Teilzeitarbeit treibt viele Frauen in Altersarmut

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Werra-Meissner. Armut im Alter - davon sind besonders Frauen bedroht. Ein Hauptgrund dafür ist, dass viele Frauen, auch im Werra-Meißner-Kreis, in Teilzeit arbeiten.

Das Armutsrisiko liegt deutschlandweit bei 16,1 Prozent. Die Gruppe der Frauen ist neben Alleinerziehenden, Singles und Arbeitslosen aufgeführt.

Im Werra-Meißner-Kreis sind derzeit 27 395 Männer und Frauen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Etwa die Hälfte davon sind Frauen. Sechs von zehn Frauen arbeiten allerdings in Teilzeit. Zum Vergleich: Unter den Männern sind es acht von 100, die sich in einer Teilzeitbeschäftigung befinden, der Rest arbeitet in Vollzeit.

Wer in Teilzeit arbeitet, läuft Gefahr, auch eine geringe Rente zu bekommen - vor dem Hintergrund dieser Zahlen sind das eben Frauen. Dazu gehören auch solche, die trotz guter beruflicher Position immer noch teils 22 Prozent weniger verdienen, als Männer. Aber auch Lücken in der Erwerbsbiographie, also zeitweise Erwerbslosigkeit zum Beispiel aufgrund von Hürden beim Wiederereinstieg, tragen dazu bei.

Maßgeblich liegt das Problem nicht in der Anzahl der Beschäftigten, sondern in der Form der Beschäftigung, sagt Silke Sennhenn von der Agentur für Arbeit. Die Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen nimmt sogar tendenziell zu - im Agenturbezirk Kassel, der auch den Werra-Meißner-Kreis mit einschließt, stieg die Anzahl von 78 200 im Jahr 2007 auf 89 586 im Jahr 2014. Viele Frauen seien immer noch einer Doppelbelastung ausgesetzt: Zum Beruf kommt das Familienmanagement.

Thekla Rotermund-Capar, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises, sieht das als Hauptgrund für Altersarmut: „Familienarbeit ist nicht Frauenarbeit. Männer müssen ihre Frauen entlasten, damit sie sich besser auf den Beruf konzentrieren können.“ Für alleinerziehende Mütter muss der Staat einspringen und Randzeiten mit Ganztagsbetreuung lösen.

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