Auch bei Ärzten im Werra-Meißner-Kreis gehören sie zum Leistungsangebot in der Praxis

Verbraucherzentrale und MDK warnen vor Igel-Leistungen

Freiwillige Sport-Checks gehören nicht zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen, deshalb müssen sie als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) selbst gezahlt werden. Archivfoto: Wüstenhagen

Werra-Meißner. Der Nutzen einer Vielzahl Individueller Gesundheitsleistungen (Igel) ist fraglich, sagt Dr. Jan Purr vom Ärztebündnis Werra-Meißner.

Wer das Angebot trotz teils hoher Kosten nutzen möchte, sollte sich vorab gut informieren.

Auch bei Ärzten im Werra-Meißner-Kreis gehören Igel zum Leistungsangebot in der Praxis - darunter ergänzende Diagnose- und Behandlungsmethoden. Besonders im Bereich der Vorsorge werden diese gerne in Anspruch genommen: „Die Leistungen bieten sich zum Beispiel für Patienten an, die sagen, ich will noch etwas mehr wissen.“

Dass viele dieser Leistungen medizinisch nicht notwendig oder sogar nutzlos sind, zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK). 16 der seit 2012 bewerteten 37 Gesundheitsleistungen wurden als negativ oder tendenziell negativ bewertet. Der Wert konnte bei 14 Leistungen nicht geklärt werden.

„Keine Igel-Leistung ist dringend notwendig“, sagt die Medizinerin Daniela Hubloher, die bei der Verbraucherzentrale Hessen Patienten berät. Viele Patienten seien darüber aber nicht aufgeklärt. Zwar regele das Patientenrechtegesetz seit 2013, wie Ärzte mit den Zusatzleistungen umzugehen haben - von der schriftlichen Information bis hin zum Kostenvoranschlag. Immer wieder komme es aber vor, dass Patienten für eine Igel-Leistung zahlen, aber nicht davon profitieren.

Ein Grund dafür ist, dass viele Ärzte, aber auch nicht geschultes Praxispersonal, Leistungen offensiv anbieten und indirekt Druck ausüben. „Igel-Leistungen sind aber eine Verlangensleistung der Patienten, sie sollten sie selbst einfordern.“ Auch sollte eine Zusatzleistung nicht erst auf dem Behandlungsstuhl angeboten werden, so Hubloher.

Dr. Jan Purr sagt, im Ärztebündnis habe man über Nutzen und Kosten der Igel-Leistungen beraten. „Jeder Arzt sollte so fair sein und sagen, ob ein Dienst sinnvoll ist oder nicht.“

Hintergrund: Igel - was ist das eigentlich?

Individuelle Gesundheitsleistungen (Igel) sind eine Vielzahl an Diagnose- und Behandlungsmethoden, die zum Teil als gesundheitsfördernd gelten.

Unterschieden werden medizinische Leistungen (Früherkennung von Krankheiten), medizinisch-kosmetische Leistungen (Schönheitsoperationen) und spezielle Vorsorgeuntersuchungen, die nur bei begründetem Krankheitsverdacht von der Krankenkasse übernommen werden. Andernfalls müssen sie vom Patienten selbst gezahlt werden.

Was Igel-Leistung ist und was nicht, entscheidet der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen. Anbieten kann sie jeder Arzt.

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