Geburten

Jedes dritte Kind wird im Werra-Meißner-Kreis per Kaiserschnitt geholt

Werra-Meissner. Die Techniker-Krankenkasse schlägt Alarm: Mit 33 Prozent liegt die Kaiserschnittrate bei Entbindungen in Hessen über dem Bundesdurchschnitt (31 Prozent, Stand 2016).

Auch der Landesverband der Hessischen Hebammen in Kassel beobachtet die Statistik „mit Argusaugen“, bestätigt Vorsitzende Gabriele Kopp. Mit der Bundeselterninitiative Mother-Hood hat der Verband anhand von Untersuchungen festgestellt: Kümmert sich eine Hebamme nur um eine, statt um drei bis vier Gebärende, sinkt die Kaiserschnittrate. Es sei wichtig, dass sich die Hebamme Zeit nehme, die Gebärende anleite und unterstütze. Wenn eine Frau Angst vor der Geburt habe oder verunsichert sei, dann habe das Ursachen, denen nachgegangen werden müsse. „Hier können Hebammen mit Geburtsvorbereitungskursen und Aufklärungsarbeit positiv auf die Frau einwirken.“

Zwar habe es zwischen 2005 und 2010 eine Zunahme gegeben, jedoch halte sich die Zahl der Kaiserschnitte seitdem deutschlandweit bei circa 30 Prozent, sagt Hakan Adigüzel, Chefarzt für Gynäkologie beim Klinikum Werra-Meißner. Mit zuletzt 30,58 Prozent liege der Kreis noch unter dem Bundesdurchschnitt. In den drei Jahren davor zeichnete sich sogar ein Rückgang von 31,8 auf 30,5 Prozent ab. Angesichts der geringen Fallzahlen könne man jedoch keine Trends ablesen. Von den 401 Babys, die 2017 im Klinikum zur Welt kamen, wurden 122 per Kaiserschnitt entbunden – 74 primär (ohne Geburtsbeginn) und 48 sekundär. „Die 74 waren aber auch keine Wunschkaiserschnitte, sondern Steißlagen oder Wiederholungskaiserschnitte.“ Denn eine Frau, die einmal per Kaiserschnitt entbunden habe, habe ein erhöhtes Risiko, dass die Narbe bei einer natürlichen Geburt reißt. Dies habe einen höheren Blutverlust zur Folge, der Mutter und Kind schaden könne. Daher müsste über die Geburtsvarianten ergebnisoffen diskutiert werden. 

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Rubriklistenbild: © dpa/Pleul

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