Ärger mit überfüllten Containern

Bürgermeister beklagen unzureichende Entsorgung des Altglases

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Bürgermeister Wilhelm Gebhard vor überfüllten Glascontainern in Wanfried. 

Mit der Entsorgung von Altglas gibt es offenbar im gesamten Werra-Meißner-Kreis derzeit erhebliche Probleme. Das hat eine Abfrage von Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard unter den Amtskollegen ergeben.

Die Städte und Gemeinden im Kreis erhielten seit geraumer Zeit zahlreiche Beschwerden von Bürgern, die sich über überfüllte Altglascontainer beklagen.

Die Sammlung und Verwertung von Altglas erfolgt privatrechtlich durch das Duale System Deutschland (DSD). Das bedeutet, dass weder der Zweckverband Abfallwirtschaft (ZVA) Werra-Meißner-Kreis noch der Werra-Meißner-Kreis oder eine der nicht dem Verband angehörenden Städte Sontra, Witzenhausen und Eschwege, in die Altglassammlung eingebunden seien, sagt ZVA-Geschäftsführer Matthias Wenderoth. Es gäbe lediglich eine sogenannte Abstimmungsvereinbarung, die der Werra-Meißner-Kreis bereits Anfang der 1990er-Jahre mit dem DSD abgeschlossen hat. Die Kommunen stellen nur die Plätze für die Container zur Verfügung und erhalten dafür ein Entgelt. Aktueller Auftragnehmer für die Glasentsorgung ist bis 2021 die Umweltservice Wartburgregion GmbH (USW). Der Auftrag wurde 2018 nach Ausschreibung an die USW vergeben.

Gebhard ist weder mit dem Abholrhythmus noch mit dem Zustand der Container zufrieden. „Sie wirken schäbig und verschandeln an vielen Stellen das Bild in unseren Städten und Dörfern.“ Auch in Witzenhausen, wie Bürgermeister Daniel Herz berichtet. Dort bekäme die Stadt seit dem Frühjahr vermehrt Beschwerden über volle Glascontainer. „Ein Problem war, dass die leeren Flaschen neben die vollen Container gestellt wurden“, sagt Herz. „Daher musste erst der Bauhof ausrücken, damit das Unternehmen die Container abholen konnte.“ Es sei vorbildlich, wenn Bürger auf Plastikverpackungen verzichten und auf Glas setzen, so Herz. Er bittet aber darum, das Glas wieder mitzunehmen und das Rathaus zu informieren, wenn der Container voll sei. Die aktuellen Missstände wurden bereits an die USW weitergegeben. „Von dort wurde unverzügliche Erledigung zugesichert“, berichtet Gebhard. 

Glasrecycling bereits seit den 1970er Jahren

In Deutschland stellten Glashersteller 2017 laut dem Umweltbundesamt rund 7,5 Millionen Tonnen Glas her. Für Behälterglas wurde bereits im Jahr 1974 ein flächendeckendes Sammelsystem eingerichtet. Über 250 000 solcher Altglascontainer für Braun-, Grün- und Weißglas sind bundesweit im Einsatz. Die Sortenreinheit der gesammelten Glasmengen ist eine Voraussetzung zur Herstellung neuer Flaschen und Gläser. Rund 85 Prozent können recycelt werden.

Mehr Glas und ausgefallene Fahrer

Im Streit um die Abholung von Altglas im Werra-Meißner-Kreis räumt das zuständige Unternehmen, die Firma Umweltservice Wartburgregion aus Eisenach, Probleme ein, weist die Schärfe der Vorwürfe von Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard aber zurück. „Es ist unstrittig, dass es das Problem gegeben hat“, teilt Betriebsleiter Thomas Kamerseder auf HNA-Anfrage mit. „Der Eindruck, der dadurch entstanden ist, dass es sich um ein flächendeckendes und dauerhaftes Problem handelt, ist schlicht falsch.

Die Probleme 

Kamerseder bestätigte eine Beschwerde wegen eines Glascontainerplatzes in Wanfried. Wegen Urlaubsvertretungen und unvorhersehbaren Krankheitsfällen beim Stammpersonal seien einzelne Standplätze bei der Abholung versehentlich ausgelassen worden. „Es ist einfach so, dass mehrere Fahrer mit entsprechender Ortskenntnis ausgefallen sind und man dem ersatzweise eingesetzten Fahrer einfach eine gewisse Einarbeitung auf der Tour zugestehen muss.“ Kamerseder wundert sich nach eigenen Angaben über die vielen Beschwerden und versicherte, sofort beim Bekanntwerden von überfüllten Plätzen zu reagieren.

Die Abholung

 „Die Containerstandplätze werden bedarfsgerecht entsprechend eines Tourenplanes angefahren“, so Kamerseder. „Wir leeren die Container so, wie der Nutzungsgrad es erfordert.“ Einige Standplätze müssten wöchentlich angefahren werden, bei anderen reiche eine Leerung alle zwei bis drei Wochen aus. Die Zyklen beruhten auf Erfahrungswerten anhand der Füllstände bei den Leerungen. Man erlebe jedoch immer wieder erhebliche Schwankungen bei der Nutzung einzelner Standplätze. Im Sinne der Ressourcenschonung sei es aber nicht sinnvoll, jeden Standplatz unabhängig von seiner Befüllung anzufahren.

Die Müllentwicklung 

Gleichzeitig sei die Altglasmenge im Werra-Meißner-Kreis stark gestiegen. Im Jahr 2017 habe man 1484 Tonnen Glas im Werra-Meißner-Kreis abgeholt, 2019 waren es bis Ende August 1784 Tonnen, so Kamerseder. „Eine Mengensteigerung um 300 Tonnen innerhalb von zwei Jahren ist schon außergewöhnlich. Diese Menge entspricht etwa 38 Großcontainern mit acht Tonnen Inhalt.“ Durch diesen Mengenzuwachs benötige man etwa einen Abfuhrtag pro Woche mehr als für den Zeitraum ausgeschrieben. „Das ist ohne Probleme zu bewältigen, konnte bei der Planung der Touren so aber niemand vorhersehen.“

Die Tipps 

Kamerseder bittet darum, leere Flaschen nicht einfach neben einen vollen Glascontainer zu stellen. „Der Fahrer unseres Sammelfahrzeuges muss die neben dem Container abgestellten Flaschen mühevoll von Hand auflesen. Das kostet Zeit, die er für die Leerung anderer Container natürlich besser nutzen könnte.“

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