Neuerungen bei vier Schwimmabzeichen

Mehr Sicherheit für Kinder und Jugendliche: Neue Prüfungsordnung für Schwimmabzeichen

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Spaß am Schwimmenlernen: Die Kinder in den DLRG-Kursen lernen spielerisch den sicheren Umgang mit dem Wasser kennen und könen in verschiedenen Kursen alle Schwimmabzeichen ablegen. 

Die neue Prüfungsordnung für Schwimmabzeichen will vor allem eins: mehr Sicherheit. Sie gilt seit Anfang des Jahres.

Werra-Meißner - Bei den Schwimmlehrern im Werra-Meißner-Kreis stößt die neue Prüfungsordnung für Schwimmabzeichen auf viel Zustimmung.  Laut Prüfungsordnung bedeutet sicheres Schwimmen: 15 Minuten ohne Halt und Hilfe im tiefen Wasser schwimmen zu können und dabei mindestens 200 Meter zurückzulegen. 

Joana Schmidt, Ausbildungsassistentin

Bisher lautete die Vorgabe für das Bronzeabzeichen, 200 Meter in höchstens 15 Minuten schwimmen. „Es gab immer wieder Kinder, die diese Strecke in unter zehn Minuten geschafft haben“, erzählt Joana Schmidt, Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe Witzenhausen. Die neue Regelung ziele somit mehr auf Ausdauer als auf Schnelligkeit und das bedeute Sicherheit, sagt die Ausbildungsassistentin. Außerdem soll laut neuer Ordnung in Bauch- und Rückenlage geschwommen werden, was ebenfalls die Sicherheit erhöht. Auch beim Seepferdchen-Abzeichen gibt es eine Neuerung, die Reinhard Eichner, Schwimmmeister im Espada-Freizeitbad in Eschwege begrüßt: „Die Kinder müssen jetzt schon früher die Baderegeln kennen“, so der Schwimmlehrer. Für ihn gehört das Lernen der Regeln bereits seit vielen Jahren zur Ausbildung dazu.

Auch Claudia Rebic, Sportfachleitung der Johannisberg-Schule, begrüßt, dass die neuen Vorgaben strenger sind. „Zu viele Schüler können nicht sicher schwimmen“, so die Schwimmlehrerin. Und gibt zu bedenken: „Unabhängig von diesen Änderungen, muss sich die Politik Gedanken machen, wie möglichst allen Kindern regelmäßiger Schwimmunterricht angeboten werden kann.“ Sie rät Eltern, ihre Kinder in qualifizierten Schwimmschulen anzumelden. 

Sicherheit steht an erster Stelle

Schwimmkurse sind beliebt im Werra-Meißner-Kreis. So lange es in Witzenhausen noch ein Hallenbad gab, erinnert sich Joana Schmidt, Vorsitzende vom DLRG-Ortsverein, hätte die DLRG in der Kirschenstadt in jeder Wintersaison rund 100 Kindern das Schwimmen beigebracht. Diese Zahl sei stark zurückgegangen, nachdem das Bad geschlossen wurde. Die Ortsgruppe weicht jetzt auf das Hallenbad in Hessisch Lichtenau aus, es findet noch ein Kurs pro Winterhalbjahr statt. 

Jana Schmidt von der DLRG mit den vier Schwimmabzeichen, Seepferdchen, Bronze, Silber und Gold, für die sich die Prüfungsanforderungen geändert haben.

Aber auch andere Anbieter bringen im Kreis Kindern das Schwimmen bei, darunter Schwimmlehrerin Sabrina Blum vom Freibad in Witzenhausen und auch die Hallenbäder selbst bieten alle regelmäßige Schwimmkurse an. Hallenbäder gibt es im Werra-Meißner-Kreis in Bad Sooden-Allendorf, Hessisch Lichtenau, Eschwege, Sontra und Herleshausen. 

Reinhard Eichner ist seit 40 Jahren Schwimmlehrer im Espada-Freizeitbad in Eschwege und sieht die Neuerungen in der deutschen Prüfungsordnung für Schwimmabzeichen positiv. „Den Kindern sicheres Schwimmen beizubringen, steht für mich an erster Stelle“, so Eichner. Mindestens 150 Kinder pro Jahr lernen von ihm den gefahrlosen Umgang mit dem Wasser. „Ich habe Kinder in meinen Kursen, da habe ich schon den Eltern, ja sogar den Großeltern, das Schwimmen beigebracht“, erzählt Reinhard Eichner. Neben ihm gibt es im Espada noch weitere Schwimmlehrer, die regelmäßig Kurse anbieten. 

