Werra-Meißner-Kreis: Pflanzen erholen sich

Vom Regen profitieren vorerst nur obere Bodenschichten – auch im Werra-Meißner-Kreis

Zeigt den Pilzbefall: Gärtnerin Maura Schnappauf von der Solidarischen Landwirtschaft Freudenthal bei Witzenhausen deutet auf Mehltau auf Zwiebelblättern.
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Zeigt den Pilzbefall: Gärtnerin Maura Schnappauf von der Solidarischen Landwirtschaft Freudenthal bei Witzenhausen deutet auf Mehltau auf Zwiebelblättern.

Der Regen der vergangenen Monate hilft der Natur. „Die Pflanzen erholen sich nach trockenen Jahren“, so Uwe Roth vom Bauernverband Werra-Meißner. „Das gilt besonders für Wurzeln.“

Werra-Meißner – Das Wasser sei bisher aber nur in die oberen Bodenschichten gedrungen. „Ab etwa 80 Zentimetern Tiefe ist die Erde noch trocken.“ Das sei daran zu sehen, dass kleine Bäche, die vor etwa zwei Jahren versiegt seien, nur bei Starkregen Wasser führten.

„Der Boden bis zu einer Tiefe von 25 Zentimetern ist zurzeit besonders wasserreich“, sagt Jan Brandes, stellvertretender Forstamtleiter in Hessisch Lichtenau. Davon profitierten vor allem junge Pflanzen und Pflanzen mit kleinen Wurzeln. Daher wucherten derzeit unter anderem Büsche und Sträucher sehr gut. „Im Winter werden wir viele junge Bäume vom Gestrüpp befreien müssen.“

Derzeit diene das Gestrüpp Rehen und Hirschen als Nahrung, so Brandes. „Wildschweine finden jetzt viele Suhlen und mehr Nahrung wie Würmer und Engerlinge.“ Dadurch werde es aber vorerst nicht mehr Tiere geben. „Es müsste jahrelang so weiter gehen, bei einem Jahr rechne ich nicht damit.“

Früher habe der Niederschlag im Winter die Wasserverluste im Sommer ausgeglichen, so Brandes, „doch das ist seit drei Jahren nicht mehr der Fall.“ Seitdem starteten die Böden jährlich mit einem Defizit in den Frühling. Das sei trotz der aktuellen Regenfälle nicht ausgeglichen. „Es wäre möglich, wenn es bis Ende März kommenden Jahres 1000 Liter pro Quadratmeter regnet“, schätzt Roth. Bis das jedoch Auswirkungen auf das Grundwasser habe, dauere es acht bis zehn Jahre.

Das zeige sich auch am Trinkwasserspiegel, so Wassermeister Udo Mengel von den Stadtwerken Bad Sooden-Allendorf. „Er ist nur geringfügig höher.“ So sei der Wasserstand von zwei Brunnen, über die Bad Sooden-Allendorf teilweise versorgt werde, im vergangenen Jahr um etwa zehn Zentimeter gestiegen. „An der Wasserqualität hat das nichts geändert.“ Die Wasserversorgung sei jedoch bisher auch in trockenen Jahren stabil gewesen

Werra-Meißner-Kreis: Pilze schaden Gemüse und Buchen

Nicht nur die Pflanzen wachsen durch den vielen Regen – auch die Pilze. „Wir haben im Moment viel mit Mehltau und Rostpilzen an den Blättern unserer Pflanzen zu kämpfen“, sagt Gärtnerin Maura Schnappauf von der Solidarischen Landwirtschaft Freudenthal bei Witzenhausen. Das zeige sich vor allem bei Zwiebeln. Auch die Feldarbeit mit dem Traktor werde durch den Regen erschwert.

„Wir haben viele Flächen am Hang, da besteht bei so feuchten Böden die Gefahr, dass der Traktor ins Rutschen gerät“, sagt Schnappauf. Außerdem fahre er den Boden fest. „Pflanzen wie Möhren haben es dann schwer, in tiefere Bodenschichten vorzudringen.“ Kohl und Sellerie kämen mit dem Wetter besser zurecht. „Die wachsen gerade sehr gut“, sagt sie. Das gelte zwar auch für Salat, dieser sei jedoch sehr anfällig für Pilze.

Auch das Unkraut wuchere derzeit durch den vielen Regen. „Wir müssen es jetzt ausrupfen und aufwendig entsorgen“, sagt die Gärtnerin. „Alles, was auf den Feldern liegen bleibt, setzt in den feuchten Böden sofort wieder an.“

Außer den Gartenpflanzen leiden derzeit auch die Buchen. Sie sind im Werra-Meißner-Kreis noch sehr verbreitet – doch das könnte sich ändern. „Diese Bäume kommen mit den extremen Wetterschwankungen nicht gut zurecht“, sagt Jan Brandes, stellvertretender Forstamtsleiter in Hessisch Lichtenau. Viele seien bereits geschädigt oder sogar tot und damit leichte Beute für Käfer und Pilze. „Die Buchen werden wahrscheinlich nicht völlig verschwinden“, sagt er. „Es besteht aber die Gefahr, dass sie künftig nur noch eine Randerscheinung in Wäldern des Werra-Meißner-Kreises werden.“

Auch der Regen in den vergangenen Monaten werde das nicht verhindern. „Er dringt nicht in die unteren Schichten vor, da es oft nicht gleichmäßig regnet“, sagt der stellvertretende Forstamtsleiter. Das sei derzeit zum Beispiel an über die Ufer tretenden Flüssen zu sehen. „Das Wasser sickert nicht tief in die Erde, sondern fließt einfach ab.“ In 1,8 Metern Tiefe herrsche weiterhin Dürre.

Das sei insbesondere für alte Bäume mit tiefen Wurzeln ein Problem, so Brandes. „Etwa die Hälfte der Pflanze, die Wurzel, ist unter der Erde, die andere Hälfte darüber“, erläutert der Experte. Wenn die Wurzel nicht an genügend feuchten Boden komme, schaffe sie es unter Umständen nicht, den Stamm, die Äste und die Blätter mit genügend Wasser zu versorgen. (Von Fabian Becker)

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