Ungewöhnliche Ostertradition in Weißenborn

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Das Nest auf dem Hof von Annegret Böttger ist gebaut, das Namensschild platziert: Der anderthalbjährige Leander aus Weißenborn wird sich heute Morgen vergewissern, ob der Osterhase auch die erhofften Süßigkeiten dagelassen hat.

Weißenborn. Zur Osterzeit bauen Kinder rund um die Häuser der Anwohner Nester. Sind diese ersteinmal verteilt, finden sich dort am nächsten Tag kleine Geschenke.

Kunterbunt gefärbte Ostereier, süße Schokohasen, ein knackiger Apfel und selbst gebastelte Aufmerksamkeiten - der heutige Morgen wird ein wahres Fest für die Kinder aus der Gemeinde Weißenborn. Noch über den ganzen Gründonnerstag hinweg werden sie die vielen kleinen Osternester leeren, die sie gestern rund um die Häuser der Anwohner gebaut haben - ein Brauch, der in der Region einzigartig ist.

Mit dabei ist auch Leander - und weil er erst anderthalb Jahre alt ist, wird er noch tatkräftig von seiner Mutter Franziska Stützer beim Osternest-Bau und dem anschließenden Einsammeln der Naschereien unterstützt. Insgesamt 15 der kleinen, sorgfältig geformten Mooshaufen hat das Mutter-Sohn-Gespann gestern an Weißenbörner Häusern gebaut. „Eine schöne Tradition, die ich selbst noch gut aus meiner Kindheit kenne“, sagt Franziska Stützer.

Bisweilen kommt es vor, dass sich bis zu 50 Nester um ein einziges Haus verteilen. „Das Moos bringen die Kinder selbst mit“, erklärt Franziska Stützer. Gesammelt wird das Material schon einige Tage vorher, damit es zum Osternest-Bau trocken ist.

Sind in den frühen Mittwochabendstunden die letzten Nester errichtet, werden die Anwohner aktiv: Liebevoll platzieren sie die kleinen Geschenke im Moos. Und damit am Morgen auch jedes Kind sein gefülltes Nest wiederfindet, wird es vorab mit einem Namensschild bestückt.

Gern dabei ist auch in diesem Jahr wieder Annegret Böttger: Gestern Vormittag waren Leander und Franziska Stützer die ersten, die ein Osternest auf ihrem Hof bauen durften - ihr siebenjähriger Enkelsohn Jan Kristof und viele weitere Weißenbörner Kinder folgen. „27 Nester sind bei uns keine Seltenheit“, sagt Annegret Böttger mit einem Lächeln. Und nicht nur für die Kinder sei der traditionelle Osternest-Bau eine Freude: „Auch die Erwachsenen nehmen sich zu diesem Anlass Zeit für Gespräche - man sieht sich wieder, der Ort rückt zusammen“, sagt die Weißenbörnerin. Es sei schön, wenn der althergebrachte Brauch auch an nachfolgende Generationen weitergegeben werde.

Auf den Osternest-Bau eingestimmt wird sich im Übrigen auch ganz traditionell: Mit einem Gottesdienst in der Kirche des Ortes. Kindgerecht gestaltet hat ihn am Mittwoch wieder Pfarrer Rüdiger Pütz - selbstverständlich mit tatkräftiger Unterstützung der Kinder des Kindergartens „Zwergenstube auf dem Mattsberg“.

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