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Werra-Meißner-Kreis: Warum Hamsterkäufe unnötig sind

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Von: Konstantin Mennecke

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Leere Regale in einem Supermarkt in Rotenburg.
Sorge vor Knappheit: Einige Kunden kaufen – wie bereits zu Beginn der Corona-Pandemie – vermehrt Mehl und Zucker ein. Leere Regale sind wie hier in Rotenburg die Folge. © Carolin Eberth

Werra-Meißner – Mehl, Öl, Toilettenpapier – wenn Produkte im Werra-Meißner-Kreis aktuell vergriffen sind, dann sind es meist diese Produkte. Das müsste aber nicht sein, wenn Kunden nur haushaltsübliche Mengen kaufen würden, wie eine Recherche unserer Zeitung bestätigt.

Im Tegut-Lädchen in Gertenbach ist die Nachfrage nach genau diesen Produkten aktuell besonders hoch, weshalb auf die Abgabe ausschließlich in haushaltsüblichen Mengen geachtet werde, wie Kathrin Popp betont. Die günstigsten Varianten von Weizenmehl seien zwar vergriffen, es gebe aber ohne Probleme Alternativen von den Lieferanten.

Ähnliches berichtet Steven Renner vom Verein Lebensqualität (LeQua) aus Hessisch Lichtenau. Der Verein beliefert als Caterer zahlreiche Einrichtungen in und um die Stadt mit warmem Mittagessen. Produkte wie Mehl und Öl seien zwar lieferbar, die Preise seien aber deutlich angestiegen und machten die Kostenkalkulationen zu einer Herausforderung. In der Catering-Branche erwartet man laut Renner in den kommenden Wochen und Monaten steigende Preise für Fleisch, da die Preise für Getreide als Futtermittel ebenfalls deutlich anzögen.

In diversen Supermärkten, unter anderem in den Edeka-Märkten Zeuch in Eschwege und Salzmann in Sontra, appelliert man bereits seit der vergangenen Woche mit Schildern an die Kunden, Produkte wie Mehl, Zucker, Nudeln, Öl, Eier, Toilettenpapier und auch Milch nur in haushaltsüblichen Mengen einzukaufen. So setze man die funktionierenden Lieferketten nicht durch übermäßiges Bevorraten unter Druck und jeder Kunde bekomme beim Besuch des Marktes auch das, was er benötige.

Probleme bei der Versorgung mit Medikamenten gibt es aktuell keine – unter anderem auch, weil die Politik eingeschritten ist. Das Krebsmedikament Tamoxifen wurde laut Apothekerin Carla Schäfer, Inhaberin der Witzenhäuser Rübezahl-Apotheke, knapp. Per Verfügung wurde nun ein übermäßiges Bevorraten mit dem Medikament für Kunden verhindert.

Grundsätzlich sei die bei vielen Medikamenten aus Europa ausgelagerte Produktion und die Abhängigkeit von wenigen Herstellern ein Problem. Die Kunden können nach Schäfers Worten ihr benötigtes Medikament jederzeit bekommen, wenn auch nicht immer vom gleichen Hersteller. Sie sollten sich nur rechtzeitig, also gut zwei Wochen vor Ende der Packung, melden.

Probleme macht die Logistik

Die Probleme für den Lebensmittel-Einzelhandel sind vielfältig. Das bestätigt uns der Leiter eines Zentrallagers aus der Branche, der anonym bleiben möchte. Dass viele Produkte vergriffen sind, liege aktuell nicht an ausbleibender Produktion, sondern insbesondere an hohen Krankenständen in Folge der Corona-Pandemie sowie an der Tatsache, dass viele Fahrer aus dem Fernverkehr ausfallen, da sie in der Ukraine und in Russland verpflichtend in den Krieg gezogen wurden.

Von Konstantin Mennecke

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