Kommunalwahl im kommenden Jahr

Werben um Bürgermeister: Parteilose sollen über SPD-Liste in den Kreistag Werra-Meißner

Bürgermeister Timo Friedrich im Homeoffice und mit Mängelmelder.
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Hat ihn schon installiert: Bürgermeister Timo Friedrich im Homeoffice und mit Mängelmelder.

Die Sozialdemokraten im Kreis wollen für die anstehende Kommunalwahl 2021, bei der auch der neue Kreistag gewählt wird, bekannte und prominente Gesichter für ihre Liste gewinnen.

Werra-Meißner-Kreis - Dafür haben sie einige der insgesamt aktuell sieben parteilosen, hauptamtlichen Bürgermeister im Werra-Meißner-Kreis in den Fokus genommen.

Bereits Ende Juni verkündete der SPD-Ortsverband Wehretal in einer Pressemitteilung, dass der parteilose Wehretaler Bürgermeister Timo Friedrich zum Kandidaten für die Kreistagsliste der SPD nominiert worden ist. Friedrich ist seit 2019 im Amt. Auch Großalmerodes Bürgermeister Finn Thomsen sowie Thomas Mäurer, Bürgermeister der Gemeinde Weißenborn (beide ebenfalls parteilos) sind Plätze auf der SPD-Liste angeboten worden. Witzenhausens Bürgermeister Daniel Herz bestätigt, dass Landrat Stefan Reuß ihm bereits im vorigen Jahr eine Mitgliedschaft in der SPD angetragen habe.

Wehretal: Nominierung auf SPD-Liste sorgt für Irritationen

In Wehretal sorgte Friedrichs Nominierung auf der SPD-Liste vor allem für Irritation bei den Fraktionen der Freien Wählergemeinschaft (FWG), CDU und FDP, die den parteilosen Kandidaten Friedrich im Wahlkampf finanziell und personell unterstützt hatten. Über seine Bereitschaft, über die SPD-Liste in den Kreistag zu gehen, hatte Friedrich im Vorfeld nicht mit den Fraktionen gesprochen. „Wir haben Friedrich als parteilosen Kandidaten unterstützt – und nicht, damit er als Wolf im Schafspelz tätig wird“, so CDU-Fraktionschef Friedhelm Zindler. FWG-Fraktionschef Dr. Claus Wenzel äußerte die Hoffnung, dass Friedrich seine Entscheidung noch mal überdenkt. „Sonst könnte seine Glaubwürdigkeit Schaden nehmen“, sagte Wenzel.

Timo Friedrich will in dieser Woche noch Gespräche mit den Fraktionen führen. „Die Entscheidung ist noch nicht final gefallen“, sagte er auf Anfrage unserer Zeitung. „Es könnte aber im Interesse der Gemeinde Wehretal sein, im Kreistag initiativ zu werden“, so Friedrich. „Ich sehe nicht das Riesenproblem. Wir arbeiten auch auf Gemeindeebene gut mit der SPD zusammen.“

Bürgermeister prüfen eigene Liste

Die parteilosen Bürgermeister im Werra-Meißner-Kreis prüfen derzeit, eine eigene Liste aufzustellen. „Wir machen uns Gedanken darüber, wie man auch ohne Parteienliste Einfluss im Kreistag gewinnen kann“, sagte Finn Thomsen, Bürgermeister von Großalmerode. Für eine eigene Liste bedürfe es 122 Unterstützerunterschriften. Das entspricht der doppelten Anzahl der Sitze des Gremiums. Aktuell hat der Kreistag des Werra-Meißner-Kreises 61 Sitze. 

Ihr Werben um die parteilosen Bürgermeister im Kreis für ihre Kreistagsliste begründet Friedel Lenze, Fraktionschef der SPD-Kreistagsfraktion, damit, dass dann in dem Gremium auch kleine Gemeinden „besser abgebildet werden können“.

„Alle Parteien haben Parteilose auf ihren Listen“

Erfahrungsgemäß wählten die Bürger Kandidaten aus den eigenen Gemeinden, was dazu führe, dass vor allem die kleinen Kommunen letztlich im Kreistag unterrepräsentiert beziehungsweise gar nicht vertreten seien. Lenze: „Ein Listenplatz bei der SPD ist eine gewisse Garantie, dass der Kandidat im Kreistag vertreten ist.“

An der Tatsache, dass die SPD jetzt um parteilose Kandidaten wirbt, findet Lenze nichts Ungewöhnliches. „Alle Parteien haben Parteilose auf ihren Listen“, sagt er. Zudem verweist Lenze auf die Öffnungsklausel der SPD, die im Unterbezirk bereits vor zehn Jahren beschlossen und jetzt umgesetzt werden soll.

Reaktionen

Auf das Werben der SPD haben die angesprochenen Bürgermeister bisher unterschiedlich reagiert. „Ich bin parteilos angetreten, um Sachpolitik auf kommunaler Ebene zu machen und nicht Parteienpolitik“, sagte Thomsen, den sowohl Landrat Stefan Reuß (SPD) als auch der SPD-Ortsverein auf eine SPD-Mitgliedschaft angesprochen hätten, wie er bestätigte.

Thomsen war mit Unterstützung der Wählergemeinschaft Großalmerode und der CDU zum Bürgermeister gewählt worden. Nicht so abgeneigt hingegen ist Weißenborns parteiloser Bürgermeister Thomas Mäurer, der sich in seiner zweiten Amtszeit befindet. „Ich überlege noch, will aber erst mit den Fraktionen im Gemeindeparlament sprechen.“

Denn auch Mäurer sieht durchaus Vorteile. „Ein direkter Kontakt in die Kreispolitik wird in Zukunft noch deutlich wichtiger werden.“ Wenn sich in der Gemeinde Weißenborn kein anderer Kandidat wie zum Beispiel aus den Reihen der Freien Wähler für das Gremium finde, „wäre das grundsätzlich für mich vorstellbar“. Unklar sei allerdings bisher, unter welchem „Mäntelchen“. Mäurer: „Ich bin noch in der Selbstdiskussion mit mir.“

Witzenhausens Bürgermeister Daniel Herz, den die Freien Wähler bei der Wahl unterstützt haben, bestätigt ebenfalls Gespräche mit dem Landrat. „Aber ich hatte mir schon überlegt, dass es als Bürgermeister nicht verkehrt ist, im Kreistag vertreten zu sein“, sagt Herz. „Aber ich wüsste nicht, auf welche Liste ich gehen würde – jeder hat was, das einem zusagt.“ (Stefanie Salzmann)

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