2018 wurden 36 Maßnahmen umgesetzt

Regierungspräsidium und Werra-Meißner-Kreis fördern Naturschutzprojekte

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Auf der Rendaer Höhe: (von links) Anke Dahlheimer, Helmut Herbort, Ann-Kathrin Krömer und Jürgen Bringmann mit einem neu gepflanzten Obstbaum, der über das gemeinsame Projekt finanziert wurde.

Im Werra-Meißner-Kreis ist 2018 für den Artenschutz viel getan worden. Möglich machte das eine Kooperation zwischen Regierungspräsidium und Landkreis. Weitere Projekte werden gefördert.

In der Natur ist etwas aus dem Gleichgewicht geraten. Wahrscheinlich ist es eine Kombination aus verschiedenen Faktoren, die der Artenvielfalt zusetzen: Zu den Hauptverdächtigen gehören der Klimawandel, die Zerstückelung und Versiegelung der Landschaft, die Überdüngung mit Stickstoff und der Einsatz von Insektiziden, also Schädlingsbekämpfungsmitteln. 

„Unser Ziel“, sagt Jürgen Bringmann vom Fachdienst Landschaftspflege des Werra-Meißner-Kreises, „ist es, die natürlich und kulturhistorisch entstandene Artenvielfalt zu stabilisieren und zu erhalten.“ Zum ersten Mal ist dazu 2018 die Projektförderung zum Erhalt der biologischen Vielfalt im Regierungspräsidium (RP) in Kassel zum Tragen gekommen.

„Ein besonderes Projekt“, ergänzt Ann-Kathrin Krömer (Fachdienst Landschaftspflege), sei die Pflanzung von 30 Obstbäumen auf dem Ringgau-Plateau. Ab sofort gedeihen Wildbirnen- und Holzapfel-, Vogel- und Mehlbeerbäume sowie Vogelkirschen rund um das Vogelschutzgebiet Rendaer Höhe. Die noch jungen Stämme werden durch spezielle Vorrichtungen vor Verbiss geschützt.

„Weiterhin sind ganze Baumreihen auf den Stock gesetzt worden – das heißt, sie wurden so weit zurückgeschnitten, dass sich nun Heckenstrukturen entwickeln können“, sagt Ann-Kathrin Krömer. Die Maßnahme hat gleich einen mehrfachen Nutzen: Insekten etwa werden vom Blütenreichtum im Frühjahr profitieren; Vögel nutzen das eigene Mikroklima der dicht wachsenden Hecken zu ihrem Vorteil – beispielsweise zum Schutz der Küken und vor Raubvögeln.

Rund 3200 Euro sind in die Pflanzungen in der Gemeinde Ringgau investiert worden. „Der Werra-Meißner-Kreis ist ein Vorreiter in Sachen Biodiversität“, lobt Helmut Herbort (RP Kassel). 36 Maßnahmen seien 2018 umgesetzt worden.

Strategie für mehr Artenvielfalt - mit elf Zielen

Um dem Verlust an natürlichen Lebensräumen und dem Verschwinden vieler Tier- und Pflanzenarten entgegenzuwirken, hat die hessische Landesregierung im Jahr 2013 die hessische Biodiversitätsstrategie beschlossen. Diese wurde 2016 erweitert und benennt elf konkrete Ziele und die zugehörigen Maßnahmen. Damit will das Land Hessen zur Umsetzung des internationalen Übereinkommens zum Erhalt der biologischen Vielfalt (Rio de Janeiro, 1992) beitragen.

Das Regierungspräsidium Kassel fördert Projekte Dritter aus Mitteln der hessischen Biodiversitätsstrategie, um das Engagement zum Erhalt der biologischen Vielfalt zu stärken und den Kreis der Akteure zu erweitern. Die Mittel sollen gezielt den Tier- und Pflanzenarten zugutekommen, für die eine besondere rechtliche und fachliche Verantwortung besteht.

Die Entscheidungsgrundlage bildet die Hessenliste der Arten und Lebensräume. Sie ist eine fachliche Zusammenstellung der für Hessen bedeutsamen Arten und Lebensräume. Diese stehen besonders im Fokus der Erhaltungsbemühungen. Die Hessenliste enthält 259 Tier- und Pflanzenarten; darunter allein 56 Vogelarten, gefährdete Arten der hessischen Roten Liste sowie 24 sogenannte Mitmach-Arten für ein breites bürgerliches Engagement. Die Hessenliste kann hier eingesehen werden.

Die Gründe für den weltweit zu verzeichnenden Verlust an Biodiversität sind vielfältig. Sie liegen im Wesentlichen aber in der immer weiter steigenden Beanspruchung natürlicher Ressourcen durch den Menschen. In Hessen starben in den vergangenen 230 Jahren mehr als 140 Pflanzenarten aus; Brutbestände einiger Arten sanken, zum Beispiel beim Kiebitz um 85 Prozent. Daneben gibt es Arten wie den Rotmilan, die in Hessen ihren Verbreitungsschwerpunkt haben.

Engagement von Bürgern ist erwünscht

Jedermann kann sich auf vielfältige Weise für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzen. Bei konkreten Projektideen sind die Naturschutzbehörden, die eng in den Ablauf der Projektförderungen eingebunden sind, erste Ansprechpartner. Ein Projektantrag kann frei formuliert werden und sollte zwingend etwa das Ziel des Projekts gemäß der Hessenliste, die Beschreibung der Vorgehensweise, mögliche Standorte sowie einen Kostenplan enthalten. Ein Rahmen zwischen 1000 Euro und 50.000 Euro sollte hier eingehalten werden. Nicht berücksichtigt werden Projekte, die keine Arten und Lebensräume der Hessenliste betreffen oder eine andere Förderung erhalten. 

Kontakt

- Obere Naturschutzbehörde im Regierungspräsidium Kassel, Ansprechpartner Helmut Herbort,Telefon 0561/1 06 45 82, E-Mail: helmut.herbort@rpks.hessen.de 

- Untere Naturschutzbehörde des Werra-Meißner-Kreises (Friedrich Haselhuhn), Ansprechpartner Jürgen Bringmann, Telefon 0 56 51/ 3 02 48 22, E-Mail juergen.bringmann@werra-meissner-kreis.de

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