Landwirtschaft im Werra-Meißner-Kreis

Witzenhäuserin führt einen Bio-Betrieb in ehemaliger Dorfkneipe

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Mit Lamm Marvin: Wina Diekhof hat eine dreißigköpfige Herde Coburger Fuchsschafe.

Bad Sooden-Allendorf /Witzenhausen. Wina Diekhof hatte einmal die Idee, eine Cocktailbar zu eröffnen. Heute gibt sie Lämmern die Flasche und verkauft mexikanische Minigurken.

Diekhof ist die Inhaberin von „Knofi & so“ in Witzenhausen-Unterrieden. Seit 2015 führt die 35-Jährige mit ihrem Partner Jonas Marionneau ihren landwirtschaftlichen Betrieb in den Räumen einer ehemaligen Dorfkneipe.

Neben Minigurken bauen Diekhof und Marionneau unter anderem auch Chilis an, und die Ananaskirsche, eine Physalis-Art. Dazu kommen 30 Knoblauch- und 80 Tomatensorten.

Die zarten Jungpflanzen wachsen in kleinen Beeten, im ehemaligen Hochzeitssaal der Kneipe, der heute Arbeits- und Wohnzimmer und irgendwie auch Gewächshaus ist. Die Decke wurde kürzlich herausgerissen, durch die großen Fenster im Dach strömt Tageslicht.

Eigentlich schon immer Bio

Seit 2017 ist „Knofi & so“ in der Umstellung zum Bio-Landbetrieb. Also offiziell. „Eigentlich haben wir schon immer so gewirtschaftet“, sagt Diekhof.

Sie spreche deshalb eher von einem „Zertifizierungsprozess“. Mindestens zwei Jahre dauert der, auch deshalb, weil sich ehemals konventionell genutzte Flächen erst einmal erholen müssen. Am Ortseingang von Unterrieden bewirtschaftet Diekhof zwei Äcker.

Das Bio-Label sei für sie vor allem wichtig, weil es für Transparenz sorgt. Zwar wüssten die Kunden ihres Hofladens, dass auch ohne Siegel alles bio ist bei „Knofi & so“. Ein solches sei jedoch hilfreich, da Diekhof die eigenen Soßen und Aufstriche auch auf Wochenmärkten in Göttingen und Witzenhausen verkauft.

Neben dem Pflanzenanbau betreut die gelernte Hotelfachfrau zudem eine kleine Schafherde. Bislang habe sie die Lämmer vor allem weiterverkauft. Ein eigenes Sortiment an Fleischwaren sei aber künftig zumindest nicht ausgeschlossen.

Landwirtschaft im Umbruch

Vor dem Landcafé Klenke in Bad Sooden-Allendorf: Tobias und Luise Klenke.

„Die Landwirtschaft steht vor einem Umbruch“, sagt Tobias Klenke, Inhaber des Spargelhofs Klenke in Bad Sooden-Allendorf-Kleinvach. Neben wirtschaftlichen wirkten heute auch gesellschaftliche Zwänge auf seine Zunft.

So seien es nicht mehr nur das neue Auto oder der teure Urlaub, die das Leben der Menschen bereicherten, sondern zunehmend auch eine bewusste Ernährung. Diskussionen wie die um den Unkrautvernichter Glyphosat befeuerten dieses Umdenken. Viele Bauern seien im Angesicht des Wandels verunsichert, sagt der 43-Jährige.

Dass biologische Landwirtschaft auch mehr Aufwand bedeutet, ist vielleicht ein Grund dafür. Auf zwei Hektar Land baut Klenke Erdbeeren an. Während konventionelle Landwirte Pflanzenschutzmittel sprühen, kontrolliert Klenke seine Erdbeeren vor allem mit der Hand auf Unkrautbefall. Tobias Klenke sieht in der biologischen Landwirtschaft die große Chance für kleinbäuerliche Betriebe, weiterhin bestehen zu können. Zwar bedeute die Umstellung einen Ertragsverlust von rund 40 Prozent.

Dem gegenüber stünden jedoch höhere Preise für Bio-Lebensmittel und auch die wegfallenden Kosten für Dünger und Pflanzenschutz, die einen Bio-Betrieb wirtschaftlich machten.

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