Wald soll klimastabil werden

Forstämter im Werra-Meißner-Kreis müssen Hundertausende Bäume pflanzen

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Sie sind nicht zu retten: Einen Großteil der Fichten im Werra-Meißner-Kreis haben Sturm Friederike, die beiden trockenen Sommer 2018 und 2019 und die Borkenkäfer dahingerafft.

Nach Schäden durch Stürme, Hitze, Dürre und Schädlingen wird der hessische Wald klimastabil aufgeforstet.

In den Wäldern der Forstämter Hessisch Lichtenau und Wehretal werden Hunderttausende Bäume gepflanzt. Voraussichtlich im November soll die Aufforstung beginnen.

Der Wald hat nach Angaben von Hessen-Forst in den vergangenen 18 Monaten extrem gelitten. Angefangen hat es im Januar 2018 mit Sturm Friederike. Weiter ging es mit dem extrem trockenen Sommer 2018 und der anschließenden rasanten Vermehrung des Borkenkäfers. Und auch dieser Sommer war für den Wald zu trocken. „Lebende Forstleute haben eine solche Extremsituation noch nicht erfahren müssen“, sagt Michael Gerst, Landesbetriebsleiter von Hessen-Forst. 

Matthias Dumm, Leiter des Forstamtes Hessisch Lichtenau.

Allein im hessischen Staatswald müssen in den nächsten Jahren über 20 Millionen neue Bäume gepflanzt und über 80 Millionen Euro investiert werden. Dafür hat Hessen-Forst das Programm „Mischwald für morgen“ ausgerufen: Gesetzt werden klimastabile Bäume.

Im Forstamtsbezirk Hessisch Lichtenau werden auf etwa 300 Hektar Fläche etwa eine halbe Million Bäume gepflanzt. „Wir werden Mischbestände mit möglichst klimastabilen Baumarten aufbauen“, sagt Forstamtsleiter Matthias Dumm. Dazu gehören Traubeneiche, Douglasie, Weißtanne, Küstentanne, Roteiche, Ahorn, Kirsche und Linde. Buche und Fichte würden sich meist natürlich verjüngen. Dr. Thomas Rysavy, Leiter des Forstamts Wehretal, geht sogar davon aus, dass die Fichte in den nächsten zehn Jahren in der Region verschwinden wird. „Die Niederschläge werden künftig nicht mehr ausreichen“, sagt er. 

Rysavy sieht den Aufbau klimastabiler Wälder als nationale Aufgabe. „Wir müssen ganz neu denken.“ Die robusten nordamerikanischen Baumarten werden seiner Meinung nach zunehmen. In seinem Forstamtsbezirk wird mit dem Aufbau des klimastabilen Waldes in den Privatwäldern rund um Meinhard begonnen. Die Waldbesitzer seien frei, was gepflanzt werde. Eiche und Douglasie seien aber besonders beliebt. 

Aufforstung könnte Klimawandel bekämpfen

Wissenschaftler der ETH Zürich haben festgestellt: Der Klimawandel kann durch nichts so effektiv bekämpft werden, wie durch Aufforstung. Bäume zu pflanzen hat das Potenzial, zwei Drittel der bislang von Menschen gemachten klimaschädlichen CO2-Emissionen aufzunehmen. Mit den Aufforstungen in hessischen Wäldern sollen nach Angaben von Hessen-Forst standortgerechte, stabile, möglichst strukturreiche und produktive Wälder begründet werden.

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