In Tunneln gibt es keine Brandbekämpfungsanlagen

Simulierter Einsatz: Bei einer Katastrophenschutzübung im Tunnel Hirschhagen proben die örtlichen Feuerwehrleute den Ernstfall. Archivfoto: Tina Hartung/nh

Werra-Meissner. In den Tunneln im Kreis helfen nur die Wehren, wenn es brennt - obwohl Stadtbrandinspektoren Brandbekämpfungsanlagen sinnvoll finden.

Automatische Brandbekämpfungsanlagen sind auch im Werra-Meißner-Kreis gemäß einer Richtlinie aus dem Jahr 2006 in den geplanten A-44-Tunneln nicht vorgesehen. Das ist die Antwort von Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) auf eine Anfrage vom feuerwehrpolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Dieter Franz (Wehretal-Reichensachsen). Er hatte sie auf Anregung von Sontras Stadtbrandinspektor André Bernhardt gestellt. Dieser findet das Vorgehen des Landes „leichtsinnig“.

„Wir brauchen die Anlagen. Es geht um Menschenleben“, sagt der Feuerwehrmann. Im Sontraer Stadtgebiet sind für die Autobahn der Boyneburg- und der Holsteintunnel mit insgesamt dreieinhalb Kilometern Länge geplant. „Es dauert 15 Minuten, bis wir eintreffen. Im Ernstfall sind Verbrennungen bei 1000 Grad Hitze und Rauchvergiftungen für die Personen im Tunnel ohne Brandbekämpfungsanlage programmiert“, so Bernhardt.

Die Sensoren einer solchen Anlage lösen ab 240 Grad Temperatur Alarm aus. Der Rauch wird aus dem Tunnel heraus geleitet, der Löschschaum hindert die Flammen an der Ausbreitung. Minister Al-Wazir berichtet, dass keine Gutachten hinsichtlich der Notwendigkeit von Brandbekämpfungsanlagen erstellt wurden - mit Berufung auf die Richtlinien für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln (RABT 2006). „Das ist ernüchternd“, sagt Bernhardt.

Auch sein Amtskollege Steffen Rödel in Hessisch Lichtenau fände die Installation einer solchen Anlage sinnvoll. „Sie ist teuer. Aber im Vergleich zu den Gesamtkosten der A 44 scheint es machbar“, erklärt der Stadtbrandinspektor. Für den Hirschhagener Tunnel aber sei es zu spät, die Kosten habe man nicht eingeplant. „Gefahr besteht auf jeden Fall. Wie gut der Tunnel mit dem jetzigen Konzept geschützt ist, wird sich in der Praxis zeigen“, sagt Rödel.

Im Hirschhagener Tunnel (Baujahr 2013 bis 2020) ist ein zur gängigen Lüftungsanlage zusätzlicher 80 Meter hoher Entrauchungsschacht geplant.

Der Verkehrsminister erläutert, dass es sich bei sämtlichen bestehenden Brandbekämpfungsinstrumenten um Lüftungsanlagen nebst zugehöriger Sensorik und Steuerung handele. Daneben seien die Tunnel mit Handfeuerlöschern ausgestattet. Kostenbeispiel: Im Schürzebergtunnel bei Oberrieden schlug die Wartung dafür im Jahr 2016 mit 11 608 Euro zu Buche. Eine automatische Brandbekämpfungsanlage kostet etwa 16 Millionen Euro.

Dennoch pocht Sontras Stadtbrandinspektor André Bernhardt darauf. Das bestehende Brandschutzkonzept sei unzureichend. Zudem glaubt er nicht, dass Menschen sich im dunklen, verrauchten Tunnel wegen der Panik zum nächsten Notausgang retten können. „Vor allem beim Brand eines Gefahrguttransports wird es brenzlig“, sagt er. Und angesichts der 13 Tunnel zwischen Kassel und Eisenach hält er es für wahrscheinlich, dass der Ernstfall irgendwann eintritt.

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