Drainage wurde später zufällig entdeckt

Schlauch blieb im Bauch: Patient zeigt Klinikum Werra-Meißner an

+
Wird normalerweise gründlich nachgezählt: Das OP-Besteck. 

Der Verdacht wiegt schwer: Das Personal des Klinikums Werra-Meißner soll nach einer Operation einen Teil eines Drainageschlauchs im Bauchraum eines Patienten vergessen haben.

Reste des Schlauchs wurden im Juni bei einer anderen Operation im Klinikum Hann. Münden entdeckt.

Der 61-jährige Witzenhäuser war im November wegen Gallensteinen und einer Gallenkolik im Klinikum Werra-Meißner operiert worden. Wie aus dem Entlassungsbericht hervorgeht, der der HNA vorliegt, war dabei eine sogenannte Easyflow-Drainage zur Ableitung von Flüssigkeit gelegt worden. Laut dem Bericht sei diese termingerecht gezogen worden. 

Der Witzenhäuser hatte aber weiter Schmerzen, mit denen er sich vom Klinikum Werra-Meißner nicht ernst genommen fühlte. Nachdem er über einen längeren Zeitraum unter Schwellungen in der Leiste und krampfartigen Bauchschmerzen litt, ließ er sich im Klinikum Hann. Münden wegen eines Leistenbruchs operieren. 

Klinikum analysiert Fall

Dabei entdeckte und entfernte der Chirurg laut dem Entlassungsbericht, der der HNA vorliegt, die Drainage im Unterbauch. Das Klinikum Hann. Münden will dazu „vor dem Hintergrund einer guten und kollegialen Zusammenarbeit“ keine Stellungnahme abgeben, wie die Geschäftsführung auf Anfrage mitteilte.

„Wir haben den Fall retrospektiv anhand der Aktenlage und der Dokumentation des Behandlungsverlaufs sehr intensiv analysiert, da wir den Vorwurf sehr ernst nehmen“, teilt Katinka Thiedemann, Sprecherin des Klinikums Werra-Meißner, auf Anfrage mit. 

„Dass die Drainage durch das Personal des Klinikums nicht entfernt wurde, können wir nach Sichtung der Unterlagen und Rücksprache mit den an der Behandlung beteiligten Ärzten und Pflegekräften nicht bestätigen.“ Auch wisse man nicht, ob der Patient zwischen den Eingriffen im Klinikum Werra-Meißner und in Hann. Münden eine weitere OP hatte. Der 61-Jährige bestreitet das. Er behält sich rechtliche Schritte wegen schwerer Körperverletzung gegen das Klinikum vor. 

Behandlungsfehler bundesweit im Promillebereich

Das Klinikum Werra-Meißner behandelt pro Jahr 19.000 Patienten stationär und 36.000 Patienten ambulant, so Sprecherin Katinka Thiedemann: „Es kommt in Krankenhäusern öfter vor, dass Patienten wegen vermeintlicher oder tatsächlicher Behandlungsfehler klagen.“ 

Laut Bundesärztekammer wurden 2018 bundesweit 5259 Fälle im Krankenhaus angezeigt, aber nur 1418 bestätigt. Gemessen an der Gesamtzahl der Behandlungen liege die Zahl der Fehler im Promillebereich.

Wer den Verdacht hat, Opfer eines Behandlungsfehlers geworden zu sein, kann sich an den für sein Bundesland zuständigen Medizinischen Dienst der Krankenversicherung, die Polizei oder die Staatsanwaltschaft wenden, sagt Polizeisprecher Jörg Künstler auf Anfrage. Man kann etwa eine Anzeige wegen Körperverletzung stellen. Künstler empfiehlt, dazu Unterlagen mitzubringen, die den Verdacht untermauern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.