HNA-Serie: Das junge Handwerk

Lennard Dix macht eine Ausbildung zum Elektroniker

Auf dem Weg zur Arbeit: Lennard Dix arbeitet in der elterlichen Firma Eduard Müller und Sohn. Seine Mutter führt den Betrieb in dritter Generation.
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Auf dem Weg zur Arbeit: Lennard Dix arbeitet in der elterlichen Firma Eduard Müller und Sohn. Seine Mutter führt den Betrieb in dritter Generation.

Im Handwerk herrscht Nachwuchsmangel. Bis Oktober 2021 wurden rund 30.000 offene Stellen gemeldet. Wir stellen in dieser neuen Serie Handwerksberufe vor. Heute: Elektroniker.

Berkatal – Um 7.30 Uhr beginnt Lennard Dix’ Arbeitstag als angehender Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik. Die acht, neun, manchmal zehn Stunden, die dann folgen, haben ihn am Anfang seiner Ausbildung noch erschöpft. „Ich bin ich abends wirklich ins Bett gefallen und habe nur geschlafen“, sagt Dix. „Da habe ich nicht viel unternommen, war nur fertig.“

Heute sieht das anders aus: Als Lennard Dix an einem Tag im Dezember um 10 Uhr los zu einem Termin fährt, ist sein Gang beschwingt und sein „Hallo“ an die Kundin ein Fröhliches. Seit dem 1. September 2021 macht er seine Ausbildung, und fast jeder Tag auf der Arbeit mache ihm Spaß, erzählt der 19-Jährige.

Nach dem Abitur hatte er zunächst andere Pläne: Bei der Polizei bewerben oder den Freiwilligen Wehrdienst machen, vielleicht studieren. Vorher aber wollte Dix dem Beruf „eine Chance geben“, sagt er. „Ich bin ja schon öfter mit dem Handwerk in Berührung gekommen und es hat mir immer Spaß gemacht.“

Die Neigung zum Handwerk wird bei Familie Dix gewissermaßen vererbt: Lennards Mutter Manuela Dix führt schon in dritter Generation die Firma Eduard Müller und Sohn. Und Lennard ist damit aufgewachsen. Schon vor seiner Ausbildung habe er oft mitgeholfen, Kleinigkeiten, so viel habe er da noch nicht machen dürfen. „Strom ist wirklich sehr gefährlich“, sagt Dix. „Das habe ich früher immer unterschätzt.“

Erst in der Berufsschule habe er sich richtig damit auseinandergesetzt. Wichtige Theorie wie die Sicherheitsregeln, die einzuhalten sind, lernt der Auszubildende dort. Die Praxis zeigen ihm Kollegen bei seiner Ausbildung im elterlichen Betrieb. Meist ist er mit einem Monteur unterwegs, auf Baustellen oder mehreren Terminen am Tag. „Da wird mir dann gezeigt, wie es funktioniert“, erzählt Dix, „danach kann ich es selbst machen und mir wird über die Schulter geschaut.“

Lennard Dix, Auszubildender.

Mit der Entscheidung zur Ausbildung ist er bisher zufrieden. „Es ist ein sehr sicherer Beruf, weil er immer gebraucht wird“, sagt Dix, „und gute Handwerker sind heute Mangelware.“ Das spürt selbst er als Auszubildender: Von seinen Mitschülern aus dem Abitur-Jahrgang kenne er nur einen, der auch ins Handwerk gegangen sei. Und an der Berufsschule? „Mir wurde gesagt, dass etwa die Hälfte in der Ausbildung aufhört“, sagt Dix. B

ei dem Gedanken zuckt er nur mit den Schultern: „Ich kann mir vorstellen, dass man sich das im Betrieb anders vorgestellt hat, sich mehr strecken muss als gedacht.“

Anstrengend – aber dafür abwechslungsreich. Jeden Tag kann Lennard Dix etwas neues lernen. Was er besonders gut daran findet: Nach der Ausbildung selbst vieles machen zu können, was man als Laie nicht einmal dürfe. Pläne, wie es nach der Ausbildungszeit für ihn weitergeht, hat er noch nicht festgemacht.

Vielleicht werde er doch noch studieren, vielleicht einige Jahre in einem anderen Betrieb arbeiten, um Erfahrungen zu sammeln – oder doch die gleiche Laufbahn wie sein Vater, Groß- und Urgroßvater einschlagen. „Wenn mir das alles gefällt, vielleicht mache ich auch meinen Meister“, sagt der 19-Jährige.

Druck, den Betrieb zu übernehmen, machen seine Eltern ihm aber nicht. „Mama fragt schon häufiger: ‘Na, wie gefällt es dir, macht es dir Spaß?’“, erzählt Lennard Dix lachend. „Aber sie meinte auch, wenn es mir nicht gefällt – dann ist das halt so.“ (Von Alina Andraczek)

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