Die nächsten drei Kurse starten im März, in einem davon sind noch wenige Plätze frei. „Unsere Schwimmkurse sind sehr gut besucht und immer voll“, so Violetta Schüttemeyer von der Bäder-Leitung. Sowohl Reinhard Eichner als auch Joana Schmidt finden, dass Kinder spätestens, wenn sie in die Schule kommen, schwimmen können sollten: „Der Sicherheitsaspekt steht hierbei an erster Stelle“, so Joana Schmidt. Sowohl im Freibad als auch im Urlaub, am Meer oder am See, und in Witzenhausen mit der Werra direkt vor der Nase, sicheres Schwimmen kann Leben retten. „Außerdem ist Schwimmen gut für die Gesundheit, fördert die Bewegungsfreudigkeit und macht Spaß“, sagt Joana Schmidt. 

Beide Fachleute sind sich einig: Mit dem Seepferdchen wird ein guter Grundstein gelegt, das Bestehen der Prüfung macht aber noch keinen sicheren Schwimmer. Erst ab erfolgreichem Ablegen der Bronze-Prüfung könne davon die Rede sein. Darüber hinaus gibt es noch Abzeichen in Silber und Gold und das Rettungsschwimmabzeichen. 

Rolf Halbig, Schwimmmeister im Hallenbad in Hessisch Lichtenau hingegen sieht die neue Prüfungsordnung kritisch: „Neu ist nicht immer besser“, so Halbig. Er findet, dass die Vorgaben, so wie sie waren, völlig ausreichend gewesen seien und fürchtet, dass man die Kinder mit den neuen Anforderungen überfordert. 

Sportlehrerin Claudia Rebic sieht das, genau wie ihre Kollegin Jessica Vohrpagel anders: „Die Änderungen der Prüfungsordnung sind sinnvoll, da beginnend beim Schwimmabzeichen des Seepferdchens in Bauchlage zukünftig ein bewusstes Ausatmen unter Wasser verlangt wird. Durch diese Änderung wird auf ein gesünderes Schwimmen - vielmehr eine gesündere Körperhaltung - geachtet.“

Die Neuerungen bei den vier Schwimmabzeichen

Seepferdchen: Bei dem Einsteigerabzeichen darf man sich nun aussuchen, ob man die 25 Meter in Bauch- oder Rückenlage schwimmt. Zuvor war Brustschwimmen gefordert. Außerdem werden nun die Baderegeln abgefragt. 

Schwimmabzeichen Bronze (früher: Freischwimmer): Um das Abzeichen zu erlangen, muss man 15 Minuten am Stück schwimmen und dabei mindestens 200 Meter zurücklegen. 150 Meter davon müssen in Bauch- oder Rückenlage zurückgelegt werden, die übrigen 50 Meter in dem zuvor nicht gewählten Schwimmstil. 

Schwimmabzeichen in Silber: Hierfür muss man einen Kopfsprung vom Beckenrand machen und 20 Minuten am Stück schwimmen. In dieser Zeit muss man mindestens 400 Meter zurücklegen, davon 300 Meter in Bauch- oder Rückenlage. Die restlichen 100 Meter müssen wiederum in dem zuvor nicht gewählten Schwimmstil zurückgelegt werden. Anstatt eines Sprunges vom Drei-Meter-Brett können nun zwei unterschiedliche Sprünge vom „Einer“ gemacht werden. 

Schwimmabzeichen Gold: Für das goldene Abzeichen werden ein Kopfsprung vom Beckenrand und 30 Minuten schwimmen am Stück verlangt. In dieser Zeit sind mindestens 800 Meter zurückzulegen, wovon 650 Meter in Bauch- oder Rückenlage und 150 Meter in der zuvor nicht gewählten Lage zu bewältigen sind. Weiterhin müssen die Prüflinge nach einem Startsprung in 1 Minute und 15 Sekunden 50 Meter Brustschwimmen leisten – zuvor waren es fünf Sekunden weniger. Anstatt 15 Meter muss man nun 10 Meter Streckentauchen. Anstelle eines Sprungs vom Drei-Meter-Brett sind nun zwei Sprünge vom Ein-Meter-Brett erlaubt.

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