Eine Erinnerung in Zahlen

Vor zehn Jahren verwüstete Orkan "Kyrill" die Region: Aufräumen war Kraftakt

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Vor zehn Jahren lagen hier nur umgeworfene Fichten: Matthias Dumm, Leiter des Forstamtes Hessisch Lichtenau, steht in einem der am schlimmsten von Kyrill verwüsteten Gebiete am Kreuzstein bei Großalmerode. Hier fielen in der Nacht vom 18. auf den 19. Januar 2007 auf einer Fläche von 60 Hektar Bäume um. Mittlerweile wächst hier ein Mischwald mit Douglasien, Fichten und Buchen.

Werra-Meißner. Heute vor zehn Jahren fegte der Orkan „Kyrill" über Deutschland. 47 Menschen starben, die Sachschäden gingen in die Millionen. Auch im Werra-Meißner-Kreis richtete Kyrill große Verwüstungen an. Wir erinnern daran - in Zahlen.

1 Toten forderte Kyrill im Werra-Meißner-Kreis. Ein 43-jähriger Forstwirtschaftsmeister vom Forstamt Hessisch Lichtenau wurde bei den Aufräumarbeiten von einem Baum erschlagen. Im Forstamt Wehretal kam niemand zu Schaden.

4,5 Millionen Euro Schaden richtete Kyrill alleine im Gebiet des Forstamtes Hessisch Lichtenau an. Eigentlich hatte man für 2007 mit steigenden Holzpreisen fest gerechnet. Weil das wegen Kyrill nicht eintrat, verlor das Forstamt drei Millionen Euro an erhofften Einnahmen, eine Million musste für die Aufarbeitung der umgefallenen Bäume gezahlt werden. Für 150 000 Euro wurden im ersten Jahr Wege behelfsmäßig wieder hergerichtet, 350.000 Euro flossen in erste Maßnahmen, um ein Ausbreiten des Borkenkäfers zu verhindern.

10 Landes-, vier Kreis- und eine Bundesstraße wurden im Werra-Meißner-Kreis wegen Kyrill gesperrt.

12 Stunden saß Ingrid Oesterheld von der gleichnamigen Dachdeckerei aus Witzenhausen am Tag nach Kyrill am Telefon - 250 Anrufer baten um Hilfe bei Schäden an ihren Dächern. „Wir haben das Geschäft seit 36 Jahren, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte Oesterheld damals. Auch bei der Zimmerei Marbach aus Großalmerode wurden in der Woche nach Kyrill alle normalen Aufträge auf Eis gelegt, um die Sturmschäden überhaupt abarbeiten zu können.

70 Prozent aller umgestürzten Bäume wurden maschinell mit sogenannten Harvestern aufgearbeitet. „Alle Kollegen haben damals gearbeitet bis zum Umfallen“, so Forstamtsleiter Dumm. Das Holz wurde bis zum Verkauf auch in der früheren Kaserne in Hessisch Lichtenau gelagert. Für die Aufräumarbeiten heuerten die Forstämter Hessisch Lichtenau und Wehretal zusätzliche Lohnunternehmer aus ganz Deutschland, aber auch aus Skandinavien an.

85 Prozent der umgestürzten Bäume waren Fichten, gefolgt von Buchen (elf Prozent), Kiefern und Lärchen (je drei) und Eichen (ein Prozent). Glück im Unglück: Da der Boden durch wochenlangen Regen aufgeweicht war, fielen die Fichten samt Wurzelteller um, so Dumm. „Abgebrochene Stämme hätten wir schlechter verkaufen können.“

154 Schadstellen meldeten Hilfesuchende während des Sturms. Das Gefahrenabwehrzentrum in Eschwege schickte dann Helfer zu den Einsatzorten.

500 Kilometer neue Wege mussten im Bereich des Forstamtes Hessisch Lichtenau neu angelegt werden. Das allein kostete bis heute über zwei Euro. Insgesamt wurden seit Kyrill über sechs Millionen Euro zur Beseitigung aller Sturmfolgen ausgegeben. Im Forstamt Wehretal, wo 300 Hektar wieder hergerichtet werden mussten, waren es 1,5 Millionen Euro.

700 Fußballfelder hätte man auf den Windwurfflächen anlegen können. Insgesamt wurden zehn Prozent des Kaufunger Waldes in Mitleidenschaft gezogen.

1025 Helfer mit 179 Fahrzeugen waren am Tag nach Kyrill im Werra-Meißner-Kreis im Einsatz, um umgestürzte Bäume zu entfernen oder Ziegel zu bergen. Insgesamt waren 54 Feuerwehren im Einsatz.

12.000 Fahrten waren nötig, um nach Kyrill das Holz aus dem Staatsforst und den vom Forstamt Hessisch Lichtenau betreuten Flächen abzutransportieren.

360.000 Kubikmeter Holz fielen im Bereich des Forstamtes Hessisch Lichtenau binnen weniger Stunden. Diese Holzmenge würde ausreichen, um 15 Mal den großen Konzertsaal in der Hamburger Elbphilharmonie zu füllen. 2008 und 2010 kamen laut Dumm weitere 195.000 Festmeter Holz durch Windwurf zusammen - weil die schwächere Stürme Emma und Xynthia in den Lücken, die Kyrill gerissen hatte, nun leichtes Spiel hatten. Auch Wehretal beklagte in diesen Jahren weitere Schäden.

Welche Folgen "Kyrill" für die Holzpreise hatte, wie die Mitarbeiter des Forstamtes Hessisch Lichtenau den Wald seither umgestalteten und vor welchen Problemen der Naturpark Meißner-Kaufunger Wald nach dem Orkan stand, lesen Sie in der gedruckten Mittwochsausgabe der HNA-Witzenhäuser Allgemeine.

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