Aber Schülerzahlen steigen

Wir werden wieder weniger: Mehr Sterbefälle als Zuzüge im Werra-Meißner-Kreis

Die Bevölkerungszahl nimmt im Werra-Meißner-Kreis wieder ab. 
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Die Bevölkerungszahl nimmt im Werra-Meißner-Kreis wieder ab. 

Nach einem zwischenzeitlichen Anstieg ab 2015 – insbesondere durch die hier aufgenommenen Flüchtlinge – nimmt die Bevölkerung im Werra-Meißner-Kreis seit 2018 wieder ab.

Der Trend setzte sich auch im ersten Quartal dieses Jahres fort. Das weisen die Zahlen des Hessischen Statistischen Landesamtes aus. Laut der aktuellsten Auswertung sank die Zahl der im Landkreis wohnenden Menschen auf 100 357. Das sind 272 weniger als Ende 2019.

Im vorigen Jahr war die Bevölkerung bereits um 388 Personen zurückgegangen, nachdem sie Ende 2018 noch bei 101 017 gelegen hatte. Das Minus von 0,4 Prozent war der höchste Bevölkerungsrückgang in Hessen im Vergleich mit den anderen Landkreisen und kreisfreien Städten, so das Landesamt. Der höchste Bevölkerungsstand – nach dem bisherigen Tiefpunkt von 100 206 Ende 2014 – war Ende 2017 registriert worden: 101 101. Zum Vergleich: Ende 2008 waren noch 105 732 Menschen mit Erstwohnsitz im Landkreis gemeldet gewesen.

Nach wie vor verlegen mehr Menschen ihren Lebensmittelpunkt in die Region als wegzögen, sagt Landkreissprecher Jörg Klinge mit Blick auf ein Zuwanderungsplus von 330 Menschen im vorigen Jahr. Doch dieses Plus könne den Überschuss an Sterbefällen gegenüber den Geburten (701) nicht ausgleichen. Mit diesem Trend werde man auch stets leben müssen, ließ er durchblicken. In der Tat bewegt sich der Sterbeüberschuss seit vielen Jahren auf dem Niveau von 700.

Als Altersdurchschnitt für den Werra-Meißner-Kreis hat das Statistische Landesamt 47,2 Jahre errechnet – das ist der Höchste in Hessen. Den Niedrigsten weist die Stadt Offenbach mit 40,7 auf.

Das stetige Plus an Zuzügen sei ein Anzeichen dafür, dass der Landkreis Attraktivität besitzt, sagt Klinge. Allerdings werden es seit 2016 auch schon weniger pro Jahr.

Eine andere Statistik verheißt Zuwachs, insbesondere durch Zuzug junger Familien: Da es in den vergangenen Jahren mehr Geburten gab, werden schon ab dem bevorstehenden Schuljahr erheblich mehr Erstklässler erwartet: 791 laut Schulentwicklungsplan des Kreises. Im Herbst 2019 gab es laut Schulamt 750 Einschulungen. Für das Schuljahr 2022/2023 rechnet der Kreis sogar mit 843 Erstklässlern, danach mit einem leichten Rückgang der Zahlen. In Hessen prognostiziert das Statistische Landesamt nach seiner jüngst veröffentlichten Schülervorausberechnung bis 2030 den Höhepunkt der Grundschüler für 2025.  

Plus in Hessisch Lichtenau und Großalmerode

Nur zwei Städte im Werra-Meißner-Kreis haben 2019 eine positive Entwicklung ihrer Bevölkerungszahl zu verzeichnen: 72 Einwohner (insgesamt 12 431) mehr bedeuten für Hessisch Lichtenau ein Plus von 0,6 Prozent, ein Zuwachs von 6 Bürgern in Großalmerode (insgesamt 6408) bedeuten 0,1 Prozent mehr. Die stärksten Rückgänge gab es in Meißner (-1,8 Prozent/noch 2943 Einwohner), Eschwege (-1,0 Prozent/ 19 412), Wehretal (-0,8 Prozent/4960) und Weißenborn (-0,7 Prozent/974).

Im Jahr 2043 wird das Durchschnittsalter bei 49 Jahren liegen

Die Gesamtbevölkerung des Werra-Meißner-Kreises wird sich bis zum Jahr 2043 voraussichtlich auf 94 853 Einwohner verringern. Das bedeutet einen Einwohnerverlust von insgesamt rund 7,6 Prozent. 

Gleichzeitig wird das Durchschnittsalter innerhalb der nächsten zehn Jahre auf rund 47,5 Jahre ansteigen. Lag es 2010 noch bei 46,7 Jahren, stieg es 2019 auf 47,2 Jahre an und dürfte 2035 bei 48,4 und 2043 bei 49 Jahren liegen. So wird es im Vorwort des fortgeschriebenen Schulentwicklungsplan prognostiziert, der Mitte Februar vom Kreistag beschlossen worden ist. 

Ausgehend von der Altersgruppe sechs bis zehn Jahre, die 2018 in der Statistik mit 3199 Schülern angegeben wird, steigen diese Zahlen zum Jahr 2025 auf 3423 Schüler und pendeln sich im Jahr 2030 ungefähr wie bei der Zahl des Jahres 2018 auf 3161 Schüler ein, erläutert Landrat und Kreisschuldezernent Stefan Reuß. 

Diese Entwicklung bis zum Jahre 2025 spiegele sich auch im aktuellen Schulentwicklungsplan wider. Die Zahlen darin basieren auf den Geburten der Jahre 2013/14 bis 2018/19. Deren Auswertung erhält der Kreis vom kommunalen IT-Dienstleistungsunternehmen Ekom21 (Kassel). Im Zeitraum 2015/2016 stieg die Zahl der Geburten auf den Höchststand von 843, sie pendelte sich bei 808 Geburten im Jahr 2018/2019 ein. 

Der Landkreis als Schulträger sei sich bewusst, dass es innerhalb des Landkreises gegensätzliche Entwicklungen an den Schulstandorten gibt, sagt Stefan Reuß auch. 

Das ist vor allem bei den bevorstehenden Einschulungen für die nächsten sechs Schuljahre (bis 2025/26) gut zu ersehen: 

So bleibt die Zahl der Erstklässler beispielsweise in der Alexander-von-Humboldt-Schule in Eschwege (durchschnittlich 63 Kinder), der Meißnerland-Schule in Hessisch Lichtenau (30 Kinder) und der Wiesenschule im Sontraer Ortsteil Ulfe über die nächsten sechs Jahre hinweg nahezu gleich. Für die Kleeblattschule in Wehretal-Reichensachsen ist ein leichter Abwärtstrend zu erkennen. 

Hingegen weist der Plan beispielsweise für die Ernst-Reuter-Schule in Neu-Eichenberg (von aktuell 19 auf bis zu 34), die Grundschule in Hessisch Lichtenauer Ortsteil Fürstenhagen (von 16 auf bis zu 29), die Regenbogenschule in Sontra (von 50 auf bis zu 72) und vor allem die Grundschule Hessisch Lichtenau (von 47 auf bis zu 80) einen klaren Anstieg auf.

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