinuierlich angestiegen sind wie in Hessen, ist laut Huschke eindeutig ein gutes Zeichen: „Es zeigt die Anstrengungen und dass um die Tarifstandards gekämpft wird.“ 

Kleeberg empfiehlt, einen Blick in die Nachbarlandkreise zu werfen: „Dort haben sich vor allem im Bereich Bad Hersfeld, Göttingen und Heiligenstadt in den letzten Jahren einige Unternehmen, vor allem im Logistikbereich, neu angesiedelt“, sagt er. Diese Regionen wiesen die höchsten Beschäftigungs- und auch Bruttolohnzuwächse auf. Davon profitiere die ganze Region.

In Frankfurt ist der Bruttolohn am höchsten

Den höchsten Pro-Kopf-Bruttolohn bekommen Arbeitnehmer laut dem Hessischen Statistischen Landesamt in der Stadt Frankfurt: 45.300 Euro. Der Landkreis Kassel liegt bei rund 36.700 Euro Jahresgehalt pro Person, die Stadt Kassel bei 34.700 Euro – genauso auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Im Schwalm-Eder-Kreis sind es rund 34.000 Euro. Ähnlich schlecht wie der Werra-Meißner-Kreis schneiden der Vogelsbergkreis (30.500 Euro) und der Odenwaldkreis (31.300 Euro) ab.

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