Dokument ist nicht gesetzlich bindend

Reiterliche Vereinigung: Kutschfahrer sollen Führerschein machen

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Viel Erfahrung nötig: Wer mit so viel Ruhe und Können wie Ferdinand Theune (Ellingerode) sein Gespann steuern will, braucht eine solide Kutscher-Asubildung, argumentiert die FN. Theune bräuchte übrigens nur eine Sicherheitsschulung und ein Prüfungsgespräch absolvieren. Der Grund: Mit seinen 89 Jahren liegt er deutlich über der Altersgrenze von 65 Jahren und kann auf Jahrzehnte an den Leinen zurückblicken. Unser Bild entstand 2014 beim Erntefestumzug in Witzenhausen. 

Werra-Meißner. Der von der Reiterlichen Vereinigung (FN) beschlossene Kutschenführerschein sorgt derzeit für Gesprächsstoff unter Kutschfahrern. Wir stellen wichtige Aspekte vor.

An wen richtet sich der Kutschenführerschein?

An jeden, der sich – auch nur gelegentlich – mit einem Pferdegespann im Straßenverkehr bewegt. Es gibt ihn für private (A) und für gewerbliche Fahrer (B). Sie sollen so nachweisen, dass sie über das Wissen rund um sicheres Fahren in Gelände und Straßenverkehr verfügen.

Bewerber müssen für den Kutschenführerschein A mindestens 16 Jahre alt, für den Kutschenführerschein B 18 Jahre alt sein.

Ist der Kutschenführerschein verpflichtend?

Nein – bislang muss kein Kutscher fürchten, bei einer Verkehrskontrolle den Führerschein zücken zu müssen, sagt Polizeisprecher Jörg Künstler. Der Kutschenführerschein ist nicht gesetzlich verankert, sondern nur eine Forderung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) als Bundesverband für Pferdesport und -zucht.

Im Schadensfall könne das Dokument helfen, die eigene Sachkunde bei der Versicherung nachzuweisen, schätzt Fahrausbilder Uwe Henkelmann (Eltmannshausen): „Kutschenführerschein klingt vor allem für den Laien ganz anders als Fahrabzeichen – selbst wenn die Inhaber das Gleiche gelernt haben.“

Wie erhalte ich einen Kutschenführerschein?

Voraussetzungen für den Führerschein A für Freizeitfahrer sind der Basispass Pferdekunde oder das Reitabzeichen 6 und 7 sowie die Teilnahme an einem Lehrgang mit Prüfung. Der Aufwand für die Kurse entspricht etwa dem für die bisherigen Fahrabzeichen, sagt Henkelmann. Die Kosten liegen laut FN inklusive Prüfungsgebühren bei 500 bis 600 Euro. Turnier-Fahrer legen wie bisher die Prüfung zum Fahrabzeichen 5 ab, zu dem ein Sicherheitsmodul gehört. Mit bestandener Prüfung erhält der Prüfling auch den Kutschenführerschein A.

Kutschfahrer, die vor Jahren ein FN-Fahrabzeichen gemacht haben, können sich das als Kutschenführerschein anrechnen lassen. Die Beantragung kostet 11,70 Euro. Wer über 65 Jahre alt und nachweislich ein erfahrener Fahrer ist, muss während einer Übergangsfrist bis 31. Dezember 2018 lediglich bei einem FN-Trainer einer Sicherheitsschulung mit Prüfungsgespräch absolvieren und sein Können an den Leinen zeigen, so FN-Sprecherin Maike Hoheisel.

Was sind die Voraussetzungen für den gewerblichen Kutschenführerschein?

Alle, die Personen oder Lasten gewerblich befördern, müssen den Kutschenführerschein B vorweisen und alle zwei Jahre einen Erste-Hilfe-Kurs „Lebensrettende Sofortmaßnahmen am Unfallort“ absolvieren. Zudem werden Kenntnisse zur Personenbeförderung, zur Ladungssicherheit, zum Fahren mit schwerem Zug oder zu technischen Anforderungen vorausgesetzt.

Wo finden Prüfungen zum Kutschenführerschein statt?

Fahrkurse gibt es im Kreis nur bei Uwe Henkelmann in Eltmannshausen. Zudem arbeitet der Kreisreiterbund mit Fahrtrainer Mario Groß (Thüringen) zusammen. Die Prüfung zum Kutschenführerschein kann von FN-gekennzeichneten Vereinen und Betrieben abgenommen werden. Lehrgänge gibt es frühestens ab 1. Juni.

Ist der Kutschenführerschein unbegrenzt gültig?

Für Privatpersonen ja, für gewerbliche Fahrer fünf Jahre. Innerhalb dieses Zeitraums müssen Fortbildungen im Umfang von acht Lerneinheiten nachgewiesen werden, um ihn zu verlängern, fordert die FN. Jörg Zeidler vom Kreisreiterbund findet das in Ordnung: „Das ist beim Autoführerschein ja ähnlich.“

• Infos und Formulare: www.pferd-aktuell.de

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