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Ohne Kühe gehen Grünlandflächen im Werra-Meißner-Kreis verloren

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Von: Fabian Becker

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Kühe auf Weide.
Die Zahl der rinderhaltenden Betriebe im Werra-Meißner-Kreis hat sich verringert. © Lino Mirgeler/dpa

Die Zahl der rinderhaltenden Betriebe im Werra-Meißner-Kreis hat sich von 385 auf 353 um rund 8 Prozent verringert. Das betrifft den Zeitraum von 2012 bis 2019.

Werra-Meißner – Aktuellere Zahlen liegen laut Kreissprecher Jörg Klinge noch nicht vor. Die Zahl der Rinder ist nicht so deutlich gesunken: von 17.224 Tieren um etwa 5 Prozent auf 16.318 Tiere.

Besonders stark zeigt sich das bei Milchkühen. „Die Milchviehwirtschaft – jahrzehntelang Rückgrat der Landwirtschaft im Kreis – verliert massiv an Bedeutung“, sagt der Sprecher. Ab 2009 haben 54 Prozent der Milchviehhalter im Kreis aufgegeben, im bundesweiten Trend nur 37 Prozent.

„Das schwächt den gesamten regionalen Landwirtschaftssektors ökonomisch.“ Zwar wurden Milchkühe 2015 infolge des Wegfalls der Milchquotenverordnung aufgestockt, der Negativtrend setzte sich aber schon ab 2016 fort.

Zu den Gründen gehören laut Klinge Auflagen, die Abschaffung der Milchquotenregelung, Probleme bei der Hofnachfolge und meist unbefriedigende Gewinne. Dass die Rinderzahl trotzdem relativ stabil ist, liegt auch daran, dass Milchkühe nach der Betriebsaufgabe oft durch Mutterkühe ersetzt werden. Sie werden nicht zur Milchproduktion gehalten, sondern zur Grünlandpflege. „Damit verringert sich die Intensität der Rinderhaltung im Kreis.“

Der Geschäftsführer des Kreisbauernverbands, Uwe Roth, nennt diese Entwicklung besorgniserregend. „Die Grünlandnutzung ist nur wirtschaftlich, wenn Fleisch und insbesondere Milch erzeugt werden“, sagt er.

„Wir haben jetzt schon erhebliche Probleme: Viele Flächen bleiben ungenutzt und verwildern.“ Das sei weder für das Landschaftsbild, noch für das Ökosystem einer Kulturlandschaft gut.

„Sollten die Verbote und Kontrollen rund um die Tierhaltung weiter verschärft werden, wird die Nutztierhaltung weiter zurückgehen“, sagt Roth. Der Erhalt der Grünlandflächen sei jedoch nur über die Nutztierhaltung zu erreichen.

Für die Versorgung mit regionalem Rindfleisch gibt der Geschäftsführer aber Entwarnung: „Dafür sehe ich keine Gefahr.“ (Von Fabian Becker)

Das ist die Milchquotenregelung

Die Milchquote ist die Milchmenge, die ein Milcherzeuger produzieren durfte. Das gibt der Milchindustrie-Verband auf seiner Internetseite milchindustrie.de bekannt. Am 1. April 2015 ist die Milchquotenregelung der EU ausgelaufen. Die Regelung sollte den Markt vor einer Überproduktion schützen und durch eine Begrenzung der Milchmenge die Preise für Erzeuger stabil halten. Dem vorausgegangen war eine Zunahme der Milchproduktion in den 1980er-Jahren.

Info: Wie die Milchkuhhaltung in einem Witzenhäuser Betrieb aussieht, ist in unserer heutigen Ausgabe zu lesen.

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