„Es ist ein Beruf fürs Leben“

Werra-Meißner-Kreis: Interview mit Busfahrern aus Leidenschaft

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Sie sind glücklich in ihrem Beruf: Dominik Dietrich (links) und Justus Rimbach sind Busfahrer.

Werra-Meißner. Für Busunternehmen in Deutschland wird es immer schwerer, Nachwuchs zu finden. Unmöglich ist es aber nicht, das beweisen Dominik Dietrich und Justus Limbach, die im Werra-Meißner-Kreis Bus fahren.

Wir haben mit ihnen ein Interview geführt.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, Busfahrer zu werden?

Dominik Dietrich: Ich habe in meiner Schulzeit einen Busfahrer gehabt, der mein Vorbild war. Er sagte immer zu mir ‘Vielleicht wäre das ja was für dich’. Darüber habe ich über die Jahre nachgedacht und bei Frölich-Reisen ein Praktikum absolviert. Es hat mir dort auf Anhieb gefallen und ich habe mir gesagt, dass das das Richtige für mich ist.

Justus Rimbach: Ich war mit meinem Vater in Hannover auf der IAA-Messe und habe mich da sehr für die Busse interessiert. Mein Vater meinte, dass ich mich mal bei Frölich bewerben könnte. Das habe ich gemacht und ein Praktikum absolviert. Es hat mir sofort gefallen und ich habe die Ausbildung angefangen.

Was macht Ihnen Spaß an dem Beruf?

Dietrich: In vielen schmalen Straßen denken Autofahrer, dass es dort für einen Bus eng werden könnte. Uns fällt es aber leicht und andere gucken dann staunend, dass man es geschafft hat. Das ist immer ein Glücksgefühl. Es ist total schön, dass ich jetzt die Kinder zu der Schule fahre, zu der ich auch mit Frölich-Reisen gefahren bin. Außerdem hat man den Nervenkitzel, wenn man so ein großes Fahrzeug fährt.

Rimbach: Wenn man unterwegs ist, ist man fast sein eigener Chef und man muss Verantwortung übernehmen, teilweise für 50 oder 60 Leute im Bus. Und es macht Spaß, wenn man in die Schule fährt und die eigenen Lehrer wiedertrifft, die erstaunt und begeistert sind, dass man in dem Alter schon Bus fährt.

Ist der Busfahrermangel auch bei Ihnen ein Thema?

Dietrich: Das spricht sich definitiv rum. Hier am Standort Eschwege sind wir relativ wenig junge Leute, was sehr schade ist.

Wir haben viele Fahrer, die bald in Rente gehen, und brauchen definitiv neue Leute. Und es ist immer schön, wenn man junge Menschen anwirbt, weil man dann Arbeitskräfte hat, die sehr lange im Betrieb beschäftigt sind.

Rimbach: Der Grund, warum es so wenige machen, ist auch, dass viele denken, dass man den ganzen Tag nur sitzt und mit Leuten zu tun hat, die teilweise wegen der Preise und Busse rumnörgeln. Viele sehen das als Nachteil, aber mit so etwas muss man klar kommen. Als Busfahrer kann man ja nichts für die Preise und Fahrzeuge.

Was sind für Sie die Herausforderungen des Berufs?

Dietrich: Für mich ist es, die innere Ruhe zu haben. Man sitzt in einem Bus, der voll und laut ist, und man muss sich dann noch auf den Verkehr, die Kundschaft und die Pünktlichkeit konzentrieren. Wenn man versucht, es ruhiger anzugehen, und sich sagt ‘der Zeitplan ist nun mal so und es ist nun mal laut’, dann macht es noch mehr Spaß, als wenn man sich Stress macht.

Was macht Ihnen mehr Spaß: Auto- oder Busfahren?

Dietrich:Im Autofahren bin ich eine Niete, im Bus parke und fahre ich besser. Wenn ich auf dem großen Parkplatz mit den kleinen Parklücken eines Einkaufszentrums stehe, dann sagen Familie und Freunde schon ‘Der ist Busfahrer und parkt so, als hätte er grade seinen Führerschein gemacht’. Ich bin dann froh, wenn ich in meinem Bus sitze. Ich glaube es liegt daran, dass wir am Tag zwischen acht und zwölf Stunden im Bus verbringen und man sich an das Fahrzeug gewöhnt.

Rimbach: Das ist bei mir nicht anders. Ich hole mit meinem Kleinwagen teilweise aus wie mit dem Bus. Das Problem ist, dass ich in meinem Leben schon mehr Bus gefahren bin als Auto.

Wie ist es für Sie, als Fahrgast Bus zu fahren?

Rimbach: Ich probiere entspannt zu bleiben, aber man guckt zum Beispiel schon, ob der Kollege mit dem Spiegel hängen bleibt oder ob es gerade so passt.

Sehen Sie sich in Zukunft weiterhin als Busfahrer?

Dietrich: Definitiv. Das wird für mich die Zukunft bleiben, da gibt es für mich nichts anderes mehr. Es ist ein Job, der Spaß macht, man kommt sehr viel rum, man lernt viele neue Leute kennen. Es ist ein Beruf, in dem man alt werden kann.

Rimbach: Es ist ein Beruf fürs Leben und ich kann mir vorstellen, ihn mein Leben lang zu machen.

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