Dokument sorgt für Notfälle vor

Tipps von Experten: Die wichtigsten Fragen rund um die Patientenverfügung

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Patientenverfügung: Sie sollte konkrete Wünsche und Handlungsanweisungen enthalten.

Die Patientenverfügung ist Teil eines Themas, über das nur ungern gesprochen wird: Sterben. Doch das Dokument ist sehr wichtig - auch um Angehörige zu entlasten.

Laut Richter Dr. Klaus Seubert vom Amtsgericht Eschwege kann eine Patientenverfügung auch Angst nehmen. Warum und auf was man beim Erstellen einer Patientenverfügung achten sollte, darüber haben wir mit verschiedenen Experten aus dem Werra-Meißner-Kreis gesprochen.

Was gehört in eine Patientenverfügung?

Aufgenommen werden sollten sowohl medizinische Aspekte als auch persönliche Wertvorstellungen, heißt es vonseiten der Hospizdienste Hessisch Lichtenau und Witzenhausen. Zur medizinischen Seite gehören, laut Bundesjustizministerium, Wünsche zu Umfang oder Ende bestimmter ärztlicher Maßnahmen – also etwa lebenserhaltende Maßnahmen, Schmerz- und Symptombehandlung, künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr, Wiederbelebung sowie künstliche Beatmung.

Was sollte bei der Niederschrift beachtet werden?

Die Wünsche und Handlungsanweisungen sollten so konkret wie möglich ausformuliert werden. Pauschale Begriffe oder Formulierungen, die bei der Auslegung der Patientenverfügung einen weiten Ermessensspielraum eröffnen, seien nicht mehr ausreichend, erklärt Jörg Klinge, Pressesprecher des Werra-Meißner-Kreises. Zwei oder mehr Personen als Bevollmächtigte einzusetzen sollte vermieden werden, empfiehlt Dr. Klaudia Ress vom Ärztebündnis Werra-Meißner. Denn dann käme es in einer Notsituation womöglich zu keiner Entscheidung. Besser sei es, eine Person zu benennen, und für den Fall, dass diese verhindert ist, eine Vertretung zu bestimmen.

Wer sollte eine Patientenverfügung aufsetzen?

Hier gibt es keine Einschränkung, erklärt Seubert vom Amtsgericht. Vielmehr sei es für alle Personen ab 18 Jahren sinnvoll. Ress begründet dies so: Nicht nur Alter oder Krankheit, sondern auch ein Unfall mit 20 Jahren könne dazu führen, dass jemand zum Pflegefall werde.

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Warum sollte eine Patientenverfügung aufgesetzt werden?

Die Patientenverfügung ist ein Dokument, das gleich drei Beteiligten die Angst nehme, erklärt Richter Dr. Klaus Seubert vom Amtsgericht Eschwege: „Dem Patienten nimmt sie die Angst davor, unnötig an Apparaten zu hängen und den Angehörigen davor, eine falsche Entscheidung zu treffen. 

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Denn nicht sie, sondern der Patient trifft diese. Und dem Arzt nimmt sie die Angst vor juristischen Folgen, weil er sich an die Wünsche des Patienten halten kann.“

Wo sollte die Patientenverfügung abgelegt werden?

Ress empfiehlt, eine Ausführung selbst zu behalten, eine Kopie an den Bevollmächtigten zu übergeben und eine weitere Kopie an eine dritte Person auszuhändigen.

Wann muss eine Patientenverfügung aktualisiert werden?

Grundsätzlich immer dann, wenn sich an der gesundheitlichen Situation, der Auffassung von Lebensstandards oder den Wertvorstellungen etwas geändert hat.

Wo und wann entstehen trotz Patientenverfügung Probleme?

Wenn im Vorfeld mit den Angehörigen nicht oder nicht ausreichend darüber gesprochen wurde, könne das zu Problemen führen, erklärt Petra Lautenbach, Koordinatorin des Hospizdienstes Hessisch Lichtenau. Denn dann könnten die Angehörigen eventuell die Beweggründe nicht nachvollziehen.

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Service: Hier gibt es Hilfe

Ansprechpartner im Werra-Meißner-Kreis und eine Broschüre zur Patientenverfügung sowie Informationen zur Betreuungsverfügung und der Vorsorgevollmacht sind hier abrufbar.

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